Production Level 4

Günter Herkommer,

SmartFactory-KL stellt Produktion der Zukunft vor

Unter dem Slogan ‚Production Level 4‘ hat die Technologie-Initiative SmartFactory-KL eine neue Etappe in Industrie 4.0 definiert – mit dem Mensch im Mittelpunkt! Ein entsprechender Demonstrator ist bereits im Bau. Er soll zur Hannover Messe 2020 vorgestellt werden.

Die Technologie-Initiative SmartFactory KL e.V. wurde 2005 als gemeinnütziger Verein gegründet, um ein Netzwerk von Akteuren aus Industrie und Forschung zu Industrie 4.0 aufzubauen und darin gemeinschaftliche Projekte durchzuführen.

© SmartFactory-KL

Wie sieht die Produktion der Zukunft aus? Bisherige Autonomiekonzepte stellen die Maschinen in den Vordergrund und der Mensch spielt keine Rolle mehr. Die SmartFactory-KL hält diese Annahme für falsch. Sie stellt jetzt ein neues Konzept vor, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt: Production Level 4. „Als Souverän wird und muss der Mensch jede Entscheidung einer Maschine ändern können“, so Prof. Martin Ruskowski, Vorstandsvorsitzender der SmartFactory-KL. „Es wird unsere Verantwortung bleiben, was in der Produktion passiert. Diese Verantwortung kann und soll uns weder eine Maschine noch Künstliche Intelligenz abnehmen!“

 

Production Level 4 bezieht den Menschen ein

„Production Level 4 erreicht durch Integration von Künstlicher Intelligenz (KI), Automatisierung und dem Menschen den nachhaltigen Nutzen der Industrie 4.0“, betont Andreas Huhmann. Er sitzt im Vorstand der SmartFactory-KL und ist Strategy Consultant Connectivity + Networks bei der Harting GmbH. „Wir als SmartFactory-KL haben den Begriff gewählt, weil wir aufzeigen wollen, dass die konsequente Weiterentwicklung innerhalb von Industrie 4.0 nur mit Autonomie also mit vereinter menschlicher und künstlicher Intelligenz zu erreichen ist.“

Die bisherigen Theoriepapiere zur industriellen Produktion beschreiben in Analogie zum autonomen Fahren sechs Level der Autonomie von 0 bis 5, wobei 5 „ohne das Zutun von Menschen“ meint. „Genau den Level sehen wir aber nicht als Ziel“, so Ruskowski. „Routinearbeiten werden sicherlich von KI oder Maschinen ersetzt. Aber Fähigkeiten wie echtes Verstehen, Kreativität, Moral oder Emotionen erlernen Maschinen oder Software nicht. Wir gehen davon aus, dass Technik dazu da ist, den Menschen zu unterstützen, nicht zu beherrschen. Production Level 4 soll dies deutlich herausstellen.“

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(v.l.n.r.): Andreas Huhmann, Prof. Martin Ruskowski, Prof. Hans Dieter Schotten.

© SmartFactory-KL; M. Schäfer

Die beiden Vorstände der SmartFactory-KL werden von Prof. Hans Dieter Schotten unterstützt. Der Wissenschaftliche Direktor im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) arbeitet schwerpunktmäßig zu KI und 5G. Er sieht die beiden Schlüsseltechnologien als zentral für die Entwicklung der Produktion der Zukunft: „Ohne sichere und schnelle Datenverbindungen können wir KI-Methoden nicht zielführend einsetzen.“ Und Ruskowski ergänzt: „5G ist bisher die einzige drahtlose Technologie, mit der im industriellen Umfeld unterbrechungsfrei große Datenmengen transportiert werden können.”

Demonstrator als herstellerübergreifende Plattform

„Die SmartFactory-KL bildet das Bindeglied zwischen Forschung und Anwendung“, so Huhmann. „Wir entwickeln mit unseren Experten und Wissenschaftlern theoretische Konzepte, die wir dann in die industrielle Anwendung bringen. Dieses Zusammenspiel ist das Besondere an der SmartFactory Kaiserslautern“.

Aktuell ist nach den Vorgaben von Production Level 4 ein neuer Demonstrator im Bau. 2020 soll dann auf der Hannover Messe der erste Schritt in die Zukunft gezeigt werden. „Wir haben eine Vision entwickelt, wo wir 2025 stehen wollen“, erklärt Ruskowski und fügt hinzu: „Der Demonstrator ist so angelegt, dass wir ihn jährlich weiterentwickeln können, bis wir in fünf Jahren Production Level 4 verwirklicht haben.“

Andreas Huhmann merkt abschließend an: „Diese Übersetzung von der Theorie in die Praxis ist ein wichtiger Grund für unsere 53 Mitglieder aus der Industrie, sich bei uns zu engagieren.“ In Arbeitsgruppen arbeiten die Unternehmen zu relevanten Fragestellungen plattformübergreifend zusammen. Dabei leiten die Experten der SmartFactory-KL die Arbeitsgruppen, während die Industriemitglieder ihre Bedürfnisse formulieren und die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zurück in die Produktion tragen. Bei einzelnen Mitgliedern gehöre dieser Ansatz bereits zur Firmenstrategie. So betonte SmartFactory-KL Mitglied IBM bei der Übernahme von Red Hat im Juni 2019 den „Open-Source-Geist“ fördern zu wollen, der sich in Transparenz, Zusammenarbeit, Engagement und Community zeige. Sogar das ZDF veröffentlicht seit einigen Tagen Terra-X-Clips unter einer freien, Wikipedia-kompatiblen Lizenz.

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