Vernetzung (News)

Computer Automation,

Das induktive Prinzip

Für kleinere industrielle Anwendungen sind die bekannten Drahtlossysteme häufig „oversized“. Eine Alternative ist die Weiterentwicklung des induktiven Wirkprinzips zur berührungslosen Anschaltung industrieller Sensorkomponenten und für die gleichzeitig Übertragung von Informationen und Energie.

Von Jörg Wenzel

Die drahtlose Übertragung von Steuersignalen an mobile Einheiten oder das Erfassen von Messwerten an unzugänglichen Stellen ist keine neue Errungenschaft. Schon geraume Zeit vor Erfindung des „Wireless Local Area Network“ (WLAN) wurden in der Industrie Informationen über Gebäudegrenzen hinweg beispielsweise auf (Richt)-Funkstrecken übermittelt. Oder über Datenlichtschranken wurden mittels Licht mobile Einheiten wie Regalbediengeräte oder Portalkrane an zentrale Steuerungen angebunden – eine bis heute gängige und sehr zuverlässige Technik. Bei solchen Maschinen oder wichtigen Projekten rechnen sich die Kosten dieser Übertragungssysteme: Teure Erdarbeiten entfallen und verschleißanfällige Schleppkabel oder Schleifkontakte lassen sich elegant durch Drahtloslösungen ersetzen.

Wegen der berührungslosen Übertragung von Energie und Sensorinformationen an Applikationen wie die beweglichen Teile von Robotern, Werkzeugmaschinen, Bearbeitungszentren und Verpackungsmaschinen lassen sich die unterschiedlichsten Detaillösungen erarbeiten.

Mit WLAN steht auch der Industrie ein kostengünstiges Verfahren zur Verfügung. Adaptierte WLAN-Lösungen erweitern Feldbus-Systeme und Industrial Ethernet, erlauben in Produktion und Prüffeld flexiblen Zugriff auf aktuelle Prozessgrößen und übernehmen diverse Aufgaben beim Messen, Steuern und Überwachen sowie bei der Anbindung von Insellösungen an Leitsysteme.

Auch eine Ebene tiefer, im Bereich der binären Sensorik, ist eine kontaktlose Erfassung der Signale wünschenswert, verlangt hier doch der steigende Automatisierungsgrad bei hochentwickelten Maschinen nach immer mehr Sensoren – mit der Folge, dass der steigende Verkabelungsaufwand die Kosten auf der untersten Sensorebene in die Höhe treibt. Insbesondere die Ankopplung von Sensoren an bewegte oder austauschbare Maschinenelemente wie Wechselwerkzeuge, Drehwerkzeuge und rotierende Komponenten verursacht einen enormen Entwicklungs-, Konstruktions- und Wartungsaufwand. Die mechanische Anbindung von Sensorkomponenten via Steckverbinder und Kabel, Schleppketten oder Schleifringe fordert bei den langen Arbeitszyklen moderner Hochleistungsmaschinen immer häufiger einen Austausch dieser Komponenten, so dass auch die Servicekosten in die Höhe schnellen. WLAN allerdings scheint auf diese Herausforderungen keine adäquate Antwort zu sein, denn die Energieversorgung der Geräte erfolgt weiterhin mittels Steckverbinder und Kabel.

Anzeige

WLAN ist kein Allheilmittel

Gerade durch den großen Erfolg von WLAN wurden inzwischen auch dessen Grenzen offenbar: Insbesondere bei nicht gerichteten Funknetzen stehen Funkübertragungskanäle nicht in unbegrenzter Anzahl zur Verfügung. Je mehr WLAN-Systeme sich an einem Ort häufen, desto stärker machen sich gegenseitige Wechselwirkungen negativ bemerkbar. Ergo müssen beim Bau heutiger Anlagen bereits in der Planungsphase die Applikationen mit WLAN-Anbindung bekannt gemacht, die Frequenzbänder zugewiesen und Störeinflüsse analysiert werden. Langfristig ist eine systematische Verwaltung der verwendeten Frequenzen und Parameter in den Unternehmen unerlässlich. Diese Herausforderung eines „Wireless Network Management“ bedeutet großen Aufwand und folglich hohe Kosten. Bei binärer Sensorik soll dies verständlicherweise vermieden werden.

Das „Wireless Inductive System”œ dient der Anschaltung von bis zu acht binären Sensoren. Es besteht aus einem primären Übertragerund Auswertemodul für die DINHutschiene, dem Feldanschaltmodul sowie zwei Übertragerköpfen in Zylinderbauform M30.

