Sercos Interface

Günter Herkommer,

Protokoll- und Profiltester erleichtert Zertifizierung

Auf der Pressekonferenz von Sercos International kündigte Geschäftsführer Peter Lutz die Verfügbarkeit eines neuen Protokoll- und Profiltesters für Sercos-III-Slave-Implementierungen an und lieferte zudem einen Statusbericht über diverse laufenden Aktivitäten innerhalb der Sercos-Organisation.

Peter Lutz, Geschäftsführer Sercos International: „Bei der Open-Source-Bibliothek von Sercos III handelt es sich nicht um Beispielcode, sondern um eine sorgfältig getestete Treibersoftware ohne funktionale Einschränkungen.“

Der Sercos-III-Conformizer - so die offizielle Bezeichnung des neuen Prüfsystems - wurde im Auftrag von Sercos International (SI) am Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) der Universität Stuttgart zur Durchführung von Konformitätstests für Sercos-III-Slave-Geräte entwickelt. Mit Hilfe dieses Prüfsystems stellt das für die Prüfung von Sercos-III-Produkten zuständige Prüflabor am ISW sicher, dass entsprechende Slave-Implementierungen von unterschiedlichen Herstellern kompatibel und interoperabel sind.

Daneben kann der Conformizer ab sofort aber auch von Geräteherstellern käuflich erworben werden, die dieses Testwerkzeug bereits im Stadium der eigenen Produktentwicklung zum Zwecke der Qualitätssicherung einsetzen und dadurch den Zeit- und Kostenaufwand für die eigentliche Zertifizierung minimieren möchten. Im Detail beinhaltet der als komplette Test- und Entwicklungsumgebung für Slave-Anschaltungen angebotene Conformizer eine aktive PCI-Sercos-III-Schnittstellenkarte sowie die Prüfsoftware, die unter Windows XP ohne zusätzliche Echtzeit-Erweiterungen läuft.

Die Pressekonferenz nutzte Peter Lutz zudem als Rahmen, um bereits die ersten Zertifikate an Firmen zu vergeben, deren Produkte die neue Sercos-III-Zertifizierung erfolgreich hinter sich gebracht haben: an die Firma HMS für ihr neues Sercos-III-Anybus-Modul, an Phoenix Contact für verschiedene I/O-Peripheriegeräte und Achsmodule, an Hilscher für seine netX-Slave-Anschaltung, an Wago für einen Sercos-III-Buskoppler sowie an Rexroth für deren Indradrive-Antriebe.

Neben dem Thema Zertifizierung gibt es eine Reihe weiterer Mosaiksteine, an denen die Sercos-Gemeinde derzeit arbeitet. Einer davon ist das Thema Open Source. Im April hatte die Nutzerorganisation angekündigt, eine Treiberbibliothek für Sercos-III-Masterimplementierungen in Form einer Open-Source-Software zur Verfügung zu stellen. Mittlerweile wurde die Bibliothek über das Portal sourceforge.net bereitgestellt und kann von interessierten Steuerungs- beziehungsweise Toolherstellern entsprechend der LGPL-Lizenz verwendet werden. Im nächsten Schritt, der bis April 2010 vollzogen werden soll, ist geplant, den Treiber in die Mainline-Version des Open-Source-Betriebssystems Linux zu integrieren.

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Encoder-Profil und FDT-Integration vor dem Abschluss

Nicht zuletzt ist SI aktuell dabei, diverse Features und Profile in Sercos III nachzupflegen, die sich aus dem erweiterten Einsatzspektrum der ethernetbasierten Kommunikationsschnittstelle ergeben. Als Beispiel nannte Lutz erweiterte Mechanismen für schnelle und synchrone I/Os mit Hilfe von Oversampling und Time-Stamping, die beispielsweise für anspruchsvolle Anwendungen im Maschinenbau, aber auch in der Mess- und Prüftechnik erforderlich sind. Auch ein spezielles „Energy-Profil" - vom Ansatz her vergleichbar mit dem ProfiEnergy-Profil der Profibus-Nutzerorganisation - ist in Arbeit.

Im Wesentlichen abgeschlossen ist zudem das zur Hannover Messe verkündete Encoder-Profil. Lutz hierzu: „Hersteller und Anwender haben sich bereits auf den Funktionsumfang des Encoder-Profils geeinigt. Aufgrund von Ressourcen-Engpässen liegt aktuell jedoch noch keine komplett ausgearbeitete Spezifikation vor." Geplant ist, dass die ausgearbeitete Encoder-Profilspezifikation mit dem nächsten Spezifikations-Update, das für das erste Halbjahr 2010 geplant ist, verabschiedet wird.

Was ebenfalls noch auf sich warten lässt, ist die Integration von Sercos III in die FDT-Spezifikation. Zwar habe die Sercos-FDT-Projektgruppe diesbezüglich alle notwendigen Hausaufgaben gemacht und eine komplette Spezifikation ausgearbeitet. „Die Regeln der FDT-Group besagen allerdings, dass Erweiterungen in die FDT-Spezifikation erst dann eingebracht werden können, wenn mindestens zwei Testimplementierungen vorweisbar sind. Und im Moment gibt es eine solche leider lediglich von Hilscher" - bedauert Lutz.

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