M2M Hotspot
Autonomik für Industrie 4.0
Das Technologieprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) 'Autonomik für Industrie 4.0' ging jetzt an den Start. Insgesamt 14 Projekte mit einem Fördervolumen von 40 Mio. Euro umfasst das Programm, das anlässlich der Autonomik Innovation Days Mitte Juni vorgestellt wurde.
Welche Beweggründe stecken hinter den 14 Projekten des BMWi-Förderprogramms Autonomik für Industrie 4.0? In ihrer Eröffnungsansprache der Autonomik Innovation Days verweist Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, darauf, dass Industrie 4.0 ein Schwerpunkt der Digitalen Agenda der Bundesregierung sei. Laut Zypries dienen die Aktivitäten der Bundesregierung dazu, in Deutschland einen international wettbewerbsfähigen, industriellen Kern zu erhalten, durch Digitalisierung und Vernetzung hochflexible Produktionsinfrastrukturen zu schaffen und das Fertigungs-Know-how weiter auszubauen.
Das Spektrum der Förderprogramme ist sehr breit gefasst und wirft zum Teil interessante Fragen auf: So widmet sich etwa das Projekt APPsist – Mobile Assistenzsysteme und Internetdienste in der intelligenten Produktion – dem ganzheitlichen Ansatz für die Interak-tion zwischen Mensch und Maschine in der Produktion. Ein Bezug zu Industrie 4.0 ist dabei nicht ohne weiteres erkennbar. Als Use Case wird der Zugriff per Touch-Bildschirm oder Smartphone-App auf Zusatzinformationen bezeichnet. – Mit Verlaub: Das gibt es auch schon in Industrie 3.0!
Oder aber das Projekt InSA – Schutz- und Sicherheitskonzept für die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter in gemeinsamen Arbeitsbereichen: In diesem Projekt werden bisher voneinander getrennte Arbeitsbereiche von Roboter und Mensch durch Sensorik überwacht, um neuartige kontextorientierte Schutzsysteme zu schaffen. Interessant: Unter den Projektpartnern ist kein einziger Roboter-Hersteller vertreten. Dabei sind diese doch schon dabei, gemeinsame Arbeitsbereiche von Mensch und Roboter im realen Industriealltag zu testen.
Erwähnenswert auch das Forschungsmotiv des Konsortialführers Adidas im Projekt Speedfactory. Frank Dassler, General Counsel der Adidas Group, gab auf der Veranstaltung klar zu erkennen, dass die Motive von Adidas darin liegen, in Deutschland entworfene Sportartikel noch schneller in Asien produzieren zu können. – Ob Brigitte Zypries dies meinte, als sie die Stärkung des Produktionsstandorts Deutschland als Autonomik-Projektziel nannte?
Wo bleiben die IoT-Architekturen?
Obwohl eine ganze Reihe der Forschungsprojekte – CoCos, InSA, ReApp, Smart Face und Smartsite – für ihre praktische Umsetzung auf leistungsfähige und sichere Kommunika-tionsarchitekturen angewiesen sind, wird dieser Punkt innerhalb der Projekte gar nicht oder nur am Rande bearbeitet. Dabei wäre für diese Projekte die Orientierung an einer IoT-Referenzarchitektur (zum Beispiel das EU-Projekt IoT-A unter www.iot-a.eu/public) und die an die jeweiligen Kommunikationsanforderungen angepasste Spezifikation zur Art und Weise des Informationsaustausches (zum Beispiel Push, Request/Response, Subscripbe/Notify oder Publish/Subscribe) von entscheidender Bedeutung. Denn: Werden diesbezüglich im Vorfeld der Entwicklungsvorhaben falsche Entscheidungen getroffen, ist ein erfolgreicher Praxiseinsatz nachhaltig gefährdet.
Als Fazit der Projektvorstellungen bleibt: Hinsichtlich der zu lösenden Probleme im Bereich der M2M- und IoT-Kommunikation fehlt den 14 Förderprojekten, soweit sie überhaupt direkt mit Industrie 4.0 zu tun haben, offensichtlich der Praxisbezug. Gerade die Vernetzung autonomer Systeme ist eine große Herausforderung für die Automatisierungstechnik. Hinzu kommt: Der praktische Nutzen derartiger Förderprojekte wäre vermutlich deutlich größer, wenn der eine oder andere Kommunikationsspezialist mit Automatisierungs-Background in solchen Projekten mitwirken würde. Es wäre weiterhin wünschenswert, dass Branchenverbände – wie zum Beispiel die M2M Alliance – in Zukunft auf die Initiatoren solcher Projekte zugehen und das entsprechende Kommunikations-Know-how ihrer Mitglieder für Verbundprojekte anbieten.