In diesem Bereich ist das Prinzip der induktiven Kopplung über ein elektromagnetisches Wechselfeld eine Alternative zu WLAN. Diesen physikalischen Effekt nutzt jeder herkömmliche Transformator, wobei dabei entweder das Umformen von Spannungen in der Energieübertragung oder aber die mess- und nachrichtentechnische Spannungs- und Impedanz-Anpassung im Vordergrund stehen. Unter Verzicht auf den Eisenkern, die räumliche Trennung der Primär- und Sekundärwicklungen des Transformators und ihre Unterbringung in separate Gehäuse-Einheiten lässt sich ein induktives Übertragungssystem für Energie und Informationen aufbauen, wie es Pepperl+Fuchs mit dem „Wireless Inductive System“ (WIS) umgesetzt hat. Jedes Mal, wenn die Wicklung der Sekundärseite in ein aktives Wechselfeld der Primärseite eintaucht, wird durch Gegenkopplung Spannung induziert und Energie übertragen. Ein Pulsverfahren stellt die Signale der Sensoren bitweise zur Verfügung. Als Bauform für die Übertragerköpfe bietet sich die Zylinderbauform an, die bei binären Sensoren zum Beispiel in der Größe M30 weit verbreitet ist.

Das Maß der Leistungsübertragung wird vom Kopplungsfaktor bestimmt, der wiederum von der Geometrie der Spulen zueinander beziehungsweise vom Abstand der beiden Übertragerköpfe abhängt. Je näher die beiden Spulen sich sind, desto stärker ist die Kopplung und damit die übertragbare Energie. Bei einem induktiven Wechselfeld mit einer Frequenz von 200 kHz auf der Primärseite, M30-Übertragerköpfen und einem Abstand von 5 mm lässt sich eine Leistung von 1,5 W auf die Sekundärseite übertragen. Dieser Wert ist ausreichend, um mehrere induktive, kapazitive oder optische Sensoren direkt auf einem bewegten Maschinenteil zu betreiben.

Zum Betrieb des Systems bedarf es primär- und sekundärseitiger Übertragersysteme und Auswerte-Elektroniken. Die Elemente der Primärseite werden in einem schaltschrankgerechten Interfacemodul untergebracht. Dort befinden sich die Komponenten zur Anregung der Primärspule sowie eine Reihe von Ausgangskanälen, die die zur Weiterverarbeitung aufbereiteten Sensorsignale verfügbar machen.

Die induktive Übertragung

Das „Wireless Inductive System”œ dient der Anschaltung von bis zu acht binären Sensoren. Es besteht aus einem primären Übertragerund Auswertemodul für die DIN-Hutschiene, dem Feldanschaltmodul sowie zwei Übertragerköpfen in Zylinderbauform M30.

Das sekundärseitige Auswertemodul beherbergt einerseits die Elektronik zur Wandlung der empfangenen Energie in definierte Versorgungsspannungen für die angeschlossene Sensorik und andererseits die zur Konditionierung der Sensorsignale notwendige Schaltung. Nach der Digitalisierung lassen sich die Signalzustände der Sensoren zum Beispiel bitweise mit einzelnen Sende-Impulsen zur Primärseite übertragen. Darüber hinaus bestehen auf der Sekundärseite, die sich im Feld nahe am Verarbeitungsprozess befindet, erhöhte Anforderungen an die mechanische Widerstandsfähigkeit gegenüber Umgebungsbedingungen wie Staub und Feuchtigkeit. Bei der Ausführung ist daher auf eine hohe Schutzart und auf die Industrietauglichkeit aller Steckverbindungen zum Anschluss der Sensoren und des Übertragerkopfes zu achten. Sinnvoll ist eine Ausführung, wie sie von typischen Feldanschaltmodulen bekannt ist.

Die Grenzen des Systems liegen in der begrenzten Signalübertragungsrate von etwa 140 Bit/s und in der eingeschränkten Reichweite der induktiven Kopplung. Entscheidend sind dabei die geometrischen Abmessungen der Übertragungsspulen: Je größer die Spulen, umso größer ist der erzielbare Arbeitsabstand. Ein System mit Spulen im 30-GM-Gehäuse erreicht bis zu 5 mm Übertragungsabstand. Fährt der sekundäre Übertragerkopf aus diesem Bereich hinaus, ist keine kontinuierliche Übertragung mehr gegeben. WIS ermöglicht die Anschaltung von bis zu acht Sensoren, die an 12-V-Versorgungsspannung betrieben werden.

Typische Anwendungsgebiete sind Drehtische, Presswerke, Drehwerkzeuge in Bearbeitungsstationen, Druckwalzen oder Wechselwerkzeuge in der Verpackungstechnik.

Autor

Jörg Wenzel ist Produktmanager im Bereich Sensoren bei der Firma Pepperl+Fuchs, Mannheim.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Trendnet

Robuster PoE++-Switch

Der 9-Port Industrial 2.5G DIN-Rail PoE++-Switch mit 10G SFP+ Port (24 bis 57 V), Modell 'TI-BG5091B', von Trendnet ist gezielt auf die Anforderungen moderner Netzwerke zugeschnitten.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren