Drahtlose Kommunikation
Turck baut Wireless-Spektrum aus
Vor einem Jahr hat Turck erste eigene Wireless-Komponenten vorgestellt. Zur SPS/IPC/Drives 2009 wird das Portfolio ausgebaut. Markus Bregulla, Produktmanager Opto- und Ultraschallsensoren, äußert sich zum Thema drahtlose Kommunikation.
Herr Bregulla, ein Jahr Wireless bei Turck - wie ist die Resonanz der Anwender?
Bregulla: Wir haben neben Kunden, bei denen ein wirkliches Problem durch die Anwendung unserer DX80-Funkprodukte gelöst wurde, mittlerweile auch OEM-Partner gewinnen können. Dies zeigt, dass selbst bei Standardlösungen zunehmend Vertrauen gegenüber Funkanwendungen vorhanden ist und hoffentlich auch weiter wachsen wird. Derzeit liegt der größere Teil unseres Wireless-Umsatzes im Bereich der Fabrikautomation und in Branchen wie Agrarwirtschaft oder Verkehr. In der Prozessindustrie ist die Akzeptanz von drahtlosen Lösungen noch nicht so ausgeprägt.
Zur diesjährigen SPS/IPC/Drives haben Sie ihr DX80-System erweitert. Welcher Art sind die Ergänzungen?
Bregulla: Zum einen stellen wir neue Teilnehmer mit speziellen Funktionen vor, beispielsweise mit integrierter Sensorik zum Messen von Luftfeuchte, Temperatur oder auch zum Erfassen von Fahrzeugen über integrierte Magnetfeldsensoren. Zum anderen haben wir die Konfiguration des Wireless-Netzwerks vereinfacht. Ursprünglich musste uns der Anwender genau über seine Applikation informieren, damit das gelieferte System konfiguriert werden konnte. Über eine einfache, kostenlose Software ist er nun selber in der Lage, die Parametrierung vorzunehmen und jederzeit sein Netzwerk zu ändern oder zu erweitern.
Ebenfalls neu sind ATEX-Zulassungen für eine große Anzahl von Teilnehmern, die ausschließlich mit Batterieversorgung arbeiten. Und nicht zuletzt haben wir die Möglichkeiten der Datenübertragung von RS232 oder RS485 von einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung auf ein so genanntes Multi-Hop-Verfahren erweitert. Damit ist es nun ebenfalls möglich, ein ganzes Netzwerk mit Repeatern zur Reichweitenvergrößerung aufzubauen.
Bei der Wireless-Lösung von Turck handelt es sich um eine proprietäre Funklösung. Warum setzen Sie nicht auf Standard-WLAN oder Bluetooth?
Bregulla: WLAN und Bluetooth sind ursprünglich nicht für den industriellen Gebrauch konzipiert worden. Eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zu unserem DX80-Systems ist das von Beginn an eingeplante deterministische Verhalten über Prüfsummenvergleich und andere Mechanismen, wohingegen bei WLAN oder Bluetooth die Kontrolle der übertragenen Daten zusätzlich aufgesetzt werden muss.
Die Erfahrung hat zudem gezeigt, dass unsere Wireless-Komponenten, welche auf der von unserem Partner Banner Engineering entwickelten Funktechnologie basieren, beispielsweise durch anwesende Störer wie Handies oder PDAs mit aktivem WLAN nicht beeinflusst werden - andere Systeme dagegen schon.
Neben Turck definieren viele andere Marktbegleiter ihre eigenen Wireless-Standards. Entstehen damit aber letztlich nicht wieder Insel-Lösungen, in die sich in der Regel nur Automatisierungskomponenten eines Herstellers einbinden lassen und somit das Wireless-Thema eher bremsen als vorantreiben?
Bregulla: Wireless-Lösungen kommen in der Industrie teilweise seit mehr als zehn Jahren zum Einsatz, doch erst heute sehen wir einen Durchbruch - nicht zuletzt durch die stetige Weiterentwicklung und Einführung von Standards. Zwar sind daraus die angesprochenen Insel-Lösungen hervorgegangen, was ich aber insgesamt positiv sehe.
Derzeit gibt es einige sehr gute Wireless-Lösungen auf dem Markt und es besteht der berechtigte Eindruck, dass keine Technologie für alle Anwendungen gleich gut ist. Der wichtigste Punkt aber ist die Koexistenz all dieser Systeme. Um dies zu gewährleisten, arbeiten wir mit anderen Herstellern im ZVEI derzeit an neuen Standards.
In welche Richtungen werden künftige Weiterentwicklungen beim Thema drahtlose Kommunikation gehen?
Bregulla: Unsere Aktivitäten zielen unter anderem auf das weltweit lizenzfreie 2,4-GHz-Frequenzband. Dies muss bei gemeinsamer Nutzung mehrerer Funktechnologien für alle Teilnehmer an einem Ort so aufgeteilt werden, dass es gut ausgeschöpft wird und eine gegenseitige Beeinflussung unterbleibt.
Hierzu ist ein so genanntes Frequenzmanagement erforderlich, das vielleicht durch gezieltes Ausblenden einiger Frequenzkanäle oder durch eigenständige Anpassungsfähigkeit der beteiligten Funksysteme die Koexistenz sichert. Hierfür gibt es bereits Vorschläge, auf welche Weise sich die unterschiedlichen Systeme das Frequenzband in Zukunft aufteilen können.










