Drei Fragen an ...
Trends in der Robotik
Unter dem Titel “Drei Fragen an ...“ veröffentlicht computer-automation.de in diesem Jahr im regelmäßigen Turnus Kurzinterviews zu wechselnden Themen mit den führenden Köpfen der Automatisierungsbranche. In diesem Monat steht die Robotik im Fokus.
Laut IFR werden bis zum Jahr 2022 zwei Millionen neue Roboter in den Produktionen weltweit installiert. Drei Trends stechen dabei besonders hervor:
- Smarte und einfache Roboterintegration
- Zusammenarbeit von Mensch und Roboter
- Digitale Roboter
Daher wollen wir im Rahmen unserer Kurzinterviews in diesem Monat direkt bei Automatisierern nachfragen, welche Technologien bei ihnen bereits ihren Einsatz finden.
Gäste unserer Serie sind dazu:
René Auth, Bereichsleiter Globale Produktion bei Jumo
Dr. Lothar Seybold, CEO bei Rafi
Eugen Raisch, Teamleiter Operational Excellence & Digitalisierung bei Keba
Jumo: "Die Mensch-Maschine-Interaktion ist eine zwingende Notwendigkeit für die Realisierung von Smart Factories“
Als Bereichsleiter der globalen Produktion bei Jumo steht René Auth in der ersten Reihe, wenn es darum geht, Entscheidungen über den Technologie-einsatz der umfangreichen Produktions-linien zu treffen. Grund genug, ihm im Kurzinterview ein paar kleine Details zu entlocken.
Nutzen Sie in der Produktion Ihres Unternehmens bereits Roboter?
Auth: Bei Jumo gibt es bereits zahlreiche Roboter. Eingesetzt werde diese vor allem in der Sensorfertigung, zum Beispiel bei der Selektion von Sensorelementen, der Herstellung von Glaselektroden für Sensoren zur Flüssigkeitsanalyse oder der Produktion von Temperaturfühlern. Darüber hinaus sind bei uns Roboter in der Entwicklungsabteilung, in Laboren und in vielen anderen Bereichen zu finden.
Wie interessant ist für Sie das Modell des Roboter-Leasings?
Auth: Bei allen Robotern, die bei Jumo zum Einsatz kommen, handelt es sich um hochspezialisierte, individuelle Einzelanfertigungen, die meist in komplexen Sondermaschinen sowie verketteten Anlagen integriert sind. Leasing ist deshalb für uns derzeit keine Option.
Denken Sie für Ihr Unternehmen über den Einsatz von Cobots nach?
Auth: Einen ersten „Cobot“ gab es bei Jumo im Prüflabor der Entwicklungsabteilung. Dieser wird zur Typ-Prüfung von Temperaturfühlern verwendet. Unter anderem dient er zur Erfassung und Optimierung des Wärmeableitfehlers. Dieser Roboter wird hinsichtlich Kraft und Weg permanent sicher überwacht und kann individuell an seine Aufgaben und Umgebung angepasst werden. In der Robotersteuerung können darüber hinaus virtuelle Wände erstellt werden, die der Roboter nicht verlassen kann. Mittlerweile werden auch in weiteren Projekten Cobots eingesetzt. Das ist auch der richtige Weg, denn die Mensch-Maschine-Interaktion ist eine zwingende Notwendigkeit für die Realisierung von „Smart Factories“.
Rafi: "Innerhalb unserer Automatisierungs- und Produktivitätssteigerungs-Strategie nimmt Robotik eine wichtige Stellung ein"
Seit über zehn Jahren in leitenden Funktionen bei Rafi und seit Beginn 2019 als CEO und technischer Geschäftsführer verantwortlich, ist Dr. Lothar Seybold mit allen Details seiner Produktionslinien vertraut. Für uns der ideale Gesprächs-partner, wenn es um die technische Philosophie der Produktion geht.
Nutzen Sie in der Produktion Ihres Unternehmens bereits Roboter?
Seybold: Wir nutzen bereits in vielen verschiedenen Anwendungen Roboter. Innerhalb unserer Automatisierungs- und Produktivitätssteigerungs-Strategie nimmt Robotik eine wichtige Stellung ein. Im Wesentlichen setzen wir Industrie-Roboter unseres Kunden Kuka ein, wobei wir sehr stolz darauf sind, dass wir für diese führenden Produkte das User-Interface „Smart-Pad“ entwickeln und produzieren dürfen. Die Applikationen reichen von montieren und sortieren bis prüfen und kalibrieren.
Wie interessant ist für Sie das Modell des Roboter-Leasings?
Seybold: Wir kaufen typischerweise unsere Betriebsmittel. Dazu zählen auch Roboter
Denken Sie für Ihr Unternehmen über den Einsatz von Cobots nach?
Seybold: Natürlich denken wir auch über den Einsatz von Cobots nach und sind dort in verschiedenen Erprobungsszenarien. Allerdings sind nach aktuellem Stand der Erkenntnisse oft die Taktzeit und damit die Ausbringung / Leistung für unsere Anwendungen viel zu gering.
Keba: "Cobots bei uns schon seit 2017"
Betrachtet man die Vita Eugen Raischs, die unter anderem aus dem Studium des Wirtschaftsingenieurwesen, der Elektrotechnik und zudem Intralogistik sowie der beruflichen Expertise im Qualitätsmanagement und der Digitalisierung bei Keba besteht, ist er selbstverständlich unsere erste Adresse, um über den aktuellen Robotereinsatz in der Produktion zu sprechen.
Nutzen Sie in der Produktion Ihres Unternehmens bereits Roboter?
Raisch: Bei Keba Germany nutzen wir bereits seit einigen Jahren klassische 6-Achs-Knickarm-Roboter und Portalroboter. Die Anwendungsfälle liegen im automatisierten Handling unserer Geräteprüfung, der Maschinenbeschickung sowie in der Montage.
Wie interessant ist für Sie das Modell des Roboter-Leasings?
Raisch: Das Roboter-Leasing bietet eine gute Möglichkeit Roboter im Unternehmen einzuführen. Insbesondere in einem sich wandelnden Umfeld kann das Roboter-Leasing sehr attraktiv sein, um eine Anwendung schnell umzusetzen und über einen kurzen Zeitraum von nur einem Jahr zu nutzen. Gerade im stark schwankenden Projektgeschäft bietet diese Flexibilität Vorteile. Wir nehmen daher das Modell des Roboter-Leasings mit Interesse wahr, nutzen es aber noch nicht.
Denken Sie für Ihr Unternehmen über den Einsatz von Cobots nach?
Raisch: Wir nutzen seit Ende 2017 einen Cobot in Koexistenz ohne Schutzzaun. Unsere Erfahrungen sind sehr positiv, auch wenn wir keinen wirklich kollaborativen Anwendungsfall mit Mensch und Cobot haben. Dafür sind Cobots natürlich sehr flexibel und benötigen bei richtiger Nutzung keinen starren Zaun. Änderungen im Layout sind sehr schnell möglich, was für uns einen großen Vorteil darstellt.
















