Feldbusse

Dr. Christopher Anhalt, Georg Suess | Günter Herkommer,

Profibus-Installation kontinuierlich überwachen

Auch Feldbusse behalten nach der Installation ihren einwandfreien Zustand nicht zwangsläufig bei. Sie können ebenfalls 'altern', so dass aufgrund von Busstörungen ­Produktionsausfälle drohen. Diese Situation lässt sich durch eine kontinuierliche ­Überwachung der Netze vermeiden.

© Softing Industrial Automation

Mit einem Alter von beinahe 150 Jahren ist die Papierfabrik Aschaffenburg von DS Smith eine der ältesten in Europa. In ihr werden vorwiegend Wellpappen-Rohpapiere mit einem niedrigen Flächengewicht produziert – und dies seit 1990 zu 100 % aus Altpapier. Die Maschine, die dabei zum Einsatz kommt, fertigt pro Minute bis zu 1400 Meter Papier mit einer Breite von 7,53 Metern. Als Ergebnis kann die Papierfabrik Aschaffenburg pro Jahr 400.000 Tonnen Papier ausliefern.

Möglich wird diese Leistungsfähigkeit durch einen hohen und durchgän­gigen Automatisierungsgrad der regelmäßig modernisierten Fabrik, die neben der Papiermaschine selbst etwa die Bereiche Altpapier-Aufbereitung, biologische Kläranlage, Wasseraufbereitungsanlage, Reststoff-Verbrennungsanlage und das Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk umfasst. Diese Bereiche sind unter einem zentralen Prozessleitsystem zusammengefasst. Ein Schlüssel dafür ist der durchgängige Datenaustausch, dessen Abwicklung über Profibus erfolgt.

Wenn auch dieser Feldbus für eine robuste digitale Datenübertragung steht, so ist mit Blick auf den tagtäg­lichen Betrieb dennoch zu berücksichtigen, dass es ungeachtet einer einwandfreien Installation im Laufe der Zeit zu einer fortschreitenden Abnahme der Betriebsreserven für die Feldbus-Kommunikation und damit letztendlich auch zu schwerwiegenden Kommunikationsstörungen kommen kann. Verantwortlich dafür können beispielsweise EMV-Einflüsse, defekte Steckverbinder oder ein fehlerhafter Busabschluss sein, wie sie etwa durch starke Oxidation verursacht werden. Plötzliche Produktionsstillstände und damit einhergehende finanzielle Verluste sind die Folge.

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Der TH Link Profibus bietet einen zusätzlichen, steuerungsunabhängigen Zugang zu Profibus-Netzen mit Funktionalität zur kontinuierlichen Überwachung.

© Softing Industrial Automation

Von dieser Problematik war auch das Papierwerk Aschaffenburg betroffen. Allerdings wollte DS Smith derartige Ausfälle nicht akzeptieren und entschloss sich bereits im Jahr 2009 dazu, die Situation durch eine kontinuierliche Zustandsüberwachung der Profibus-Netze nachhaltig zu verbessern. In einem ersten Schritt wurden zunächst dafür Anforderungen definiert. So sollte die Lösung ohne Rückwirkungen auf die bereits installierten Systeme der Papierfabrik einsetzbar sein und keinen zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Mitarbeiter bedeuten.

Vor diesem Hintergrund teste DS Smith über mehrere Wochen intensiv diverse Geräte zur kontinuierlichen Profibus-Überwachung und entschied sich letztlich für die Lösung ‚TH Link Profibus‘ von Softing. Diese wird stationär in einem Schaltschrank installiert und bietet einen steuerungsunabhängigen Zugang zu den entsprechenden Feldbus-Netzen, ohne dass hierfür spezielle Projektierungswerkzeuge erforderlich sind. Selbst bei laufendem Betrieb lassen sich die Komponenten rückwirkungsfrei in eine Anlage einbinden. Insbesondere sind dafür keine Änderung der Busadressen und keine Anpassung des Steuerungsprogramms notwendig.

Das Feldbus-Überwachungsmodul lässt sich rückwirkungsfrei in bestehende Anlagen integrieren und benötigt nur wenig zusätzlichen Platz zur Installation im Schaltschrank.

