Endress+Hauser
Mit Zuversicht ins neue Jahr
Endress+Hauser meldet für das Jahr 2020 einen Umsatzrückgang von -2,8 % auf 2,577 Mrd. Euro. Das Ergebnis wurde stark durch Wechselkursschwankungen beeinflusst. Der Start in das neue Geschäftsjahr gelang: Der Auftragseingang lag über den eigenen Erwartungen.
Matthias Altendorf, CEO der Endress+Hauser Gruppe.
© Endress+HauserDie Auswirkungen der Corona-Pandemie gehen an der Industrie nicht spurlos vorüber. Sichtbar werden diese in den Geschäftszahlen, die nun nach und nach von den Unternehmen veröffentlicht werden. So auch bei Endress+Hauser. Der Spezialist für Mess- und Automatisierungstechnik meldet für das abgelaufene Geschäftsjahr 2020 einen Umsatzrückgang von -2,8 % auf 2,577 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) ging leicht um -1,9 % auf 337,1 Mio. Euro zurück. Die Umsatzrendite (ROS) lag unverändert bei 13,1 %. Das Ergebnis nach Steuern sank aufgrund höherer Abgaben um -4,1 % auf 254,9 Mio. Euro. Die Firmengruppe ist praktisch frei von Bankschulden. Die Eigenkapitalquote stieg um 1,4 Prozentpunkte auf jetzt 77,0 %.
Beeinflusst wurde das Ergebnis maßgeblich durch die Entwicklung der Wechselkurse. Außer dem Schweizer Franken werteten alle maßgeblichen Währungen gegenüber dem Euro ab. Ohne diese Einflüsse, so Finanzchef Dr. Luc Schultheiss, hätte Endress+Hauser fast den Vorjahresumsatz erreicht. »In lokalen Währungen liegen wir über dem Durchschnitt der Branche und haben uns im Markt gut behauptet.« Allerdings wirkten sich die Wechselkurse auf der Kostenseite positiv aus, etwa beim Materialaufwand. Zudem sank der betriebliche Aufwand, weil viele geschäftliche Reisen und Aktivitäten ausfielen.
Einzelne Regionen, Branchen und Segmente entwickelten sich unterschiedlich. Von den drei umsatzstärksten Ländern erzielte nur China Wachstum und ist für das Schweizer Unternehmen nun der größte Einzelmarkt. In Deutschland und den USA dagegen gingen die Verkäufe zurück. Im Gegensatz zur Prozessmesstechnik verzeichnete die Laborinstrumentierung ein kräftiges Plus. Zyklische Branchen litten in der Krise, azyklische blieben stabil.
Online-Geschäft wächst
Im Rahmen der letzten Bilanzpressekonferenz am 12. Mai 2020, also am Anfang der Pandemie, betonte CEO Matthias Altendorf, dass das Unternehmen mit seiner Strategie 2020+ die richtigen Schwerpunkte setzt. Der Fokus der Strategie liegt auf Digitalisierung der Produkte, Lösungen und Dienstleistungen, Interaktion und Kollaboration mit Kunden und Kollegen. Damals stieg der Online-Auftragseingang signifikant an. Das zeigt sich nun in den Zahlen: Die Zahl der registrierten Nutzer der Plattform endress.com verdoppelte sich, das Online-Geschäft wuchs um +39 %. Mit der Visual Support App können sich Anwender den Servicetechniker virtuell auf die Anlagen holen und auch Werksabnahmen finden laut Unternehmen inzwischen videounterstützt aus der Ferne statt.
Investitionen in Produktion und Mitarbeiter
Im vergangenen Jahr investierte Endress+Hauser 205,9 Mio. Euro in die Produktion, allen voran in den Ausbau der Werke im deutschen Maulburg und im schweizerischen Reinach. Zudem werden die Standorte Gerlingen und Waldheim/Sachsen in Deutschland sowie Aurangabad in Indien erweitert. Die Vertriebsgesellschaften in Kanada und Mexiko errichten ebenfalls neue Gebäude. Die Investitionssumme liegt aber insgesamt -10,9 % unter dem Vorjahr.
Die F&E-Quote lag bei 7,6 %. Demnach steckte der Spezialist für Mess- und Automatisierungstechnik 195,1 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung. Mit 276 Erfindungen meldet das Unternehmen 42 Innovationen weniger zum Erstpatent an. Altendorft sieht diese Entwicklung auch dem Homeoffice geschuldet: » Die Menschen sind kreativer, wenn sie sich gegenseitig inspirieren und kollaborativ nach Lösungen suchen.« Unabhängig der Patentanmeldungen kamen im vergangenen Jahr 40 Produkte neu an den Markt, im laufenden Jahr sollen es 74 sein.
Frauenanteil in Führungspositionen soll wachsen
Endress+Hauser will den Anteil der weiblichen Beschäftigten im Unternehmen steigern und mehr Frauen für Führungspositionen gewinnen.
© Endress+HauserDie Zahl der Mitarbeitenden wuchs 2020 um 126 auf weltweit 14.454. Praktisch alle Auszubildenden wurden übernommen. Den Anteil der Frauen in Führungspositionen will Endress+Hauser bis 2030 auf rund 30 % steigern – eine Verdoppelung gegenüber heute. Das Unternehmen hatte seinen ökologischen Fußabdruck bereits in den vergangenen Jahren deutlich verkleinert. Im Pandemie-Jahr sank der Kohlendioxid-Ausstoß weiter von 10,1 auf 8,9 t je Million Euro Umsatz.
Mit Nachhaltigkeit und Diversität adressiert das Unternehmen zwei große gesellschaftliche Themen. Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens betonte CEO Matthias Altendorf: Im Pandemie-Jahr 2020 sei es Endress+Hauser gelungen. »Wir haben in der Pandemie geholfen, wichtige Bereiche unseres täglichen Lebens am Laufen zu halten. Unsere Arbeit ist wichtig für unsere Kunden und für die Gesellschaft.« Beispielsweise werden Produkte des Schweizer Unternehmens eingesetzt, um Impfstoffe herzustellen. Und die Tochter Analytik Jena liefert PCR-Technologie zum Nachweis des Coronavirus.
Guter Start ins laufende Jahr
2021 möchte Endress+Hauser im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Das Unternehmen startete mit Schwung ins laufende Jahr: Im ersten Quartal lag der Auftragseingang über den eigenen Zielen wie auch über dem noch starken ersten Quartal des Vorjahres. Allerdings belasten die Wechselkurse wiederum den konsolidierten Umsatz. Dazu erwartet das Unternehmen eine niedrigere Profitabilität, da viele Einsparungen des Jahres 2020 einmalig waren.
»Die Aussichten sind weiter von Unsicherheit geprägt«, betonte Altendorf. Neben weiteren Pandemiewellen und neuen Virusvarianten bereite die Lieferkette der gesamten Industrie weiterhin Sorgen. Endress+Hauser erhöht deshalb die Vorräte und stärkt das Lieferantennetzwerk. In China und Deutschland wurden zudem neue, leistungsfähige Logistikzentren in Betrieb genommen.














