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Artikel und Hintergründe zum Thema

Phoenix Contact

Günter Herkommer,

Steuerungstechnik von morgen vorgestellt

Mit Industrie 4.0 muss die Automatisierungstechnik anpassungsfähiger und kommunikativer werden – so die Überzeugung von Phoenix Contact. In Nürnberg lüfteten die Blomberger erstmals den Vorhang für PLCnext – ihre kommende, offene Steuerungstechnologie.

Hans-Jürgen Koch, Phoenix Contact: "Dem Anwender klassischer IEC-61131-Programmierung stehen mit PLCnext unzählige neue Möglichkeiten zur Verfügung."

© Computer&AUTOMATION

„Bei Industrie 4.0 lösen alle Teilnehmer des Automatisierungssystems ihre statischen Verbindungen, um dynamisch über Anlagen und Firmengrenzen hinweg Daten miteinander auszutauschen. Nur so wird es möglich sein, Produkte langfristig wettbewerbsfähig auf den internationalen Märkten anbieten zu können“, ist Hans-Jürgen Koch, Executive Vice President Industry Management and Automation bei Phoenix Contact überzeugt. Vor diesem Hintergrund stellt das Unternehmen nun die Weichen für die Steuerungstechnik von morgen – die PLCnext Technology. Die kommende Lösung erlaubt das parallele Programmieren auf Basis etablierter Software-Tools, wie Visual Studio, Eclipse, Matlab Simulink und PC Worx.

Einen ähnlichen Weg gehen mittlerweile auch  andere Steuerungshersteller – allerdings, so Koch: „Einzigartig bei unserem Ansatz ist das Handling für die unterschiedlichen Programmcodes. Funktionen nach IEC 61131-3, Routinen von C/C++, C# oder Matlab Simulink lassen sich flexibel und wahlfrei miteinander kombinieren, wobei die ausgetauschten Daten stets synchronisiert den unterschiedlichen Anwendungen zur Verfügung stehen. Dadurch lassen sich zum Beispiel ‚gekapselte‘ Funktionsbausteine in einer Hochsprache erstellen, über die bestimmte Technologiefunktionen - als Teil einer mechatronischen Einheit - fest ausgeführt werden, während parallel weitere applikationsspezifische Funktionen individuell in der SPS-Programmierung von PC Worx angepasst werden können.

Alle auf der Steuerungsplattform laufenden Programme tauschen untereinander und mit den Kommunikationsinterfaces Informationen über eine gemeinsame Applikationsschicht aus, die Teil des Betriebssystems ist. Hier findet über standardisierte Interfaces auch die Einbindung von Apps aus Technologie-Bibliotheken oder von Drittanbietern statt. So lässt Koch zufolge die offene Architektur des Betriebssystems - unter Nutzung der Entwicklungsumgebung - die Bildung einer Entwickler-Community für PLCnext zu. Die so entstehenden Programm-/Funktionsbausteine seien  austauschbar und quasi per Download wie Apps integrierbar. Als Plattform für den Austausch und Erwerb solcher Funktionen werde die ‚Proficloud‘ von Phoenix Contact fungieren.

Für die Programmierung gemäß IEC 61131-3 gibt es mit ‚PC Worx Engineer‘ eine ebenfalls neue, adaptive Engineering-Plattform, die in der  Grundversion kostenlos ist. Erweiterungsbausteine könne der Anwender dann individuell zukaufen und durch diese Funktions-Addins seine individuelle Software zusammenstellen. Am bisherigen Laufzeitsystem der SPS-Applikation ändert sich zunächst nichts. „PLCnext Technology lässt es aber zu, dass neben der klassischen SPS-Applikation andere Programme ausführbar sind, die ebenfalls auf die Prozessdaten einwirken können“, erklärt Koch und ergänzt: „Aus diesem  Grund  wurde der integrierte Scheduler der SPS-Runtime durch einen neuen applikationsübergreifenden Mechanismus ersetzt.“

Theoretisch bedarf auch keiner neuen Hardware für PLCnext technology. „Wir haben uns aber entschieden, die Einführung dieser Technologie auf Produkten durchzuführen, die gleichzeitig ein Technologie-Update durchlaufen. Zur Hannover Messe 2017 werden wir somit eine neue Axiocontrol-CPU vorstellen, die auf kleinstem  Raum maximale CPU-Performance mit sich bringt.“ Safety und HMI sind in der Plattform ebenfalls tief integriert, und auch das Thema Motion Control stelle technologisch kein Problem dar. „Letzteres haben wir aber aufgrund der vielfältigen anderen Herausforderungen in der Roadmap etwas nach hinten geschoben“, so Koch.

In der Breite des Steuerungsportfolios von Phoenix Contact wird PLCnext dann ab 2018 verfügbar sein. Bereits im kommenden Jahr starten die Blomberger ein sogenanntes ‚Early-Adaptor-Program‘, welches interessierten Anwendern ermöglichen soll, Erfahrungen mit den vielfältigen Optionen dieser Plattform zu sammeln. „Insbesondere sind auch Firmen angesprochen, die sinnvolle Apps zu dieser Plattform beisteuern möchten“, betont Koch in diesem Zusammenhang. Hier liege auch das grundsätzlich Neue in der Geschäftsidee: „Nicht nur der Hersteller der SPS erweitert die Funktionalität der Steuerung, sondern auch Dritte - zum Beispiel eine Community, wie wir sie aus der Linux- und anderen Software-Welten kennen.“

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