VDI-Fachtagung I 4.0

Meinrad Happacher, Günter Herkommer | Meinrad Happacher,

Digitalisierung unter Kontrolle

Rund 180 Besucher zählte die 5. Fachtagung Industrie 4.0 des VDI Ende Januar in Düsseldorf. Neben all der Technologie standen auch soziale Aspekte der aufziehenden industriellen Revolution auf der Tagesordnung.

Bernd Liepert, Kuka: "Wir müssen uns eine Selbstregulierung auferlegen!"

© Kuka

So toll all die gezeichneten Zukunftsszenarien einer Industrie 4.0 sind – haben wir deren Auswirkungen auf die Menschen auch im Griff?“ wirft Bernd Liepert zu Beginn der Veranstaltung einen kritischen Aspekt ins Publikum. Der Chief Innovation Officer der Kuka AG ist sich sicher, dass die Ro-botik und Automatisierung unsere Lebenswelt in den nächsten 40 Jahren durchdringen wird. Nur, fährt Liepert in seiner Keynote fort: „Können wir die Zukunftsszenarien auch zum Nutzen der Menschen lenken? Wir müssen uns – wie bei der Kinderarbeit auch – eine Selbstregulierung auferlegen, ein Wertesystem definieren und ein Robotik-Manifest festschreiben; wir brauchen eine Robotik-Governance“, ist sich der Fachmann sicher!

Die Dringlichkeit dieser Aufgabe untermauert Liepert mit den Megatrends unserer Zeit, zu denen ganz zuvorderst der demografische Wandel gehöre, der letztlich den Trend hin zur Robotik noch befeuere. Nicht mehr wegzudiskutieren sei der massive Einfluss auf den Menschen letztlich dann, wenn sich dank Cloud-basierter Technolo-gien die kognitiven, sensitiven und Safe-Robotik-basierten Automatisierungslösungen durchsetzen.

Der Tagungsleiter Prof. Michael ten Hommel greift in seinen Einführungsworten ebenfalls die Thematik auf: „Wird es eine maschinelle Verantwortung geben? Wie wird die Verantwortung zwischen Menschen und autonomen Maschinen geteilt? Dringende Fragen, die im Raum stünden. Ten Hommel appelliert deshalb daran, ein Leitbild ‚Social Networked Industry‘ zu schaffen, das vom Willen zur sozialverträglichen Nutzung digitaler Technologien – auch im Zusammenhang mit der vierten industriellen Revolution gekennzeichnet sein müsse.

Trotz all der nachdenklichen Aspekte: Die digitalen Technologien sind aus der industriellen Produktion nicht mehr wegzudenken, ist die Überzeugung des VDI-Präsidenten Prof. Udo Ungeheuer. Die Ergebnisse der aktuellen Erhebung ‚Modernisierung der Produktion‘, die das Fraunhofer Institut für System und Innovationsforschung (ISI) gemeinsam mit der Hochschule Karlsruhe im Auftrag des VDI ausgewertet hat, spreche eine klare Sprache: „Digitalisierung erhöht die Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung am Produktionsstandort Deutschland“, fasst Ungeheuer die Ergebnisse zusammen. Die Hochrechnungen zeigten, dass sich die Nutzung digitaler Technologien in der Produktion im Rahmen von Industrie 4.0 positiv auswirkt. Ungeheuer fordert daher insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen auf, mehr und schneller in die Digitalisierung zu investieren. Die Studie zeige: Sämtliche Industrieunternehmen – große wie kleine – würden enorm von Digitalisierungstechnologien profitieren. Dabei nutzten größere Unternehmen digitale Technologien bis zu dreimal mehr als kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Setzen Unternehmen die Technologien ein, bedeutet es für sie immer auch einen erheblichen Inves-titionsaufwand. „Für KMU könnte ein fokussiertes Vorgehen bei der Technologie-Einführung angebracht sein, um sich anfänglich nicht zu übernehmen“, empfiehlt Prof. Dr. Steffen Kinkel von der Hochschule Karlsruhe. Der Datenaustausch mit Kunden und Lieferanten ist bei den KMU noch vergleichsweise schwach ausgeprägt. Gerade hier liegen Potenziale verborgen, die durch Industrie 4.0 gehoben werden können. An der laut Kinkel größten Studie im deutschen verarbeitenden Gewerbe haben sich 1282 in Deutschland ansässige Betriebe unterschiedlicher Größenklassen beteiligt. Die Teilnehmer ha- ben angegeben, welche Digitaltechnologien sie nutzen. Die Studie wurde in drei Technologiefelder kategorisiert:

  • ‚Digitale Managementsysteme‘,
  • ‚Drahtlose Mensch-Maschine-Kommunikation‘
  • sowie ‚Vernetzte Systeme‘.
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Roboter-Steuer vom Tisch

Immer wieder wurden in letzter Zeit Stimmen laut – zuletzt auch die von Bill Gates –, die eine Besteuerung von Robotern fordern. Das EU-Parlament hat dem nun eine klare Absage erteilt, was im VDMA für Erleichterung sorgt: „Europäische Unternehmen brauchen moderne Technologien, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Deswegen darf ihr Einsatz nicht erschwert werden. Es ist eine unsinnige Vorstellung, dass Arbeitnehmer von der Politik vor Robotern geschützt werden müssten“, so Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer Robotik + Automation im VDMA.

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