Robocup 2011
WM-Qualifikation in Magdeburg
Verschiedene Robotertypen ringen bei den 10. RoboCup German Open Ende März in Magdeburg um den Sieg in mehreren Disziplinen. Dabei geht es auch um Fahrkarten zur RoboCup-WM in Istanbul.
Wer ist unter den Robos der beste Retter, wer kickt wie ein Profi? Rund 250 Teams und mehr als 1 100 Teilnehmer messen sich dazu vom 31. März bis zum 3. April 2011 in Magdeburg in zwei Leistungs-Klassen: Schülerteams kämpfen um die Qualifikation zur RoboCup-Juinior-Weltmeisterschaft 2011 in Istanbul. Parallel dazu tragen die "erwachsenen" Roboter-Forscher ein internationales Turnier aus, das viele Teams zur Vorbereitung und Standortbestimmung im Vorfeld der kommenden Weltmeisterschaften nutzen.
An den Start gehen autonome Roboter und Wettkämpfer aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und autonome mobile Systeme. Mehr als 50 Teams treten bei der internationalen RoboCup Major Competition in den Disziplinen Soccer, Rescue, @Home und Logistik gegeneinander an.
Wissenschaftler und Studenten aus 14 Ländern brachten dafür im Vorfeld ihren Robotern selbstständiges Handeln und Kommunizieren bei, damit sie sich ihrer Umgebung und verschiedenen Situationen anpassen können.
Was bei den kickenden Blech-Beckhams und Platinen-Platinis in der Disziplin Soccer noch einen spielerischen Charakter hat, wird spätestens in der Disziplin Rescue eine ernste Angelegenheit: Eine Aufgabe ist zum Beispiel die Suche nach Opfern in einem nachgestellten Katastrophenszenario. „Hier wird die Relevanz der Forschung hinter den Kulissen des RoboCup noch deutlicher als bei den Fußballern“, erklärt Dr. Ansgar Bredenfeld, Sprecher des deutschen RoboCup-Komitees.
Forschung und Know-how-Austausch auf höchstem Niveau bilden das Fundament des RoboCups. Es geht nicht primär um das Gewinnen bei den Wettbewerben, sondern um den wissenschaftlichen Austausch zwischen den Teams. So stellen in einem speziellen Workshop die Doktoranden der Teams ihre Forschungsprojekte vor.
Wettstreit der Robo-Jugend
Neben den 50 Forscherteams der internationalen RoboCup-Major-Competition konkurrieren 200 deutsche Schülerteams bei der deutschen RoboCup-Junior-Meisterschaft um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Istanbul. 650 junge, technikbegeisterte Menschen aus 60 Standorten sind bei dem Qualifikationsturnier vertreten und kämpfen in den Disziplinen Dance, Soccer und Rescue um eine Nominierung für die Weltmeisterschaft im Sommer.
Beim RoboCup Dance entwerfen die Teams eine Choreographie, die von den Robotern aufgeführt wird. Meist lassen die Teams mehrere Roboter zu einem Musik-Mix tanzen. Andere erzählen mit ihren Robotern eine Geschichte oder inszenieren kleine Theaterstücke. „Der kreative Zugang zu technischen Inhalten ist eine wesentliche Stärke des RoboCup Junior, der damit den Nachwuchs nachhaltig motiviert und fördert“, betont Dr. Bredenfeld. Um das Interesse für Technik auch bei Neulingen zu wecken, finden deshalb auch Roboterkurse für Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 15 Jahren statt.
Die fünf Ligen des RoboCup Soccer
Simulation League
In dieser Liga spielen zwei rein virtuelle Teams mit je elf völlig autonomen Spielern sowohl in 2D als auch in 3D-Simulationen gegeneinander. Die Idee der Simulation League ist, Erfahrungen mit Strategien, Taktiken und Gruppenverhalten zu sammeln, um diese dann auf humanoide Roboter zu übertragen. Der wissenschaftliche Fokus liegt auf der Kooperation und Kommunikation der virtuellen Spieler.
Small Size League
Zwei Teams mit jeweils fünf rollenden Robotern - so präsentiert sich die Small Size League. Die Spieler haben nur wenige Sensoren onboard; sie bekommen Informationen von Kameras, die über dem Spielfeld angebracht sind. Diese Informationen werden an einen externen Computer geschickt, der dann wiederum den Robotern per Funk Kommandos zusendet. Materialien, Form und Software sind völlig frei wählbar. Einzig die Größe ist vorgegeben, das heißt der Durchmesser und die Höhe der Roboter.
Middle Size League
In der „Königsdisziplin" des RoboCup bestehen die Teams aus sechs mittelgroßen Robotern mit allen Sensoren onboard. Die Spieler dieser Liga wiegen bis zu 40 Kilogramm und haben eigene Kameras an Bord, über die sie sich selbst lokalisieren müssen. Die Kommunikation zwischen den Robotern erfolgt per WLAN, externe Eingriffe von Menschen sind nicht erlaubt. In der Regel verfügt jeder Roboter über einen Rechner, der die Informationen der Sensoren zusammenbringt, interpretiert, mit dem bereits verfügbaren Wissen kombiniert und daraus neue Aktionen ableitet.
Standard Platform League
Der große Vorteil für die Teilnehmer dieser Liga ist auch zugleich die größte Herausforderung: Alle Teams verwenden identische Roboter. Nachdem die Hardware für alle Teilnehmer die gleiche ist, geht es in diesem Bewerb um Software-Weiterentwicklung. Die Roboter agieren autonom, einzig die Kommunikation per WLAN ist ihnen erlaubt.
Humanoid League
In dieser Liga spielen humanoide Roboter, also Roboter mit menschenähnlicher Körperform und entsprechender sensorischer Ausstattung, gegeneinander. Die Spieler sind völlig autonom und ein menschliches Eingreifen in das Spiel ist nicht erlaubt. Besonders knifflig: Die Spieler auf zwei Beinen müssen ihr Gleichgewicht halten können, egal ob sie stehen, laufen oder den Ball kicken. Falls sie zu Boden gehen, müssen sie auch selbst wieder aufstehen können.













