Maschinenrichtlinie / Arbeitsschutz
Otto-von-Guericke-Preis vergeben
Der diesjährige Otto-von-Guericke-Preis der Arbeitsgemeinschaft industrielle Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke" e.V. (AiF) ging an ein interdisziplinäres Forscherteam für die Entwicklung eines hochwirksamen Schutzsystems aus technischen Textilien für Holzbearbeitungsmaschinen.
Hermann Finckh vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf (ITV) und Vincenzo Forcillo vom Institut für Werkzeugmaschinen (IfW) der Universität Stuttgart sind die Gewinner des mit 5.000 Euro dotieren Preises.
Eine Anpassung der Maschinenrichtlinien in der Holzbearbeitung im Dezember 2009 führte dazu, dass die bisherigen Schutzvorhänge aus PVC die vorgeschriebenen Schutzanforderungen nicht mehr erfüllen konnten. Somit lief die Branche – mit 1000 produzierten Stück pro Jahr ist Deutschland der weltweit größte Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen - Gefahr, ihre Maschinen nicht mehr normenkonform liefern zu können.
Dieses branchenspezifische Problem griff das Forschungskuratorium Maschinenbau e.V. (FKM) im VDMA auf und suchte branchenübergreifend nach einer Lösung. „Ein neues Material musste her, dass einerseits robust ist, um die Projektile zurückzuhalten, andererseits aber flexibel genug, um die zu bearbeitenden Werkstücke nicht zu beschädigen“, erklärt Forcillo, „es lag nahe, hier eine Lösung im Bereich der technischen Textilien zu suchen.“ Letztlich wurden Kompetenzen aus dem Maschinenbau und der Textiltechnik gebündelt: Finckh, Forcillo und ihre Teams haben insgesamt 26 textile Lamellenmaterialien in Vorhangssystemen geprüft. Eigens dafür mussten spezielle Prüfstände entwickelt und aufgebaut werden. Zehn Materialien erfüllten die Normvorgaben. Die Unternehmen favorisierten ein Polyamidgewebe mit spezieller Beschichtung: ein Material mit besonders hohem Rückhaltevermögen, gutem Verschleißverhalten und gleichzeitig einem günstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis. Parallel wurden Simulationsmodelle für die Beschussprüfung von Lamellen und Vorhangssystemen entwickelt. Damit ist die Schutzwirkung berechenbar und auch die Weiterentwicklung neuer Schutzsysteme leichter.
Wie akut das Problem für die Unternehmen war und wie anwendungsnah die Forschungsergebnisse sind, zeigt die praktische Umsetzung, die bereits erfolgt ist: Etwa 20 Maschinenbauunternehmen setzen inzwischen die innovativen Lamellensysteme ein. Sie beliefern allein deutschlandweit 400 bis 500 holzverarbeitende Betriebe. Für die Textilbranche wiederum eröffnete sich ein neuer Markt, auf dem ebenfalls schon etwa 20 Unternehmen das Know-how zur Herstellung der benötigten technischen Textilien nutzen.
Die Arbeitsgemeinschaft industrielle Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke" e.V. (AiF) fördert die Forschung und Entwicklung zugunsten kleiner und mittlerer Unternehmen.










