Digitalisierungsgrad in deutschen Industrieunternehmen
THM stellen Reifegradmodell ‚DigiTAMM‘ vor
Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) hat mit ‚DigiTAMM‘ ein Instrument zur Bewertung des Digitalisierungsgrades in Industrieunternehmen entwickelt. Das praxisorientierte Modell soll insbesondere mittelständischen Unternehmen helfen, ihre digitale Transformation systematisch voranzutreiben.
Viele mittelständische Industrieunternehmen in Deutschland haben Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Eine aktuelle Studie der THM zeigt, dass größere Unternehmen in diesem Bereich bereits weiter fortgeschritten sind, während der Mittelstand, insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau, nur eine geringe Digitalisierung aufweist.
„Mit DigiTAMM (Digital Transformation Assessment Maturity Model) erhalten KMU ein Instrument, um ihren digitalen Reifegrad zu bestimmen und daraus konkrete Handlungsfelder für eine Digitalisierungsstrategie abzuleiten. Das ist ein wichtiger Schritt, um die digitale Transformation im Unternehmen konzertiert zu gestalten“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Gerrit Sames, Leiter des Schwerpunktes Digital Business an der THM.
Das Reifegradmodell basiert auf der Logik des „VDMA-Werkzeugkasten Industrie 4.0“ und erweitert diesen um weitere Kategorien. Es soll deutschen Unternehmen eine Grundlage für eine systematische Entwicklung einer Digitalisierungs-Roadmap bieten – als Einstieg oder für die Erweiterung von bereits laufenden Digitalisierungsmaßnahmen.
Das Modell im Überblick
Das Modell umfasst fünf zentrale Bereiche: Produkt, Produktion, IT-Organisation und Prozesse, Mitarbeiter sowie IT-Sicherheit. Jede dieser Kategorien wird anhand spezifischer Merkmale in fünf Stufen bewertet. Dabei reicht die Skala von der niedrigsten bis zur höchsten Digitalisierungsstufe.

IDTA und Federtec geben Partnerschaft bekannt
Um die Standardisierung und Nutzung Digitaler Zwillinge in der Industrie global voranzutreiben, bündeln IDTA und Federtec ihre Expertise.
Die Kategorie „Produkte“ fokussiert darauf, wie Industrie 4.0-Produkte – oder deren Teilkomponenten – entwickelt und weiterentwickelt werden können, um einen Mehrwert für Kunden zu schaffen. Hierbei werden Aspekte wie die Integration von Sensoren und Aktoren, Konnektivität, Datenspeicherung, Monitoring, produktbezogene IT-Services, Geschäftsmodelle und das Produktlebenszyklus-Management berücksichtigt.
Die Kategorie „Produktion“ zielt darauf ab, Produktionsprozesse zu optimieren und Kosten zu senken – durch moderne Datenverarbeitung, M2M-Kommunikation, unternehmensweite Vernetzung, eine robuste IKT-Infrastruktur sowie die Einbindung von Werkzeugmanagement und Instandhaltung.
„IT-Organisation und Prozesse“ erfasst als weitere Kategorie die strategische Einbettung der Digitalisierung im Unternehmen und bildet elementare Prozesse wie Beschaffung und Auftragsabwicklung ab.
Die Kategorie „Mitarbeiter“ reflektiert den Wandel der Arbeitswelt durch veränderte Rollen, Qualifikationsverschiebungen und technologische Unterstützung in der Fertigung.
Die Kategorie „IT-Sicherheit“ sorgt dafür, dass Risiken der zunehmenden Vernetzung – etwa zwischen Office-IT und Fertigungs-IT – durch Maßnahmen wie Awareness, Sicherheitsprüfungen, Endpunktsicherheit und Netzabsicherung effektiv begegnet wird.
AWF-Modell ergänzt Reifegradmodell
Die THM hat DigiTAMM gemeinsam mit Unternehmen aus der „Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaftliche Fertigung (AWF)“ weiterentwickelt. Ergänzend dazu bietet das AWF-Modell eine methodische Vorgehensweise zur Umsetzung von Digitalisierungsstrategien in vier Schritten: Bestandsaufnahme, Identifikation relevanter Handlungsfelder, Festlegung eines Zielzustands und Erstellung einer priorisierten Digitalisierungs-Roadmap.
Als Mitglied des SEF Smart Electronic Factory e.V. engagiert sich die THM für die Förderung der Digitalisierung im Mittelstand. Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis ermöglicht eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Lösungen wie DigiTAMM, um Unternehmen optimal auf die Herausforderungen der digitalen Transformation vorzubereiten.










