Festo

Günter Herkommer,

Elektrik ergänzt die Pneumatik

Nach dem besten Jahr der Firmengeschichte in 2011 ist Festo zuversichtlich, auch in diesem Jahr weiter wachsen zu können. Neben dem Stammgeschäft der Pneumatik wollen die Esslinger speziell die elektrische Antriebstechnik forcieren.

© Festo

Konkret hat die Festo Gruppe im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von 2.1 Mrd. Euro erzielt – 18 % mehr als im Vorjahr (1,8 Mrd. Euro). „In Summe sind wir seit 2009 um sechzig Prozent gewachsen. Unsere Auftragsbücher sind voll und so rechnen wir im laufenden Geschäftsjahr mit einem Wachstum zwischen 6 und 7 Prozent“, prognostiziert Festo-Chef Dr. Eberhard Veit. Neben der Forcierung des Asien-Geschäftes steht aktuell der  Ausbau der deutschen Standorte auf der Roadmap. Veit hierzu: „Unsere Unternehmensstrategie sieht den massiven Ausbau von Zukunftsfeldern, wie System- und kundenspezifischen Lösungen, elektrische Antrieben und Prozessautomation vor.“

In diesem Zuge soll die Firmenzentrale in Esslingen mit ihren technologischen Kompetenzfeldern in den nächsten Jahren zum Hochtechnologiestandort für Forschung und Entwicklung und die Zentralfunktionen für die gesamte Festo-Gruppe ausgebaut werden. Die Fertigung, Montage und Logistik am Stammsitz in Esslingen wird an den nahegelegenen Standort Scharnhausen verlegt. Dort entsteht ein neuer Gebäudekomplex mit neuer Technikzentrale, neuem Hochregallager und hochmodernen Produktionsflächen.

Darüber hinaus ist geplant, die deutschen Global Production Centres (GPC) in den nächsten Jahren hochautomatisiert zu modernsten Technologiefabriken auszubauen. Im GPC Rohrbach etwa, dem Leitwerk für die Zylinderfertigung, entsteht demnächst ein Erweiterungsbau, um neben pneumatischen Antrieben für die wachsenden Bereiche der elektrischen Antriebe – sie tragen heute bereits mit rund 5 % zum Gesamtumsatz bei - sowie Prozessautomatisierung zu produzieren. Die Erweiterung der Produktionsfläche um 6.000 m² soll hier bis zum Jahre 2015 eine Mengensteigerung von rund 30 % ermöglichen. „Mit all diesen Investitionen schaffen wir die Voraussetzungen für eine kooperative Technologie- und Produktentwicklung, modernste Fertigung und optimierte Prozesse, was nochmals die Effizienz steigern und die Produkteinführungszeit verkürzen wird“, so Veit.

Und was speziell die Entwicklungsperspektiven für elektrische Antriebe betrifft, setzt Festo mit Nachdruck auf das Thema Einfachheit. Fredrik Stal, Leiter des Produktmanagements hierzu: „Elektrische Antriebe sollen einfach zu dimensionieren, einfach zu bestellen und einfach zu montieren sein.“ Für die vereinfachte Dimensionierung wird es daher von Festo eine Reihe von vordefinierten und getesteten Kombinationen mit allen notwendigen Daten im Katalog geben. Für die vereinfachte Bestellung bekommt eine komplette Antriebslösung – bestehend aus Mechanik, Motor und Motorcontroller – nur noch eine einzige Teilenummer. Und für die vereinfachte Montage werden Motor und Mechanik als Einheit daherkommen.

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Web-Technologien und Safety auf der Roadmap

Was die Technik an sich betrifft, soll insbesondere die Webbrowser-Technologie künftig die Steuerungstechnik und Handhabung vereinfachen. So erfolgt beispielsweise die Inbetriebnahme der Geräte über die Webkonfiguration per Parameter-Cloud. Die Diagnosefunktion steht ebenfalls per Standard-Webbrowser zur Verfügung und soll damit eine vereinfachte Instandhaltung ermöglichen. Last but not least folgt die Steuerung den einfachen Prinzipien der pneumatischen Ventiltechnik.

Neben den Web-Technologien hat auch das Thema Safety einen hohen Stellenwert in der künftigen Produktstrategie. „Auch wenn das Thema Maschinensicherheit nicht mehr neu ist - es wird den Maschinen- und Anlagenbau auch in Zukunft weiter beherrschen“, ist Stal überzeugt. Das liege daran, dass der Markt von großen Unsicherheiten geprägt ist und das komplexe Thema von vielen Anwendern nicht ohne Unterstützung ihrer Systempartner umsetzbar ist. Oft begnügten sich Anwender daher heute mit einem nachträglich umgesetzten Sicherheitskonzept beziehungsweise nehmen ein beliebiges Sicherheitsschaltgerät und verdrahteten die STO-Funktion. Zusätzlich tauschten sie den Servomotor gegen einen mit Bremse aus. Stal hierzu: „Viele Maschinenhersteller denken, dass diese ausreicht. Aber damit sind nicht alle möglichen Fehler berücksichtigt, denn ein Montagefehler der Kupplung oder ein Zahnriemenriss der Umlenkeinheit könnte die Bremse wirkungslos werden lassen. Als Folge dieser Fehler stürzt der Schlitten mit der Last ab und verursacht schwere Verletzungen. Auch könnte nach einem Crash ein unentdeckter Lagerschaden die Dehnung des Zahnriemens oder ein Schaden an der Kugelumlaufführung die Achse um mehrere Millimeter absacken lassen. Die Folge: Der Schlitten kann Quetschungen verursachen.“

Safety erfordert ganzheitlichen Ansatz

Stal rät daher zum Umstieg auf einen ganzheitlichen Ansatz, der auch die Achsmechaniken überwacht und eine sicherheitsgerichtete Klemmung beziehungsweise Bremsung ermöglicht. Eine entsprechende Lösung befindet sich bei Festo derzeit in der Endphase der Entwicklung und soll bis Ende des Jahres verfügbar sein. Ein Bestandteil davon ist die sicherheitsgerichtete elektrische Achse EGC von mit einem zweikanaligen Messsystem und Festelleinheiten. Die Mechanik kann hier durch einen Motorencoder (erster Kanal) und ein lineares Messsystem (zweiter Kanal) überwacht werden (EGC-M). Die ein- oder zweikanaligen Feststelleinheiten EGC-HPN zum Halten einer Position, Absturzsicherung und mit Not-Brems-Eigenschaften ermöglichen Sicherheitsmaßnahmen beispielsweise bei Vertikalachsen.

Diese antriebsbezogenen Sicherheitsfunktionen können von dem zertifizierten Sicherheitssystem CMGA für Motorcontroller überwacht werden. Die üblichen Sicherheitsbefehlgeräte wie Not-Halt-Schalter, Schutztürschalter, Lichtvorhänge und Laserscanner sind daran anschließbar. Sobald diese eine Sicherheitsanforderung auslösen, wird über das Sicherheitssystem CMGA ein sicherheitsgerichteter Halt wie SS1 oder SS2 ausgelöst oder im Einrichtbetrieb auf sicher reduzierte Geschwindigkeit überwacht. Zur einfachen Verwendung gibt es für viele Maschinen vorvalidierte Anwendungsprogramme, die die Komplexität eines programmierbaren Sicherheitssystems auf die Einfachheit eines Sicherheitsrelais reduzieren.

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