Phoenix Contact

Meinrad Happacher,

Ethernet trifft Reihenklemme

“Krise bedeutet nicht Stillstand für Innovationen“, leitete Geschäftsführer Roland Bent die Pressekonferenz von Phoenix Contact am heutigen Dienstag ein. Um dann mit Axioline ein neues I/O-System vorzustellen, das seinen Worten nach „die industrielle Kommunikationstechnik spürbar beeinflussen wird.“

© Phoenix Contact

Mit einer Innovations-Offensive in allen Geschäftsbereichen will Roland Bent die Marktposition von Phoenix Contact weiter verbessern und neue Märkte angehen.

Stellvertretend für eine Reihe von Neuheiten verweist er auf das Safety-Bridge-System und einen neuen 10-Gigabit-Ethernet-Stecker in M12, bevor er auf das Messe-Highlight von Phoenix Contact, das neue Realtime-I/O-System Axioline, eingeht: „Wir haben noch einmal gründlich über das Thema der klassischen, seriellen Bus-I/Os nachgedacht und sind zu dem Schluss gekommen, dass es nach dem durch Ethernet und Co ausgelösten Paradigmenwechsel in der Kommunikationstechnik nun an der Zeit ist, für einen neuen, revolutionären Ansatz bei den seriellen I/O-Systemen - es ist an der Zeit für ein System, das so schnell und so einfach ist wie die Reihenklemme!"

Ziel von Phoenix Contact ist, mit Axioline ein Zeitverhalten zu realisieren, wie bei einer direkten Verkabelung, oder zumindest so dicht an die parallele Verkabelung heranzureichen, dass die noch verbleibenden Übertragungszeiten irrelevant sind. Als Ergebnis benennt Bent eine Update-Zeit pro Klemmenblock, die je nach I/O-Konfiguration zwischen 500 ns und 1 Mikrosekunde liegt.

„Dies entspricht der physikalischen Übertragungszeit, die ein elektrisches Signal benötigt, um eine Distanz von rund 100 m Kabel zu überbrücken. Bei einem System mit 256 I/Os ist die System-Update-Zeit bei Axioline kleiner 6 Mikrosekunden, was bei einer Parallelverkabelung mit einer Distanz von 1000 m vergleichbar ist." Damit kann der Anwender", so Bent, „auf jede Zeitbetrachtung in einem Axioline-System verzichten."

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Architektur ermöglicht Erweiterungen

Zum Thema „Einfachheit" argumentiert der Geschäftsführer, dass sich das Axioline-System mechanisch und elektrisch nahezu durchgängig in das Clipline-Complete-Reihenklemmensystem von Phoenix Contact einreihe. Die Montage der Module oder der Klemmenblöcke erfolge werkzeuglos mit einer sicheren Verrastung. Der Klemmenblock sei jederzeit austauschbar, die Verdrahtung geschehe über steckbare Klemmen. Die Versorgung der über Axioline angeschlossenen Peripherie erfolge zudem über eine jeweils in jedem Klemmblock vorhandene Einspeiseklemme, so dass keine aufwendigen Berechnungen von Lastkombinationen notwendig seien.

Auf der Messe wird das System mit einem Start-Portfolio von Klemmblöcken und Buskopplern präsentiert. Aufgrund der technologischen Nähe des Axioline-System-Busses zu einem Fast-Ethernet-System „ist Axioline die ideale I/O-Peripherie für Ethernet-Systeme", so Bent. Dementsprechend sei der erste Buskoppler des Systems für Profinet RT und IRT ausgelegt. „Zeitgleich ist auch ein Sercos-III-Koppler verfügbar", ergänzt Bent.

In Zukunft sollen weitere Buskoppler folgen. Auch eine direkte Einkopplung des Axioline-Backplane-Busses mit einer PC-basierenden Highspeed-Steuerung - wie auf Basis der neuen Soft SPS von Phoenix Contact - sei möglich. Und: Prozessor-Plattformen sollen zukünftig als integrierte, dezentrale Highspeed-Steuerungen Regelungs- und Steuerungsaufgaben durchführen.

Die Axioline-Palette auf der Messe ist erst der Beginn „einer Entwicklung, die über viele Jahre tragen wird", gibt Bent einen Ausblick. So stehe das System bezüglich Modularität noch am Anfang und auch was weitergehende Funktionen betrifft - etwa bezüglich I/O-Konfiguration und Signalunterstützung -, „werden in vielfältiger Form in den nächsten Monaten und Jahren Neuigkeiten folgen." Dies beinhalte verschiedene Funktionsmodule und Safety-Lösungen. „Die Architektur lässt sogar eine Ausprägung in Richtung prozesstechnischer Anwendungen, wie eine Hot-Swapping-Funktionalität zu", schließt der Geschäftsführer.

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