Harting
Ein neues Geschäftsmodell
Die Firma Harting steht für Kommunikationstechnik – vom Steckverbinder bis hin zum RFID. Mit einem neuen Produkt will das Unternehmen jetzt die realen Daten aus der Produktion mit der virtuellen Welt verknüpfen. Dr. Jan Regtmeier, Team-Manager bei Harting IT Software Development, erläutert im Gespräch die Hintergründe zu den Plänen.
Dr. Jan Regtmeier: "Wir verfolgen einen neuen Ansatz, um Software in die Feldebene zu bringen."
© HartingHerr Dr. Regtmeier, Harting stellt auf der Hannover Messe eine modulare Plattform vor. Was muss man darunter verstehen?
Dr. Regtmeier: Das Produkt ist ein echtes Integrated Industry Produkt. Sprich: ein robuster, industrietauglicher und sehr kompakter Computer, der modular gehalten ist.
Was bedeutet modular?
Der Kunde kann in Baukasten-Manier sein Produkt konfigurieren beziehungsweise dieses selbst entwickeln und hinzufügen, wenn es noch kein passendes Modul für ihn gibt. Im Endeffekt können Kunden, Partner und Harting selbst Apps für die Plattform entwickeln und darauf betreiben.
Wie sieht das Gerätekonzept des Baukastens genau aus?
Wir verfolgen einen sehr offenen Ansatz. Vielleicht so viel: Bei dem Hardware-Konzept greifen wir bestehende Trends rund um die Maker-Szene auf, die diese mit sehr erfolgreichen Produkten wie dem Raspberry Pi oder Beaglebone aufzeigen. Diese Plattformen sind super, um Dinge auszuprobieren. Bei unserem Serienprodukt, dessen Namen noch nicht steht, setzen wir jetzt jedoch auf einer verlässliche und getestete ARM-Plattform auf, mit einer sehr robusten und industrietauglichen Hardware.
Was kann beziehungsweise soll Ihr Kunde mit den Geräten anfangen?
Wir geben unseren Kunden und Partnern eine Plattform an die Hand, auf der sie ihre Ideen rund um Integrated Industry umsetzen können: Das beginnt beim Sammeln und Verdichten von Sensordaten, der Kommunikation mit SAP und geht hin bis zu neuronalen Netzen für komplexe Regelmechanismen.
Zudem verfolgen wir einen ganz neuen Ansatz, um Software in die Feldebene der Industrie zu bringen. Jeder Kunde kann seine individuelle Applikation wie eine Smartphone App auf das Gerät bringen. Durch ein einzigartiges Virtualisierungskonzept können Kunden vollständig unabhängig voneinander Anwendungen entwickeln und auf dem Gerät betreiben. Selbst inkompatible Treiber lassen sich in unterschiedlichen Containern nutzen.
Der seriennahe Prototyp: Zur Hannover Messe 2015 findet der kompakte Computer Einsatz in der Smart Factory von Harting.
© HartingWas genau planen Sie selbst mit der Plattform umzusetzen?
Ganz konkret sind wir dabei, im Bereich RFID eine Middleware zu schaffen, die bislang meist auf Servern läuft. Diese Middleware werden wir direkt auf die modulare Plattform bringen und somit einen 'smarten' RFID-Reader schaffen.
Wie beziehungsweise an was sollen die Daten aus dem Gerät weitergegeben werden?
Hier ist fast alles denkbar. Wir können Daten sowohl an klassische SPS-Systeme übergeben, genauso gut aber an Datenbanken oder Excel-Dateien. Wir selbst setzen auf OPC UA, um die bestmögliche Interoperabilität zu schaffen. Wir arbeiten auch sehr eng mit der SAP zusammen, um Daten direkt in das SAP-System zu bringen, wenn gewünscht sogar bis in die SAP-Hana-in-memory-Datenbank.
Wie passt die modulare Plattform zum Harting-Produkt-Portfolio?
Es ist letztendlich die konsequente Fortsetzung, die Dietmar Harting vor vielen Jahren schon vorhergesehen hat: RFID war nur der Einstieg in Richtung Internet of Things und wir bereiten sowohl unsere Hardware als auch Software auf das kommende IoT vor. Aus unserer Sicht steht Harting als Synonym für Connectivity, und diese Connectivity heben wir nun auf den nächsten Level – nicht nur auf Basis des reinen Steckverbinders, sondern auch für M2M und vertikale Integration.
Wie passt das neue Geschäftsfeld in die Unternehmensstruktur von Harting?
Die Harting IT Software Development, bei der die neuen Produkte aufgehängt sind, hat aktuell rund 25 Mitarbeiter. Wir sind innerhalb der Harting-Gruppe eines von mehreren Konzern-internen Start-ups.
Wie sieht die Roadmap für die Plattform aus?
Wir fokussieren uns aktuell auf die Hannover Messe. Dort werden wir einen seriennahen Prototypen der Plattform zeigen. Danach gilt es, sich auf die Fertigstellung der Basis der Plattform zu konzentrieren. Und dann schauen wir, welche Ideen unsere Kunden haben – wir zumindest haben bereits sehr viele!
Was ist auf der Hannover Messe schon zu sehen?
Um die Vielfalt zu unterstreichen, zeigen wir bereits auf der Hannover Messe verschiedene Applikationen: In der Harting Smart Factory 'HAii4you' zeigen wir einen industrietauglichen, sehr kompakten RFID-Reader, der den Produktionsprozess mitsteuert. Darüber hinaus zeigen wir, dass man ein neuronales Netz und Fuzzy Logic auf die modulare Plattform bringen kann. Damit lösen wir Regelprobleme, die für Menschen oder klassische PID-Regler zu komplex sind. Und wir bieten natürlich die Möglichkeit, dass unsere Kunden die Plattform ausprobieren und anfassen können.













