Nachgefragt

Günter Herkommer,

Pionier in Sachen IEC 61499

Das junge Unternehmen nxtControl hat eine gleichnamige Automatisierungs- Software auf den Markt gebracht und versteht sich damit als Vorreiter bei der Umsetzung der IEC 61499. Firmengründer Horst Mayer erläutert, warum.

Horst Mayer, nxtControl: „Die IEC 61131 hat ihren Zenit überschritten!“

Herr Mayer, was genau ist nxtControl?

 

Mayer: Bei nxtControl handelt es sich um eine Automatisierungs-Software für verteilte Systeme. Anwender können damit sowohl Steuerung als auch Visualisierung mit einem einzigen Tool projektieren – sie bleiben dabei trotzdem unabhängig von Lieferanten! Das wirklich Neue ist, dass die Lösung sich von Grund auf an der neuen IEC 61499 für verteilte Systeme orientiert.

 

Was heißt das konkret?

 

Mayer: Die IEC 61499 bietet viele neue Möglichkeiten, die bei der IEC 61131 versäumt wurden. Ohne auf die Details der Norm eingehen zu wollen, sehen wir als größten Fortschritt die Möglichkeit, ganze Systeme zu modellieren und Steuerungslogik flexibel auf unterschiedliche Geräte zu verteilen – bei der IEC 61131 hingegen programmiert man nur einzelne Geräte. Das zweite große Plus ist, dass diese neue Norm in idealer Weise den Forderungen der Anwender hinsichtlich Portabilität, Konfigurierbarkeit und Interoperabilität Rechnung trägt. Das heißt: Engineering- Werkzeuge sollen Bibliothekselemente unterschiedlicher Hersteller akzeptieren und verwenden können, Steuerungsgeräte unterschiedlicher Anbieter sollen sich mit Engineering-Werkzeugen von unterschiedlichen Herstellern konfigurieren beziehungsweise programmieren lassen; nicht zuletzt sollen Steuerungsgeräte unterschiedlicher Hersteller an der Ausführung mehrerer, auch verteilter Applikationen zusammenarbeiten können.

 

Sie nehmen für sich in Anspruch, über das fortschrittlichste Tool auf Basis der IEC 61499 zu verfügen. Worauf gründet sich diese Behauptung?

 

Mayer: Zwei Punkte sind dafür verantwortlich. Einmal die streng umgesetzte Objektorientierung und vor allem die Beteiligung von Anwendern an der Produktentwicklung. Letztere stellt sicher, dass sich das Tool an Anwenderbedürfnissen orientiert und nicht nur am technisch Machbaren. Die an der Entwicklung beteiligten Systemintegratoren haben uns das Tool knallhart ,auf den Tisch geschmissen‘, wenn es nicht so zu benutzen war, wie sie es sich vorgestellt haben.

 

Ihre bisherigen Erfahrungen beziehungsweise umgesetzten Anwendungen mit der IEC 61499 entstammen in erster Linie der Gebäudetechnik und weniger dem industriellen Automatisierungsumfeld. Hier findet die Nachfolgenorm der IEC 61131-3 nach wie vor kaum Akzeptanz. Warum ist das so?

 

Mayer: Der Kostendruck in der Gebäudeautomatisierung ist größer als in der Industrie. Deshalb gibt es in der Gebäudetechnik mehr ,Suchende‘. Anwender in der Industrie hingegen akzeptieren oft zu leicht vorgesetzte Lösungen, auch wenn sie nicht vollkommen damit zufrieden sind. Hinzu kommt, dass im Industrieumfeld derzeit wenig Information über IEC 61499 vorhanden ist. Selbst auf der Homepage einer Nutzerorganisation für offene Steuerungen findet sich kein Wort über IEC 61499! – Da muss man sich schon Gedanken darüber machen, ob hier etwas verschlafen wurde.

  

Sehen Sie angesichts dieses Status quo überhaupt eine Chance, dass sich die IEC 61499 im Industrie-Umfeld in absehbarer Zeit etabliert? Oder anders gefragt: Bleiben Sie mit Ihrer Lösung allein auf weiter Flur?

 

Mayer: Wenn die Anwender erst einmal sehen, welche Vorteile damit verbunden sind und solche Lösungen bei ihren Lieferanten nachfragen, wird sich die IEC 61499 durchsetzen – keine Frage. Auch habe ich den Eindruck, dass Hersteller offener Hardware-Plattformen dem Thema durchaus ,offen‘ gegenüberstehen. Ob IEC 61131 oder IEC 61499 – für sie macht es keinen großen Unterschied. Nicht zuletzt rechne ich damit, dass die Anbieter von IEC-61131- Software sehr bald auf den Zug aufspringen; Weiterentwicklungen bringen hier nur noch marginale Verbesserungen. Zum Abschluss sei noch folgender Vergleich erlaubt: Die IEC 61499 ist ein wichtiger Schritt für die Trennung von Hard- und Software, wie sie in der ITWelt schon lange gelebt wird. Oder fragen Sie bei ihrem Händler nach einem Microsoft- Excel für einen Dell-Computer?

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