Siemens – das 3. Quartal 2013

Günter Herkommer,

Industriegeschäft vor Stabilisierung?

Am Tage seiner Wahl zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG oblag es Ende Juli Joe Kaeser, die Konzernzahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres zu präsentieren: Beim Industriegeschäft seien erste Anzeichen für eine Stabilisierung des Marktumfeldes zu sehen.

Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser gibt sich selbstkritisch: "Es sind Chancen verpasst worden, vor 2007, in den letzten Jahren, und wir werden auch in der Zukunft Fehler machen. Aber es ist auch immer wieder Vieles gelungen bei Siemens."

© Siemens

"Sie haben in letzter Zeit viel über Siemens gehört. Geschrieben und geredet wird von Chaostagen, von Pleiten, Pech und Pannen, von Menschlichem und Unmenschlichem und vielem mehr. Aber das ist nicht Siemens und das ist nicht, wofür es steht. Vor allem nicht, wofür es stehen sollte! Deswegen freue ich mich, Ihnen heute direkt und persönlich Rede und Antwort zu stehen und wieder in einen offenen Dialog zu treten – im Zuge eines Neuanfangs." Mit diesen Worten wandte sich Joe Kaeser an die in München versammelte Presse, um letztendlich die Zahlen für das dritte Quartal 2013 zu präsentieren. Demnach ist der Auftragseingang gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres vergleichbar um über 20 % auf 21,14 Mrd. Euro gestiegen, insbesondere aufgrund laufender Großaufträge im Züge-Bereich. Der Umsatz ging mit 19,2 Mrd. Euro um etwa ein Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zurück. Das Ergebnis über alle Sektoren lag im dritten Quartal schließlich bei 1,3 Milliarden Euro und damit 31 % unter dem Vorjahreswert von 1,8 Mrd. Euro. Hier wirkten sich Kaeser zufolge vor allem Belastungen in Höhe von 436 Mio. Euro im Zusammenhang mit dem Unternehmensprogramm 'Siemens 2014' aus.

Anzeige

Betrachte man die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres, ergibt sich folgendes Bild: Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 56,74 Mrd. Euro auf 55,40 Mrd. Euro zurück (-2,4 %), der Auftragseingang liegt mit 61,98 Mrd. um 12 % über Vorjahr (55,45 Mrd. Euro), und das Ergebnis liegt mit 4,17 Mrd. Euro um 22 % hinter den ersten neun Monaten 2012 zurück (5,34 Mrd. Euro).

Der Sektor Industry im Detail

Der Auftragseingang im Industriegeschäft von Siemens lag in der Berichtsperiode mit 5,13 Mrd. Euro geringfügig über dem Vorjahresniveau (5,11 Mrd. Euro) und der Umsatz ging um 2% von 5,10 auf 4,99 Mrd. Euro zurück. Das Ergebnis lag mit 347 Mio. Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 523 Mio. Euro (-34 %). Dies war Kaeser zufolge hauptsächlich auf Belastungen in Höhe von 140 Mio. Euro € in Zusammenhang mit 'Siemens 2014'.

Industry Automation lieferte im dritten Quartal einen Beitrag von 236 Mio. Euro (Q3 2012: 273 Mio. Euro) zum Sektorergebnis bei. Der Umsatz des Sektors lag mit 2,29 Mrd. Euro 1 % unter Vorjahr, der Auftragseingang bewegte sich mit 2,82 Mrd. Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Bei den Regionen stieg der Umsatz im dritten Quartal in Asien/Australien und war in den anderen Berichtsregionen rückläufig. Der Auftragseingang legte in Amerika und Asien/Australien zu, lag aber in Europa/GANO unter dem Vorjahreswert.

Das Ergebnis von Drive Technologies lag im dritten Quartal mit 127 Mio. Euro um 40 % unter dem Vorjahreswert (210 Mio. Euro), was im Wesentlichen auf Belastungen in Höhe von 62 Mio. Euro in Verbindung mit ‚Siemens 2014‘ zurückzuführen sei. Der Umsatz lag mit knapp 2,36 Mrd. Euro um 4 % unter dem Vorjahresniveau, der Auftragseingang war vorwiegend aufgrund einer schwachen Nachfrage bei den langzyklischen Geschäften der Division um 6% rückläufig (2,13 Mrd. Euro). Umsatz und Auftragseingang lagen in allen drei Berichtsregionen unter den Vorjahreswerten.