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Zu den wesentlichen Vorteilen zählt die dauerhafte Netzdiagnose über das passive Mithören der Profibus-Telegramme. Dabei werden die Zykluszeit gemessen und kritische Ereignisse erkannt – darunter die Anzahl der Telegramm- und Nachrichtenwiederholungen, Neuanläufe von Feldbus-Teilnehmern, Gerätefehler und Diagnosemeldungen. Diese Daten erlauben frühzeitig Rückschlüsse auf den aktuellen Status der Buskommunikation und sich gerade anbahnende Fehler, während das Netz selbst noch einwandfrei arbeitet. Über individuell festlegbare Grenzwerte – etwa die Obergrenze für erlaubte Telegrammwiederholungen – kann aus diesen Daten darüber hinaus schnell eine zusammenfassende ‚Gut/Schlecht‘-Aussage über den Betriebszustand der Anlage abgeleitet werden. Alle Einzeldaten sind über einen integrierten Web-Server, der mit einem zentralen Prozessleitsystem verbunden ist, abrufbar – eine Überprüfung vor Ort wird damit überflüssig. Darüber hinaus bietet die beschriebene Lösung auf der Grundlage dieser Daten eine intelligente Hilfestellung bei der Fehlersuche und eine Statistik zur Optimierung der Netzkonfiguration. Ein besonderer Vorteil ist schließlich der automatische Versand einer E-Mail-Nachricht sobald der beobachtete Gesamtzustand der Kommunikation von ‚Gut‘ nach ‚Schlecht‘ wechselt. Wolfgang Groß, der als Mitarbeiter der Abteilung Elektro-, MSR- und Automatisierungstechnik in der Papierfabrik Aschaffenburg für den Einsatz der geschilderten Lösung verantwortlich ist, hierzu: „Für mich ist die E-Mail-Benachrichtigung über eine sich anbahnende Störung eine wichtige Funktionalität. So habe ich auch in der Büroumgebung ständig einen genauen Überblick über das aktuelle Kommunikationsverhalten in allen Anlagen und muss nicht erst vor Ort den augenblicklichen Status der einzelnen Profibus-Netze ermitteln.“

Ein wesentliches Kriterium für die Entscheidung von DS Smith zum Einsatz von TH Link Profibus war, dass dieses Gerät kein aktiver Teilnehmer im Netz ist, der das Kommunikationsverhalten verändert, sondern dass es die versandten Telegramme nur passiv mithört. Direkt im Anschluss an den Test erfolgte im September 2009 die Installation der ersten Geräte. Bereits im ­November wurden 15 weitere Geräte ­geordert, so dass bald darauf sämtliche Profibus-Netze der Papiermaschine sowie der Bereiche Altpapier-Aufbereitung und biologische Kläranlage kontinuierlich überwacht werden konnten. Das ­Resultat: „Durch die kontinuierliche ­Überwachung unseres Feldbus-Netzes konnten wir die Ausfallzeiten der Papiermaschine um die Hälfte verringern, weil wir frühzeitig auf Schwachstellen hingewiesen werden und uns rechtzeitig vor einem Anlagenstillstand um eine Behebung kümmern können“, erinnert sich Joachim Gutjahr, der verantwortliche Leiter der Abteilung Elektro-, MSR- und Automatisierungstechnik in der Papierfabrik Aschaffenburg. „Damit konnte DS Smith die Verluste um eine hohe fünfstellige Euro-Summe reduzieren.“

Die möglichen Fehlerbilder

Aufsetzend auf den Möglichkeiten des aktuellen Profibus-Standards erkennt ‚TH Link Profibus‘ Fehlerbilder einer abnehmenden Betriebsreserve. Dies können sein:

Der Zeitstempel in der Diagnoseliste erlaubt Rückschlüsse auf die Gründe eines Profibus-Slave-Ausfalls.

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Kurze und sporadische Ausfälle von Geräten

Für den Datenaustausch verwendet Profibus eine Abfolge von Request- und Response-Nachrichten. Erhält der Profibus-Master auf eine Datenanforderung keine Antwort, wiederholt dieser den Versand der Request-Nachricht an den Slave in einer konfigurierbaren Anzahl. Bleiben auch diese Telegrammwiederholungen unbeantwortet, wird in jedem weiteren Zyklus eine Diagnose-Request-Nachricht versandt, bis der Slave darauf antwortet. An der Nachricht, dass die Station nicht betriebsbereit ist, erkennt der Master, dass die Station ausgefallen ist und sendet daraufhin die Geräteparameter und die Konfigurationsnformation. Auf die anschließende Diagnose-Request-Nachricht antwortet der Slave, dass das Gerät einsatzbereit ist.

