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Artikel und Hintergründe zum Thema

Marktstudie

Georg Stieler | Günter Herkommer,

Die Robotik in China

Die International Federation of Robotics (IFR) geht davon aus, dass China bereits in zwei Jahren für 40 % des Robotik-Welt­marktes verantwortlich sein wird. Was sind die Treiber hierfür? – Ein Vor-Ort-Trendbericht.

© Stieler

Bereits seit 2013 ist China der größte Robotermarkt der Welt. Trotz des bereits hohen Niveaus stieg der Absatz im vergangenen Jahr wieder um etwa 30 %. Und auch über 2017 hinaus wird das Wachstumsmoment aller Voraussicht nach anhalten. Weiterhin steigende Arbeitskosten, ein immer noch niedriges Automatisierungsniveau sowie die zunehmenden Fähigkeiten intelligenter und kollaborativer Robotiklösungen machen das möglich; nicht zu vergessen: die ehrgeizigen Ziele der chinesischen Regierung für diesen Bereich.

Gleichzeitig ist der Markt sehr undurchsichtig. Nach Aussage des chinesischen Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) ist die Anzahl der Firmen im Roboterbereich seit 2012 von knapp 300 auf über 3400 gestiegen. Viele davon sind jedoch kleine Unternehmen mit geringen Zukunftschancen. Allerdings treten immer wieder neue, leistungsfähige Spieler aus dem klassischen Maschinenbau oder aus dem Bereich Internet in das Geschäft ein.

Nach eigener Vor-Ort-Recherche der Stieler Technologie- und Marketing-Beratung gibt es in China aktuell etwa 80 Unternehmen, die Roboter produzieren. Lediglich 27 davon weisen allerdings die notwendige Größe auf, um mittel- bis langfristig Roboter zu wettbewerbsfähigen Preisen herzustellen, beziehungsweise verfügen über eigene, tiefgehende technologische Kompetenzen. Darüber hinaus erachten wir zwölf weitere Unternehmen als marktrelevant, die nicht in China produzieren.

Noch sind ausländische Hersteller für etwa 70 % des Roboterabsatzes in China verantwortlich. Allerdings: Einheimische Roboterhersteller holen auf – wenn auch von einer geringen Ausgangsbasis. So legte der Absatz der führenden sieben einheimischen Roboterhersteller im vergangenen Jahr durchschnittlich um 36,7 % zu. Zum Vergleich: Bei den sieben führenden ausländischen Herstellern in China waren es 26,6 %. Was man dabei allerdings nicht außer Acht lassen darf: Das starke Wachstum einheimischer Hersteller war insbesondere getrieben von umfangreichen Subventionen.

Beim Großteil der chinesischen Roboter handelt es sich um einfache Handhabungsgeräte, wobei der Anteil sechsachsiger Roboter an ihrem Absatz in den vergangenen drei Jahren stetig gewachsen ist. Einheimische Hersteller konkurrieren zumeist in margenschwachen Anwendungen wie Be- und Entladen sowie zunehmend in einfachen Schweißanwendungen. Ausländische Hersteller hingegen punkten primär mit ihren Konzepten für eine intelligente und flexible Fertigung sowie mit dem Argument einfache und sichere Bedienbarkeit. Allerdings bezahlen auch sie ihre Rekordabsätze zunehmend mit extrem niedrigen Margen.
 

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Das Ziel: 45 % Marktanteil bis 2025

Chinesische und internationale Roboterhersteller sind zuversichtlich, dass die ehrgeizigen Ziele des 13. Fünfjahresplans für die Roboterindustrie erreicht werden.

© Stieler / MIIT, NRDC, STM Interviews & Analysen

Geht es nach der chinesischen Regierung, so sollen einheimische Roboterhersteller bis 2025 einen Marktanteil von 45 % auf sich vereinen. Ambitioniert, allerdings kann in acht Jahren auch einiges geschehen: Während dieser Zeit bauen inländische Hersteller weiteres Know-how auf – beispielsweise indem chinesische Mitarbeiter, die bei internationalen Konkurrenten angestellt sind, diese verlassen oder auch durch weitere internationale Übernahmen. Die anvisierten 45 % sind daher ein realistisches Ziel, das sogar noch übertroffen werden könnte.

Stand heute werden über 80 % der Roboter auf dem chinesischen Markt über Systemintegratoren verkauft. Die Anzahl der Unternehmen in diesem Bereich liegt schätzungsweise im niedrigen vierstelligen Bereich. Während es sich bei den meisten um kleine und sehr spezialisierte Firmen han-delt, existieren auch andere mit meh­reren tausend Angestellten. Einige von ihnen, wie beispielsweise Dalian Auto oder Guang­zhou Mino, haben bereits Niederlassungen in Europa und Nordamerika gegründet, um näher an ihren Lieferanten zu sein beziehungsweise ihre internationalen Kunden – darunter auch deutsche Automobilkonzerne – in Übersee bedienen zu können.
 

Woran es den Roboter-Herstellern (noch) mangelt

Der chinesischen Roboterindustrie mangelt es immer noch an leistungs­fähigen Schlüsselkomponenten wie Steuerungen, Servomotoren und Getrieben. Entsprechend werden derzeit durchschnittlich etwa 70 % der Produktionskosten einheimischer Roboter an ausländische Lieferanten durch­gereicht. Aufgrund ihrer vergleichsweise niedrigen geringen Stückzahlen haben einheimische Roboterhersteller zudem deutlich höhere Einkaufspreise als ihre internationalen Wettbewerber.

