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Artikel und Hintergründe zum Thema

Interview

Inka Krischke | Inka Krischke,

Digitalisierung – ein Schreckgespenst?

Der Trend, die Effizienz in Unternehmen durch digitale Transformation zu steigern, stoppt auch nicht vor dem Schaltschrankbau. Doch viele Unternehmen zögern bei der Umsetzung. Warum sich dies ändern sollte, erläutert Nicole Kreie, Head of Project Service International bei Wago.

© WAGO

Frau Kreie, warum schrecken mittelständische Schaltschrankbauer oft vor dem vermeintlichen ‚digitalen Schreckgespenst‘ zurück? 

Nicole Kreie: Digitalbegriffe wie Smart Factories, Cloud-Computing, Internet of Things sind für die meisten klein- bis mittelständigen Schaltschrankbauer inhaltlich nicht greifbar und geben dem ‚digitalen Schreckgespenst‘ ein beängstigendes Gesicht. Doch Herausforderungen des Kerngeschäftes wie Fachkräftemangel, schwer planbare Auftragsspitzen und hohes Änderungsaufkommen bei den Kundenanforderungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass zunehmend vernetzte und integrierte Systeme ein Umsetzen von Digitalisierungsstrategien erfordern. Hierfür müssen Zeit und Mitarbeiter zur Verfügung gestellt werden – die in der Praxis jedoch dringend für die Bewältigung des Kerngeschäfts benötigt werden. 
Viele Mitarbeiter befürchten zudem, dass mit zunehmender Digitalisierung das Risiko steigt, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, und reagieren mit Abwehrhaltung. Aber: Der Faktor Mensch ist entscheidend für eine erfolgreiche Integration digitaler Prozesse und die Implementierung neuer Technologien! Werden die Ängste durch Transparenz beim Implementierungsprozess aufgelöst und die Mitarbeiter mit eingebunden, tragen sie erfahrungsgemäß alle Schritte der digitalen Transformation mit und das ‚digitale Schreckgespenst‘ löst sich in Luft auf. 

Inwiefern betrifft die Digitalisierung den Schaltschrankbau überhaupt? 

Viele Kunden adressieren an ihren Schaltschrankbauer die Erwartung, effizient und zeitsparend zu arbeiten, und übersetzen dies in extrem kurze Lieferzeiten für das fertige Endprodukt. Dies ließe sich nur mit hohem personellen Aufwand realisieren – das Personal steht aber infolge des herrschenden Fachkräftemangels nicht zur Verfügung. An dieser Stelle greift die Digitalisierung ein. Sie bietet über die Implementierung digitaler Prozessschritte die Chance, Zeit einzusparen und unternehmensinterne Abläufe zu optimieren.

»Wer sein Unternehmen ­zukunftsfähig ausrichten ­möchte, muss nicht alles auf ‚neu‘ ­schalten. Vielmehr geht es ­darum, in kleinen Schritten zu agieren und sich Abläufe im ­Detail anzuschauen, um die Stellen zu identifizieren, an d­enen Prozesse durchgängiger gestaltet werden können.«

Wichtig ist die Erkenntnis beim Schaltschrankbauer, dass Digitalisierung keine Arbeitsplätze bedroht, sondern sie verändert und den vorherrschenden Fachkräftemangel ein Stück abmildern kann.  Letztlich braucht der Schaltschrankbauer eine schnell integrierbare Lösung, die ihm einen Mehrwert verschafft, damit er seine Aufträge ohne zusätzliche Experten schneller und effizienter abzuwickeln kann.

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In welchen Bereichen profitieren Schaltschrankbauer konkret von der Digitalisierung?

Digitalisierbare Teilprozesse können zum Beispiel die Nutzung eines softwaregesteuerten Konfigurationstools für die modulare Zusammenstellung und Zeichnung von TS35-Schienen sein oder der bruchfreie Datentransfer des passgenauen digitalen Zwillings von Konfigurationen in die Systeme Eplan, WSCAD, Zuken E3 und andere. 

Was genau bedeutet ‚Digitalisierung‘ für Sie?

Digitalisierung ist für mich ein weitreichender Begriff, der vor allem den Aufbau und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle einschließt. Genau genommen bedeutet es für mich die Optimierung der Prozesskette beziehungsweise der Wertschöpfungskette mit den Möglichkeiten des technologischen Fortschritts. Tragende Säulen hierfür sind die Kreation neuer Technologien und Schnittstellendefinitionen. 

 

Der optimale Digitalisierungsprozess

© Wago

Wie begegnet Wago den Sorgen und Befürchtungen der Schaltschrankbauer? Welche Unterstützung bieten Sie?

Unsere Schaltschrankbauer gehen derzeit vollkommen unterschiedlich mit dem Thema Digitalisierung um: Ein Teil von ihnen weist einen hohen und ein anderer Teil einen praktisch nicht vorhandenen Digitalisierungsgrad auf. Dennoch sind die eigenen ‚pain points‘ und das vorhandene Digitalisierungspotenzial fast allen Schaltschrankbauern bewusst. Was ihnen fehlt, ist einerseits die Zeit, um die Digitalisierungsstrategie zu entwickeln, und andererseits das Know-how, wie und in welchem Maß Digitalisierung sinnvoll in das Unternehmen implementiert werden kann. An diesem Punkt unterstützt Wago und hilft, den individuellen Soll-Prozess zu definieren. Hierfür stellen wir gemeinsam den gesamten Wertschöpfungsprozess auf den Prüfstand. So beraten wir den Kunden Schritt für Schritt durch die digitale Transformation, in der seine Bedürfnisse und Kernprozesse berücksichtigt sind. Neue Technologien werden eingebunden und das gesamte Geschäftsmodell des Schaltschrankbauers entwickelt sich zukunftsorientiert weiter.

Wie sieht ein optimaler Digitalisierungsprozess Ihrer Meinung nach aus? 

Idealerweise erhält der Schaltanlagenbauer seinen Auftrag bereits in digitaler Form und kann die Konstruktion direkt im CAE-Tool starten. Die bekannten CAE-Tools werden von Herstellern wie Wago mit allen digitalen Daten ihrer Produkte versorgt. Dementsprechend sind die Bauteile für die Konstruktion der Anlage bereits als digitaler Zwilling vorhanden. Makros, Vorlagen und Applikationseinheiten von Bauteilgruppen sollten bereits in den CAE-Tools abgelegt werden; dies ermöglicht den wiederkehrenden Zugriff auf die bestehende Dokumentation. In Zeiten steigender Produktkomplexität ist es wichtig, den digitalen Zwilling zusätzlich mit den elektrotechnischen Informationen eines Produktes zu ergänzen – von Strom über Spannungen bis zu den Anschlussbildern.
Um die Konstruktion auch für Reihenklemmenprodukte – die häufig als ‚Me-too‘-Produkte des Schaltanlagenbaus angesehen werden – so effizient wie möglich zu gestalten, stellt Wago das Online-Tool ‚Smart Designer‘ zur Verfügung. Über eine Schnittstelle werden die Wago-Produktdaten aus dem CAE-Tool eingelesen und durchlaufen die Plausibilitätsprüfung. Ergänzungen wie Abschlussplatten, Brücken und Beschriftungen lassen sich schnell anfügen. Der Nutzer kann sich für die von ihm konfigurierte Schiene automatisch einen Preis anzeigen lassen. So kann der Schaltschrankbauer direkt die Bestellung an Wago auslösen und erhält eine zeitgenaue Lieferung; die zeitintensive Abstimmung über Preis und Liefertermin 
entfällt.

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