Siemens – 1. Quartal 2012

Günter Herkommer,

Umsatz steigt, Ergebnis sinkt

Siemens-Chef Peter Löscher hat heute (24. Januar) die Zahlen für das 1. Quartal des laufenden Geschäftsjahres bekannt gegeben, welches am 31. Dezember 2011 endete. Zwar stieg der Umsatz noch einstellig, Auftragseingang und Ergebnis liegen jedoch zum Teil deutlich unter dem Vorjahreswert. - Eine Entwicklung, der sich auch der neu formierte Sektor Industry nicht entziehen kann.

© Siemens

Das schwieriger werdende konjunkturelle Umfeld hinterlässt Spuren im Siemens-Konzern: Zwar konnte die Mannschaft um Peter Löscher dank des guten Auftragsbestandes den Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2012 nochmal um zwei Prozent auf 17,9 Mrd. € steigern; der Auftragseingang hingegen lag mit 19,8 Mrd. € um fünf Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums. Letzteres begründet Löscher damit, dass im vergangenen Jahr ein deutlich höheres Volumen aus Großaufträgen zu verzeichnen war.

Der Auftragsbestand hingegen erreichte mit 102 Mrd. €. einen neuen Höchststand. Nicht gerade rosig sieht es beim Ergebnis aus: Hier mussten alle Sektoren Federn lassen – in Summe steht vor Steuern ein Minus von 23 % zu Buche, nach Steuern sank der Gewinn immerhin noch um 17 %.

Der Sektor Industry im Detail

Seit Beginn des Geschäftsjahrs 2012 gehören das Transport- und Logistikgeschäft, das Niederspannungsgeschäft sowie die Gebäudetechnologie nicht mehr zum Sektor Industry, sondern sind nun dem neuen Sektor Infrastructure & Cities zugeordnet. Die Division Industry Solutions wurde aufgelöst und ihre Geschäftsaktivitäten wurden vorwiegend auf die Divisionen Industry Automation, Drive Technologies und die sektorgeführte Geschäftseinheit Metals Technologies aufgeteilt. Vor diesem Hintergrund hat Siemens die folgenden Zahlen des Vorjahreszeitraums auf vergleichbarer Basis zugrunde gelegt.

Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 5 % im Vergleich zur Vorjahresperiode. Regional betrachtet konnte das prozentual zweistellige Umsatzwachstum in Europa/GANO (Europa, Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, Afrika, Naher und Mittlerer Osten) aufgrund einer hohen Nachfrage seitens exportorientierter Kunden die Rückgänge in den anderen Regionen mehr als ausgleichen. Der Auftragseingang lag etwas unter dem Vorjahreswert, der ein deutlich höheres Volumen aus Großaufträgen bei der Division Drive Technologies enthalten hatte.

Industry Automation lieferte im ersten Quartal einen Beitrag von 323 Mio. € zum Gesamtergebnis des Sektors (556 Mio. €) und lag damit unter dem Vorjahresniveau (641 Mio. €). Dies sei im Wesentlichen auf höhere Vertriebskosten in Zusammenhang mit Wachstumsinitiativen zurückzuführen. Zudem fiel der Umsatz-Mix der Division laut Löscher ungünstiger aus als im ersten Quartal des Vorjahrs. Allgemein wurde die Profitabilität von Industry Automation in beiden Berichtsperioden stark belastet von niedrigmargigen Aktivitäten bei Industrielösungen, einschließlich der Wassertechnik, die seit Beginn des Geschäftsjahrs 2012 der Division zugeordnet ist. Der Umsatz der Division lag um 4 % über dem Vorjahreswert, der Auftragseingang lag um 12 % darüber.

Das Ergebnis der Division Drive Technologies belief sich im ersten Quartal auf 194 Mio. € und lag damit unter dem Vorjahreswert von 239 Mio. €. Gründe für den Rückgang seien ebenfalls wachstumsbedingt höheren Vertriebskosten sowie ein anhaltender Anstieg der Forschungs- und Entwicklungkosten, auch für das eCar-Projekt. Darüber hinaus wurden die Angebote der Division für Windenergie durch Preisdruck belastet. Und auch die Profitabilität von Drive Technologies sei insgesamt in beiden Berichtsperioden von niedrigmargigen Aktivitäten bei Industrielösungen beeinträchtigt worden, die seit Beginn des Geschäftsjahrs 2012 der Division zugeordnet sind. Der Umsatz lag im aktuellen Quartal um 4 % über dem Vorjahreswert, während der Auftragseingang um 12 % rückläufig war. Regional betrachtet legten Umsatz und Auftragseingang in den Regionen Amerika und Europa/GANO zu.

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Die Sektoren Energy, Healthcare, und Infrastructure & Cities

Im Sektor Energy sank der Auftragseingang um elf Prozent auf 7,2 Milliarden Euro, wogegen der Umsatz um acht Prozent auf 6,2 Milliarden Euro stieg. Während sich der Auftragseingang im Geschäft mit erneuerbaren Energien um nahezu zwei Drittel erhöhte, lagen die Bestellungen in der Division Fossil Power Generation nach Großaufträgen im Vorjahr um 30 Prozent niedriger. Der Healthcare-Sektor wies einen Auftragseingang von 3,3 Milliarden Euro aus und lag damit um vier Prozent über dem Vorjahreswert, während sich der Umsatz stabil entwickelte. Im neuen Sektor Infrastructure & Cities lagen Auftragseingang und Umsatz unter den vergleichbaren Vorjahreswerten. Auch hier waren im Vorjahr Großaufträge wie zum Beispiel der Eurostar-Auftrag eingegangen.

Auf der Ergebnisseite wirkten sich Löscher zufolge Verzögerungen im Zusammenhang mit den Genehmigungsprozessen bei der Anbindung von Offshore-Windanlagen, hauptsächlich in Deutschland, aus. Im Sektor Energy fielen dadurch in der Division Power Transmission Projektbelastungen von 203 Millionen Euro an. Im Geschäft mit erneuerbaren Energien fiel ein Verlust von 48 Millionen Euro an, vor allem bedingt durch höhere F&E-Aufwendungen, Kosten im Zusammenhang mit dem Ausbau des Geschäfts in einem intensiven Wettbewerbsumfeld, sowie gestiegenem Preisdruck und einem weniger günstigen Umsatzmix. Healthcare wies ein Ergebnis leicht unter dem Vorjahreswert aus. Im neuen Sektor Infrastructure & Cities schlugen Verzögerungen bei der Zulassung des Velaro D negativ aufs Ergebnis. Ursache sei hier die bekannte Schwierigkeit eines ausländischen Zulieferers, maßgebliche Komponenten für die Mehrsystemfähigkeit des Zuges für den Bahnverkehr zwischen Deutschland und Frankreich bereitzustellen.

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