EPSG
OpenSafety auf Profinet
Die Powerlink Nutzergruppe (EPSG) stellte zur Hannover Messe im April mit openSafety eine einheitliche Safety-Lösung für alle Industrial-Ethernet-Varianten vor und bezog sich dabei auf die Varianten Powerlink, Ethernet/IP, Sercos und Modbus. Jetzt legen die Powerlink-Protagonisten nach, wie Stefan Schönegger im Interview ausführt.
Stefan Schönegger, Geschäftsführer der EPSG und Business Unit Manager OAT bei B&R: „Es gibt keinen Grund für neuerliche Aufregung!“
Herr Schönegger, als Sie sich zur Hannover Messe in puncto openSafety auf Implementierungen mit den Ethernet-Varianten Modbus, Sercos Interface und Ethernet/IP bezogen haben, haben Sie sich einigen Ärger bei deren Nutzerorganisationen eingehandelt.
Schönegger: Die anfängliche Aufregung ist durch den Irrtum entstanden, dass wir direkt in ihre Standards eingreifen. Diese Wogen haben sich mittlerweile geglättet, denn openSafety nutzt ausschließlich die offene Applikationsschicht. openSafety ist aus Sicht der Ethernet-Varianten nur eine Applikation, die eine unabhängige Safety Lösung auf beliebigen Feldbussen oder Industrial Ethernet Varianten ermöglicht. Gerne arbeiten wir mit den verschiedenen Nutzergruppen aktiv im Sinne der Anwender zusammen. openSafety ist ein feldbusübergreifender Standard.
Jetzt legen Sie nach und propagieren auf der SPS/IPC/Drives openSafety auf Profinet. Geht es dieses Mal ohne Ärger mit der Profibus Nutzerorganisation ab?
Schönegger: Ich möchte nochmals hervorheben, dass auch aus Sicht von Profinet, openSafety nur eine Form der Applikation darstellt. Damit ist kein Grund für eine erneute Aufregung gegeben. Ähnlich wie die Übertragung von Sensordaten, ist openSafety eben eine Applikation für die Übertragung von sicheren Sensor/Aktordaten. Profinet wird dabei völlig standardkonform verwendet und das Produkt bleibt damit natürlich vollständig PNO-konform. Die Sicherheitszertifizierung nach IEC61508 ist unverändert gewährleistet.
Im April sagten Sie, dass „Profinet das einzige System sei, bei dem keine marktpolitische Notwendigkeit bestehe, openSafety zu nutzen.“ Warum nun der Sinneswandel?
Schönegger: Der Markt hat uns hier eines Besseren belehrt. openSafety auf Profinet ist trotz der großen Verbreitung von ProfiSafe aus Sicht der Endanwender eine Notwendigkeit. Hier hat uns die breite Forderung der Endanwender durchaus überrascht.
Bedeutet der Profinet-Vorstoß vielleicht ein starkes zukünftiges Profinet-Engagement seitens B&R?
Schönegger: Die B&R-Echtzeit-Industrial-Ethernet-Lösung ist ganz klar der Powerlink Standard und wir bauen hier die Aktivitäten zusammen mit der Ethernet Powerlink Standardization Group weiter aus. Wir haben jedoch Profinet und vor allem Profibus bereits seit langem verfügbar und bieten für unsere I/O-Baugruppen wie zum Beispiel das X20/X67-System hier eine optimale Anbindung. Weiters können wir natürlich auch an unsere Systemlösungen Profibus beziehungsweise Profinet Komponenten direkt einbinden und erschließen damit für alle unsere Kunden die komplette Bandbreite der Komponentenvielfalt.
Bis dato sind alle Initiativen einer einheitlichen Vernetzung in der Automation gescheitert. Was gibt Ihnen die Zuversicht, dass es dieses Mal anders sein könnte und welche Unterstützung – in konkreten Zahlen und Namen ausgedrückt – erhalten Sie hierbei von den Komponenten-Herstellern und den Anwendern?
Schönegger: Das enorme Echo in dieser kurzen Zeit seit der Hannover Messe 2010 ist für uns eine sehr positive Überraschung und die Bestätigung, dass wir mit openSafety auf dem richtigen Weg sind. Eine große Anzahl an Herstellern und Endanwendern hat bereits Ihre Unterstützung für das gemeinsame Ziel eines einheitlichen Safety-Standards zugesagt. Einige bedeutende Namen dürfen wir zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht erwähnen. Einige Beispiele, die wir heute bereits nennen können, sind Firmen wie Gallus, Singulus, IMA, Goss, Schmersal, KBA-Grafitec, Comau Robotics, Sidel, Maplan oder Bihl+Wiedemann. Das Interesse kommt aus allen Branchen.
Die Zuversicht, openSafety am Markt zu etablieren, hat zwei Gründe: Einerseits das starke Interesse der Anwender, einen erneuten Feldbus-Krieg auf Safety-Ebene zu verhindern. Andererseits erfüllt openSafety die berechtigte Forderung nach einer bedingungslosen Offenheit. Beides zusammen gibt für die Gerätehersteller eine massive Reduktion des Entwicklungsaufwandes und für die Maschinenbauer und Endanwender einen klaren Kostenvorteil bei gleichzeitiger Investitionssicherheit. Der Endkunde und damit der Kundennutzen wird entscheiden.










