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Artikel und Hintergründe zum Thema

Bundesregierung ergreift Initiative

Karin Zühlke,

Plattform Industrie 4.0 vor dem Aus?

Nichts ging voran in Sachen Industrie 4.0. Nun macht Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel ernst: Die Plattform Industrie 4.0, getragen von ZVEI, VDMA und Bitkom, soll in einer neuen Dialogplattform Industrie 4.0 unter Aufsicht des Wirtschaftsministeriums aufgehen.

Reinhard Clemens, CEO von T-Systems: "Im Wesentlichen haben wir nichts hinbekommen, um uns pragmatisch schnell auf Standards zu einigen. Das IIC kommt pragmatisch voran, dort wird nicht großartig standardisiert, sondern es werden Quasi-Standards gesetzt. Unsere Gründlichkeit könnte zur Bedrohung für uns werden."

© VDI Wissensforum

Die neue Dialogplattform soll genau das forcieren, woran es bislang hakte: den direkten Dialog zwischen den deutschen und europäischen Unternehmen und die breite Umsetzung. So fordert Prof. Michael ten Hompel, TU Dortmund und Institutsleiter des Fraunhofer IML, auf der VDI-Tagung Industrie 4.0: "Die Wirtschaft muss die Dinge selber in die Hand nehmen. Die Revolution fällt nicht vom Himmel, sondern wir müssen sie selber gestalten." Flankierend gründen T-Systems und Fraunhofer eine Initiative, die Industrie 4.0 hierzulande mit De-facto-Standards voranbringen soll.

Außer Gremienarbeit und Maßnahmenempfehlungen gibt es bisher keine konkreten Ergebnisse und kein konzertiertes Vorgehen deutscher Unternehmen in Sachen Industrie 4.0. Die Arbeit der Plattform Industrie 4.0 zeigt keine fruchtbaren Ergebnisse. Im Gegenteil: Deutschland hinkt heute mit seiner einst sehr ehrgeizigen Industrie-4.0-Initiative dem Industrial Internet Consortium (IIC) der USA und Chinas ähnlichen Bestrebungen hinterher und ist momentan eher Zuschauer als Akteur. Dass kürzlich auch Deutschlands Vorzeige-Konzern Siemens der IIC beigetreten ist, ist Wind in den Segeln der US-amerikanischen Initiative und zeigt gleichzeitig, dass die Industrie 4.0 hierzulande auf der Stelle tritt.   

"Den ersten Teil des Spiels haben wir verloren, wir müssen uns jetzt in der zweiten Halbzeit besser positionieren", bringt es Reinhard Clemens, CEO der Telekom Tochter T-Systems, in seiner Key Note auf der Düsseldorfer VDI-Tagung auf den Punkt. Die Tatsache, dass die USA mit dem Industrial Internet Consortium intensiv an Industrie 4.0 arbeitet, bereitet der Bundesregierung zurecht Kopfzerbrechen. "Europa ist Weltspitze im Automobil- und Anlagenbau und hält zwei Drittel Marktanteil im Bereich der Embedded-Systeme weltweit. Wir haben das komplette Know-how – aber was fehlt uns zum Erfolg?", so Clemens weiter. Und eine Antwort hat der T-Systems-Chef auf seine Frage auch gleich parat: "Im Wesentlichen haben wir nichts hinbekommen, um uns pragmatisch schnell auf Standards zu einigen. Das IIC kommt pragmatisch voran, dort wird nicht großartig standardisiert, sondern es werden Quasi-Standards gesetzt. Wir müssen aufpassen, dass wir hier gegen den Pragmatismus der Amerikaner nicht verlieren. Unsere Gründlichkeit könnte zur Bedrohung für uns werden. Am Ende gewinnt vielleicht nicht der Beste, sondern der Schnellste."

Die großen Unternehmen in Deutschland und Europa müssen sich zusammensetzen, so seine Forderung, und sich auf einen Quasi-Standard einigen, um am Ende zu einer Plattform zu kommen, "weil wir ohne die Plattform nicht in der Lage sein werden, Reichweite zu generieren." Die wiederum sei aber nötig, um De-facto-Standards zu setzen, die sich nur über große Nutzerzahlen etablieren. Als Beispiel nennt Clemens die Aktivitäten von Google und Amazon.   

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T-Systems nimmt das Heft in die Hand

T-Systems selber will nach den Worten ihres Chefs mit gutem Beispiel vorangehen und hat – angeblich auch auf Bitte der Bundeskanzlerin hin – eine gemeinsame Initiative mit Fraunhofer gegründet. "Das ist der erste pragmatische Ansatz, nicht über Gremienarbeit, sondern über Inhalt zu arbeiten. Wenn wir das hinbekommen, dann haben wir eine Chance, dem IIC Paroli zu bieten", unterstreicht Clemens.
Dass die drei von Haus aus "kulturell" sehr unterschiedlichen Trägerverbände ZVEI, VDMA und Bitkom gemeinsam Industrie 4.0 auf die Schiene setzen sollten, sorgte zur Hannover Messe 2013 für mildes Erstaunen  unter Insidern, gingen sich diese Verbände doch bisher lieber aus dem Weg. Auf der HMI 2013 war unter breitem öffentlichem Interesse die Industrie-4.0-Plattform aus der Taufe gehoben worden.

Flankierend zur Dialogplattform will die Bundesregierung auch ein neues Technologieprogramm  auflegen mit dem Namen "Smart Service Welt". Damit sollen vor allem smarte Dienstleistungen rund um Industrie 4.0 gefördert werden. Auch der Mittelstand rückt offenbar endlich mehr in den Blickpunkt der Berliner Regierung: Um den Technologietransfer in den Mittelstand zu unterstützen, soll es ab "Frühherbst 2015 bundesweit fünf Demonstrations- und Informationszentren einrichten (Nord, Süd, Ost, West, Mitte), die sich untereinander vernetzen", so die Erklärung. Wo die einzelnen Zentren entstehen, darüber wird derzeit verhandelt. Das Süd-Zentrum soll wohl in München angesiedelt werden.

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