Interview mit Jessica Bethune, Schneider Electric
Datentransparenz als Erfolgsfaktor
Ein Kernelement der „All Electric Society“ ist ein stabiles und bedarfsgerechtes Energiemanagement in Produktionsanlagen, insbesondere bei der Integration erneuerbarer Energien. Im Interview erläutert Jessica Bethune von Schneider Electric, wie entscheidend die Digitalisierung der Energieverteilung ist, um Datentransparenz zu schaffen und Ineffizienzen zu identifizieren.
Wie lässt sich in Produktionsanlagen sicherstellen, dass die Energieverteilung stabil und bedarfsgerecht erfolgt, insbesondere bei dezentralen Energiequellen?
Als industrielles Technologieunternehmen treiben wir global die digitale Transformation des Energiemanagements und der Automatisierung voran. Wir haben Komponenten, Systeme und Software für Unternehmen entwickelt – egal, ob Mittelstand oder globaler Konzern – und begleiten diese auch beratend auf ihrem Weg der digitalen Transformation.
Die Energieverteilung kann aus unserer Sicht nur stabil und bedarfsgerecht erfolgen, wenn durch die Digitalisierung der Prozesse für die nötige Datentransparenz gesorgt ist. Denn nur so können beispielsweise Ineffizienzen oder Verschleiß frühzeitig erkannt werden. Energieflüsse lassen sich nur optimieren, wenn jederzeit aktuelle Daten über erzeugte, benötigte und gespeicherte Energie vorliegen.
Wie lassen sich erneuerbare Energiequellen in Produktionsumgebungen integrieren, und welche Herausforderungen begegnen einem dabei?
Die Herausforderung besteht darin, dass erneuerbare Energien eigentlich nicht ideal für die Versorgung von Industriebetrieben sind. Industrielle Produktion ist auf eine permanente und qualitativ hochwertige Stromversorgung angewiesen – und das können erneuerbare Quellen allein nicht gewährleisten. Zumindest nicht ohne eine digitalisierte Energieverteilung.

Interview mit Mark Becker-von Bredow, ZVEI
Der eMonitor - Gradmesser der Elektrifizierung
Vor rund einem Jahr stellte der ZVEI den ‚eMonitor‘ vor. Im Interview spricht Mark Becker-von Bredow, Bereichsleiter Elektrifizierung und Klima beim ZVEI, über Ziele und Erkenntnisse des Gradmessers der Elektrifizierung.
Diese dient als eine Art Zwischenebene zwischen Erzeugung und Verbrauch. Erst mit ihrer Hilfe lässt sich erzeugte, vorhandene und benötigte Energie so managen, dass eine 24/7-Produktion vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden kann.
Welche Technologien setzen Sie ein, um den Energiebedarf in Produktionsanlagen in Echtzeit zu überwachen und zu steuern?
Bei Schneider Electric bieten wir eine breite Palette innovativer Technologien und Softwarelösungen an, die es Unternehmen ermöglichen, ihren Energieverbrauch zu überwachen, zu steuern und zu optimieren. Dazu gehören intelligente Zähler, Energiemanagement-Software und Automatisierungssysteme.
Durch den Einsatz von IoT und digitalen Technologien integrieren wir fortschrittliche Analytik und künstliche Intelligenz in unsere Lösungen. So helfen wir unseren Kunden, wertvolle Einblicke in ihren Energie- und Ressourcenverbrauch zu gewinnen, Ineffizienzen zu identifizieren und datengestützte Entscheidungen zu treffen.
Wie lässt sich die Versorgungssicherheit einer Produktion auch bei unvorhergesehenen Energieengpässen gewährleisten?
Auch bei der Versorgungssicherheit spielt Datentransparenz eine entscheidende Rolle. Sie hilft, kritische Ereignisse wie Energieengpässe vorherzusehen oder sogar zu vermeiden.
Darüber hinaus ist die Implementierung von Lastmanagementsystemen sinnvoll. Diese überwachen und steuern den Energieverbrauch in Echtzeit. Sie können beispielsweise nicht-kritische Prozesse bei Engpässen automatisch herunterfahren oder verschieben, um die Stabilität der Produktion zu sichern.
Wie lassen sich moderne Energiemanagementsysteme in bestehende Produktions- und Betriebsprozesse integrieren?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten, denn die Integration hängt stark von der jeweiligen Ausgangssituation ab – beispielsweise davon, welche Systeme bereits existieren und wie weit die Digitalisierung der Prozesse fortgeschritten ist.
Da wir wissen, wie individuell solche Anforderungen sein können, haben wir bei Schneider Electric eine spezielle Beratungsabteilung ins Leben gerufen: Industrial Digital Transformation Services. Diese ist auch in Deutschland verfügbar und auf die Themen Energieeffizienz, Asset Performance, operative Effizienz und Cybersecurity spezialisiert.
Unsere Fachleute verstehen sich als Analysten, Berater und Partner ihrer Kunden. Sie helfen, eine maßgeschneiderte Digitalisierungslösung zu entwickeln und diese termingerecht sowie innerhalb des geplanten Kostenrahmens umzusetzen.
Welche zukünftigen Entwicklungen im Bereich des Energiemanagements halten Sie für entscheidend, um die Vision einer All Electric Society Realität werden zu lassen?
Es braucht eine wirklich durchgängige Datenkommunikation – also offene Austauschformate und Integration statt isolierter Lösungen oder Datensilos.
Je weitreichender und detaillierter die Datentransparenz ist, desto intelligenter und effizienter kann die verfügbare Energie genutzt werden. Genau dafür haben wir beispielsweise unsere IoT-Architektur EcoStruxure entwickelt. Sie stellt sicher, dass die angesprochene Datendurchgängigkeit auch dann noch gewährleistet ist, wenn Projekte sich weiterentwickeln oder erweitert werden.











