Hilscher

Meinrad Happacher,

Die Plattform-Idee

Wer von den Automatisierern kämpft derzeit nicht mit wegbrechenden Umsätzen! - Eine Zeit also, um über Produktstrategien der nächsten Jahre nachzudenken. Hans-Jürgen Hilscher ist überzeugt, dass sein Unternehmen mit der netX-Plattform vielen Anbietern helfen kann, die auf der Suche nach einer ressourcensparenden Strategie sind.

Herr Hilscher, Sie haben Ihren Netzwerk-Controller netX seit 2005 auf dem Markt. Zur Hannover Messe haben Sie schon anklingen lassen, dass Sie diesen Baustein zur Automatisierungs-Plattform ausbauen möchten. Wie sieht der Status Quo aus?

Hilscher: Die reine Netzwerk-Abwicklung war der erste Schritt, richtig. Über 150 Firmen setzen heute darauf, mit netX eine einzige durchgängige Kommunikationslösung über Controller, Protokollstack und Konfigurator und allen marktrelevanten Feldbussen sowie Real-Time-Ethernet-Systeme zu verwenden. - Ein ganz klarer Kostenfaktor!

Mit der Entwicklung der Netzwerk-Controller-Familie netX verfolgten wir aber von Anfang an zwei Strategien: Während der netX 50 die Kommunikation als Companion Chip an einer Host-CPU realisiert, verfügen die Controller netX 100/500 über umfangreiche Peripheriefunktionen und Rechenleistung zum Aufbau von Kosten sparenden Single-Chip-Lösungen. Dazu zählen ein integrierter Grafik Controller sowie eine Real-Time-Clock für HMIs und zur Speicherung von remanenten SPS-Daten ein über Batteriepuffer barer 16-KByte-Speicherblock. Typisches Applikationsbeispiel ist ein HMI mit QVGA-Touchdisplay, Profibus-Master mit 20 Slaves plus SPS mit 10 ms Zykluszeit.

...deshalb jetzt der Zusatz Automatisierungs-Plattform?

Hilscher: Im Endeffekt ist es doch so, dass wir je nach Controller CPU-Leistungsreserven von bis zu 70 % haben - die sollten wir nutzen! So bringt die Integration einer SPS-Funktionaliät in Automatisierungskomponenten wie E/A- oder Ventilblöcke, Ident- oder Visionsysteme und Antriebe dem Kunden einen deutlichen Mehrwert und in Krisenzeiten Argumente für stabile Produktpreise.

Über welche zusätzlichen Funktionen verfügen die Bausteine schon?

Hilscher: Als SPS-Technologien sind die IEC-61131-konforme SPS Codesys V3.3 der Firma 3S, die eCLR der Firma KW-Software sowie das S7R-kompatible System der Firma IBH Softec verfügbar. Diese laufen auf dem Netzwerk Controller netX 100 und sind über ein einheitliches Shared Memory Interface an die Kommunikation angebunden. Durch definierte Schnittstellen bis zum Offenlegen des Source Code kann der Anwender seine eigene Applikation ergänzen und kostengünstige Single-Chip-Lösungen erzielen.

Turck hat jetzt beispielsweise eine solche Lösung beim neuen Bedienterminal VT250 umgesetzt: Hier läuft neben Netzwerk-Abwicklung und SPS-Funktion (Codesys) etwa die Visualisierungssoftware QVIS als Applikation mit.

Welches sind die nächsten Schritte?

Hilscher: Die Technologien, die wir heute beherrschen, als Einheit zusammenzufassen, so dass man um diese Einheit herum die unterschiedlichsten Automatisierungskomponenten effizient aufbauen kann. -- Das ist die Richtung; die nächsten Schritte dorthin kann ich heute noch nicht beschreiben.

Wer zeichnet für die weitere Pflege möglicher Updates der zusätzlichen Pakete verantwortlich?

Hilscher: Der Automatisierungshersteller kann die gesamte Lösung als Technologie, Add-on-Komponente oder als kundenspezifische Entwicklung und Fertigung beziehen. Die Firma Hilscher zeichnet für die nahtlose Integration sowie die weitere Pflege des Systems verantwortlich und vertreibt die SPS-Lizenzen der netX Automation Plattform. Einsparungen, etwa bei der Migration der Codesys-Generation 2 auf 3 sind offensichtlich.

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