Nimmt man die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres zusammen, ergibt sich folgenden Bild: der Auftragseingang sinkt um 6 % von 15,15 Mrd. Euro auf 14,27 Mrd. Euro, der Umsatz geht um 4 % von 14,87 Mrd. Euro auf 14,24 Mrd. Euro zurück und das Ergebnis bricht um 31 % von 1,74 Mrd. Euro auf knapp 1,2 Mrd. Euro ein.

Die Prognose für das Gesamtjahr 2013

"Für das Geschäftsjahr 2013 bestätigen wir unsere Prognose aus dem April", sagt Kaeser mit Blick auf die kommenden Monate und ergänzt: "Dabei gehen wir davon aus, dass wir im Auftragseingang eher über den damaligen Erwartungen liegen werden und das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten nach Steuern in Höhe von 4 Mrd. Euro erreicht wird - dank des Sonderertrages aus der Nokia-Siemens-Network-Anteilsveräußerung. Als Risiko bleiben – wie berichtet – die Unwägbarkeiten aus den bekannten Themen wie zum Beispiel der Offshore-Netzanbindung in der Nordsee." Die Prognose des Unternehmensprogramms, 2014 eine Sektormarge von mindestens zwölf Prozent zu erzielen, sei hingegen aus heutiger Sicht zumindest operativ nicht mehr zu halten. Kaser betont jedoch in diesem Zusammenhang: "Wir arbeiten trotzdem weiterhin zielstrebig an der Abarbeitung der eingeleiteten Maßnahmen im Rahmen des Programms 'Siemens 2014'. Und ob dann statt zwölf Prozent etwa zehn Prozent oder eine andere Zahl das neue Ziel sind, ist nicht ausschließlich relevant. Wichtig ist hingegen, dass wir die Ertragslücke zwischen dem Wettbewerb und uns im Laufe der Zeit reduzieren beziehungsweise schließen, und dass alle Maßnahmen auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind beziehungsweise strukturelle Wirkung über 2014 hinaus haben."

Angesichts dieser Entwicklungen und der Ergebnisse in den ersten neun Monaten erwartet Siemens für das Geschäftsjahr 2013 einen Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten von 4,0 Milliarden Euro. Darin berücksichtigt sind das Solargeschäft und NSN.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

EMO 2013

Siemens und Kuka kündigen Kooperation an

Die Siemens-Division Drive Technologies und die Kuka Roboter GmbH haben auf der Werkzeugmaschinen-Messe EMO in Hannover eine umfassende Kooperation angekündigt. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht die Integration von Robotern und CNC-Lösungen...

mehr...

Vorstandswechsel

Joe Kaeser wird neuer Siemens-Chef

Joe Kaeser, seit 2006 Chief Financial Officer (CFO), wird mit Wirkung zum 1. August neuer Vorstandsvorsitzernder bei Siemens. Er folgt auf Peter Löscher, der zuletzt wegen der zweiten Gewinnwarnung in drei Monaten in die Kritik geraten war.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Steuerungen

Die S7-1500 aus Analysten-Sicht

Die Weiterentwicklung der Automatisierungstechnik spielt sich in den letzten Jahren fast ausschließlich in Software-Themen ab - die gängige Steuerungstechnik sowie die industriellen Netzwerke sind inzwischen schnell genug, um die Anforderungen der...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Siemens

Durchwachsene Entwicklung im ersten Quartal 2013

Siemens-Chef Peter Löscher hat am 23. Januar die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2013 bekannt gegeben: Was den Sektor Industry betrifft, musste der Konzern beim Umsatz leichte, beim Auftragseingang deutliche Rückgänge hinnehmen.

mehr...

Grossenbacher Systeme

Embedded KI als Servicetechniker

Teure Ausfallzeiten und Servicetickets gehören zu den zentralen Herausforderungen eines effizienten Fertigungsbetriebs. Embedded KI kann dazu beitragen, Kosten zu senken und die "Overall Operating Effectiveness (OEE)" zu verbessern, indem sie im...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren