Wave Trophy 2013 - Das Fahrertagebuch: Tag 4
Der Berg ruft!
Der vierte Tag der Elektromobil-Rallye Wave führt die 40 Teilnehmer von Weissensee über Heiligenblut nach Neukirchen. Mit ihrem Renault Fluence ZE führt das Phoenix Contact-Team mittlerweile die Spitze der Fahrzeuge an. Doch nun steht die Überquerung des Großglockners an - ein Höhenunterschied von 1.400 Metern.
Alles schien bisher gut zu laufen. Um 6 Uhr 30 müssen wir jedoch feststellen, dass mitten in der Nacht der thermische Überlastschutz der Kabeltrommel angesprungen ist und die Ladung unseres Fahrzeugs unterbrochen hat. Der Grund war der dauerhaft hohe Ladestroms von 16 Ampere.
So beginnen wir nun mit einer Ladeleistung von 50 % den vierten Tag der Rallye. Abfahrt ist für alle um 9 Uhr 30. Bis kurz vor der Abfahrt nutzten wir die Zeit, um die Ladung fortzusetzen. Für die An- und Auffahrt auf den Großglockner zur Edelweißspitze - 2.504 Höhenmeter - wird sie jedoch nicht ausreichen. Uns steht ein Höhenunterschied von 1.400 Metern bevor.
Aus den Erfahrungen vom Vortag wissen wir, dass wir für diese Stecke einen vollen Akku brauchen. Zum Glück treffen während der Fahrt auf einen freundlichen und hilfsbereiten Menschen, der uns auf unsere Nachfrage nach Strom bereitwillig eine Steckdose anbietet. Die angezeigte notwendige Ladezeit bis zur Vollladung - viereinhalb Stunden - können wir hier jedoch nichtvoll ausnützen, denn um spätestens 18 Uhr müssen wir in Neukirchen am Großvenediger sein. Anders können wir unseren ersten Platz nicht halten. So verlassen wir um 13 Uhr den Ladepunkt mit 75 % Ladung und starten unseren 'Anlauf' auf den Großglockner über die Hochalpenstraße. Das Etappenziel ist Heiligenblut.
In Heiligenblut angekommen, legen wir einen 30 Minuten Zwischenstopp ein - getreu dem Motto 'Was man geladen hat, das hat man'. Vollladen wäre gegenwärtig nicht sinnvoll, denn auf unserem bevorstehenden Abstieg vom Großglockner nach Bruck wollen wir rekuperieren.
Um 16 Uhr kommen wir am Hochtor an und sind der festen Überzeugung, es geschafft zu haben. Mitnichten! Nach der Durchfahrt des Hochtor-Tunels erblicken wir weitere Kehren, die zur Edelweißspitze hinauf führen. Doch selbst mit 25 % Restkapazität im Akku erreichen wir den Pass. Der Beweis ist erbracht: Die Überquerung des Großglockners mit einem Serien-Elektromobil ist heute möglich! Zwar erfordert es einiges an Vorbereitung, doch gibt es dem Fahren eine ganz neue spannende Perspektive.
Den Abstieg nach Bruck nutzen wir wie geplant ausschließlich zur Rekuperation. Nur im Notfall betätigen wir die Bremse. Die Geschwindigkeits-Warnschilder am Straßenrand lassen uns nur müde lächeln - die Rekuperation kann eine Bremse nicht ersetzen, aber es schont sie enorm. In Bruck am Großglockner stellen wir fest, dass es uns tatsächlich gelungen ist, unseren Ladezustand um 25 % zu erhöhen. Mit den noch vorhanden 25 % von der Edelweißspitze hatten wir also insgesamt 50% - so viel wie am Morgen beim Start. Neukirchen am Großvenediger erreichen wir 17 Uhr 57 - drei Minuten vor Ablauf der spätestens Ankunftszeit. Keine Strafpunkte. Der erste Platz ist weiterhin unserer.










