Interview mit Mark Becker-von Bredow, ZVEI
Der eMonitor - Gradmesser der Elektrifizierung
Vor rund einem Jahr stellte der ZVEI den ‚eMonitor‘ vor. Im Interview spricht Mark Becker-von Bredow, Bereichsleiter Elektrifizierung und Klima beim ZVEI, über Ziele und Erkenntnisse des Gradmessers der Elektrifizierung.
Vor rund einem Jahr stellte der ZVEI den eMonitor vor. Mit welchen Zielen sind Sie an das Projekt herangegangen und haben sich diese erfüllt?
Ausgesprochenes Ziel war es, den Elektrifizierungsgrad in Deutschland zu messen und sichtbar zu machen. Der ZVEI ist überzeugt, dass Klimaneutralität nur durch eine umfassende Elektrifizierung von Wirtschaft und Gesellschaft auf Basis von grünem Strom erreicht werden kann. Dass der Weg dorthin eine gewissen Ausdauer benötigt und mit großen Herausforderungen verbunden ist, ist klar. Gerade bei solchen einschneidenden Veränderungen ist es gut, wenn man Entwicklungen begleitet und dokumentiert. Der eMonitor möchte genau das leisten und den Wandel sichtbar machen – im Positiven wie im Ausbaufähigen.
Ziel war es, zu zeigen, dass wir schon ein gutes Stück auf dem Weg vorangekommen sind. Gleichzeitig sollten auch die Möglichkeiten dargestellt werden, wie und wo die Elektrifizierung – sowohl in der direkten als auch der indirekten Form, etwa durch grünen Wasserstoff – noch weiter vorangebracht werden kann. Und das ist auch gelungen: Anhand ausgewählter Indikatoren zeigt er beispielhaft den Fortschritt und die Dynamik der Elektrifizierung in den Bereichen Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude und Verkehr.
Derzeit werden die Zahlen aktualisiert, zudem ist ein kleines Face-Lift zum einjährigen Bestehen geplant.
Welche Aussagen lassen sich aus dem eMonitor konkret ablesen und welchen Mehrwert bieten sie?
Der eMonitor zeigt anhand von Zahlen die Fortschritte, aber auch die Potenziale auf dem Weg zur All Electric Society. Wichtig bei der Erstellung des eMonitors war es, dass diese Zahlen nicht im luftleeren Raum betrachtet, sondern durch weitere Einordnung in den Kontext gesetzt werden müssen. Beispielsweise können die Entwicklungen am Wärmepumpenmarkt nur im Kontext der politischen Diskussion rund um das Gebäudeenergiegesetz verstanden werden. Diese Verknüpfung schafft der eMonitor und geht sogar noch einen Schritt weiter: Er verbindet die Analyse von Ist-Zuständen mit Empfehlungen. Ein Beispiel: Beim Anteil von erneuerbaren Energien am Strommix wird explizit gefordert, dass bei eben diesen das Augenmerk verstärkt auch auf die Integration in das Energiesystem gelegt werden muss.
Gab es während der bisherigen Auswertungen des eMonitor unerwartete Erkenntnisse, die Ihre bisherigen Annahmen bestätigt oder widerlegt haben?
Für eine Branche, die wie kaum eine zweite um die Vorteile aber auch Herausforderungen der Elektrifizierung weiß, kamen die Zahlen nicht überraschend. Was aber die Recherche noch einmal eindringlich gezeigt hat, ist die komplexe Verwobenheit verschiedener Bausteine. Nehmen wir die intelligenten Messsysteme. Erst wenn diese flächendeckend installiert sind, kann das enorme Einsparpotenzial von nachfrageseitiger Flexibilität gehoben werden. Die intelligente Nutzung von Wärmpumpen, Heimspeichern und Elektrofahrzeugen spart Gesamtsystemkosten, macht sich auch im Geldbeutel der Endverbraucher bemerkbar und pusht dadurch den Umstieg auf weitere strombasierte Lösungen.
Das wiederum kann sich unter anderem auf die Ladeinfrastruktur auswirken. Und wie die Zahlen zeigen, hat Deutschland gerade im Verkehr noch deutlichen Nachholbedarf in Sachen Elektrifizierung.