Diese gesamte Kommunikation wird – versehen mit Zeitstempeln – im TH Link Profibus ­protokolliert und in der Diagnoseliste angezeigt. Aus der Zeitdauer zwischen der ausbleibenden Antwort auf eine Datenanforderung und der erneuten erfolgreichen Antwort des Geräts lässt sich auf die Fehlerursache schließen. Da ein Profibus-Gerät nach einem Ausfall in der Regel zwischen drei und zehn Sekunden für einen Wiederanlauf benötigt, kann man aus einer Dauer von weniger als einer Sekunde schließen, dass die Telegramme nicht korrekt ausgetauscht wurden, was häufig auf einen Wackelkontakt oder eine elektrische beziehungsweise elektromagnetische Störung hindeutet. Ist der Ausfall sporadisch oder ist nur ein Busteilnehmer vom Ausfall betroffen, lässt sich ein Wackelkontakt als Fehlerursache ableiten.

Bei einer optimal eingestellten Baudrate wird der Großteil der Bandbreite für den Datenaustausch verwendet.

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Nicht optimale Vergabe von ­Busparametern

Der Nachrichtenaustausch im Profibus-Netz ist von zwei Zeitgrößen geprägt: Zum einen legt die Zykluszeit den zeitlichen Abstand zwischen dem Versand einzelner Request-Nachrichten an die verschiedenen Slaves fest, zum anderen bestimmt die Baudrate die Geschwindigkeit, mit der Daten im Netz ausgetauscht werden. Für eine möglichst robuste Kommunikation müssen beide Größen in einem passenden Verhältnis zueinander stehen. Dabei ist es nicht ideal, den Datenaustausch mit einer möglichst hohen Baudrate durchzuführen, weil dieser dann fehleranfälliger ist. Besser ist es dagegen, die Baudrate so festzulegen, dass für den Nettodatenaustausch etwa 70 bis 80 % der Zykluszeit benötigt werden. Vor diesem Hintergrund macht die Überprüfung Sinn, ob die (vor-)eingestellte Baudrate dem Datenaufkommen im Profibus-Netz angemessen ist.

Bei der kontinuierlichen Überwachung des Profibus-Netzes werden die Telegrammwiederholungen an die einzelnen Slaves protokolliert.

© Softing Industrial Automation

Fehlende Terminierung und elektrische oder elektromagnetische Störung

Ein starker Anstieg von Wiederhol-Telegrammen innerhalb weniger Minuten deutet auf Reflexionen im Netz hin. Beschränken sich die Wiederhol-Telegramme auf einen oder wenige Teilnehmer, so ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein fehlender Busabschluss die Ursache für die Kommunikationsstörung. Sind dagegen die Wiederhol-Telegramme gleichmäßig auf mehrere beziehungsweise alle Teilnehmer verteilt, liegt vermutlich eine elektrische oder elektromagnetische Störung vor. In diesem Fall ist in der Regel die Anzahl der Wiederhol-Telegramme nicht so hoch.

Beim Einsatz von Diagnose-Repeatern unterstützt TH Link Profibus den Anwender mit einer Klartext-Anzeige. Diese enthält die durch den Repeater an die Steuerung gesendeten Diagnose-Informationen zu erkannten Fehlern in der Busphysik wie zum Beispiel Reflexionen oder Kurzschlüsse. Dazu sind alle möglichen Texte der GSD-Datei im Link hinterlegt. Im Fehlerfall werden diese zusammen mit dynamischer Information – zum Beispiel der Distanz des festgestellten Fehlers – angezeigt.

TH Link Profibus zeigt Diagnosemel­dungen im Klartext zusammen mit dynamischer Information an.

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Verschlechterung der Buskommunikation

In TH Link Profibus lassen sich zwei Schwellwerte für die Anzahl von Telegrammwiederholungen festlegen. Einer überwacht deren Anzahl innerhalb einer Zeitdauer von 15 Minuten, der zweite innerhalb einer Zeitdauer von 24 Stunden. Bei einer Überschreitung dieser Schwell­werte wird ein entsprechender Alarm angezeigt. Eine Überschreitung des 15-Minuten-Schwellwerts kann auf eine Beschädigung der Leitung hindeuten, während eine Überschreitung des 24-Stunden-Schwellwerts ein Hinweis auf eine allgemeine Verschlechterung der Buskommunikation ist, zum Beispiel durch Korrosion.

Autoren:
Dr. Christopher Anhalt ist Senior Produktmanager Diagnose bei Softing;
Georg Suess ist bei Softing im Operational Marketing tätig.

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