Nach Plänen des National Manufacturing Strategy Advisory Committee soll sich das durch den Aufbau starker einheimischer Zulieferer in absehbarer Zeit ändern. Mit anderen Worten: Die Fähigkeit, eigene Steuerungen, Servosysteme und Präzisionsgetriebe für Roboter herzustellen, ist ein Teil von Pekings Strategie ‚Made in China 2025‘. Und wenn chinesische Unternehmen es nicht selbst schaffen können, kaufen sie zu – siehe Midea: Nachdem der Hersteller von Haushaltsgeräten mit dem Kauf des deutschen Roboterherstellers Kuka im vergangenen Jahr für eine der spektakulärsten Übernahmen aus China sorgte, übernahm das Unternehmen im Februar 2017 die Mehrheit am israelischen Spezialisten für Motion Control, der Firma Servotronix.

Im Mai 2017 kündigte Midea ebenfalls an, in Kooperation mit dem japanischen Roboterhersteller Yaskawa in das Geschäft für Roboter zur Alten- und Krankenpflege einzusteigen. Dabei profitiert die chinesische Seite vom Know-how der Japaner, die im Gegenzug von Mideas Marktzugang profitieren. Auch verschwimmen hier die Grenzen zwischen Industrie- und Servicerobotern deutlich – ein Phänomen, das insbesondere in Asien zukünftig wohl häufiger zu beobachten sein wird.

Mittlerweile gibt es zwar strengere Kapitalkontrollen von der chinesischen Seite, was sicherlich Auswirkungen auf die Outbound-M&A-Aktivitäten im laufenden Jahr haben wird; dennoch ist damit zu rechnen, dass strategische Deals, die mit den Zielen von Peking übereinstimmen, weiterhin genehmigt werden.
 

Stärkstes Wachstum bei kollaborativen Robotern und AGVs

Das stärkste Wachstum im chinesischen Markt für Robotik wird im Segment preisgünstiger kollaborativer Roboter erwartet. Beginnend auf einem niedrigen Niveau könnten hier je nach Marktverfügbarkeit in der absehbaren Zukunft Zuwachsraten von über 50 % pro Jahr erreicht werden. Neben Prototypen von etablierten Roboterherstellern wie Siasun sehen wir hier vielversprechende Initiativen etwa von Aubo, Han‘s Motor oder auch Elephant – um nur einige zu nennen. 

Insbesondere die Erwartungen hinsichtlich kollaborativer Roboter und AGVs sind in China hoch.

© Stieler

Die meisten der in diesem Umfeld entstehenden Produkte sind einfache sechsachsige Cobots. Sie bewegen sich in einer Preisspanne zwischen 10.000 und 15.000 US-Dollar. Sie erfüllen die strengen europäischen oder nordamerikanischen Sicherheitsnormen nicht komplett, was in China allerdings akzeptiert wird. Sobald diese auf dem Markt verfügbar sind, wird dies zu einer stärkeren Verbreitung der sogenannten Cobots führen und Druck auf Unternehmen wie Universal Robots oder Rethink Robotics ausüben.

Noch sind große Fertigungsbetriebe wie Foxconn zögerlich, wenn es darum geht, kollaborative Roboter in großem Maßstab einzusetzen. Die meisten der sogenannten Foxbots sind in der Tat Handhabungssysteme mit zwei bis drei Achsen. Für Produkte mit kurzen Lebenszyklen, wie dem iPhone, ist es derzeit schlichtweg einfacher und kostengünstiger, menschliche Arbeiter auszubilden, als die Produktion komplett zu automatisieren. Mit der Verfügbarkeit von preiswerteren kollaborativen Robotern wird sich das in den nächsten Jahren allerdings ändern. Ähnliches könnte etwa für den Bereich der Batterieproduktion gelten, zumal die chinesische Regierung bestrebt ist, sich als Leitmarkt für E-Mobilität zu positionieren.

Starkes Wachstum wird zudem im Bereich Automated Guided Vehicles (AGVs) erwartet, der mit einem Umsatzanteil von rund 80 % bereits von inländischen Unternehmen dominiert wird. Dies erklärt sich unter anderem damit, dass China immer noch 10 % mehr seines BIP für Logistik verwendet als entwickelte Länder wie Deutschland oder die USA. Die Modernisierung der klassischen Fertigungssektoren wie ­Automotive, 3C und Tabak erzeugt ­daher eine starke Nachfrage nach ­automatisierten Logistiklösungen. Zudem boomt der Internethandel. Neben den etablierten AGV-Herstellern treten daher die großen E-Commerce-Un­ternehmen in diesen Markt ein: Alibaba durch eine Investition in Geek+ im April und JD.com mit einer eigenen Robotik-Abteilung, die mit der Strategie von Amazon vergleichbar ist.
Auf den Punkt gebracht: Trotz eines noch weit verbreiteten Mangels an ­lokalem Know-how, der Unsicherheit über Quotenziele für seine in­ländischen Unternehmen oder obskurer neuer Cyber-Sicherheitsgesetze bietet China im weltweiten Robotermarkt derzeit das dynamischste ­Umfeld und hat gute Chancen, zu einem der globalen Leitmärkte für in­telligente Fertigungskonzepte aufzusteigen.

Studie zum Thema

Die Studie ‚Industrial Robots in China 2020’ der Stieler Technologie- und Marketing-Beratung richtet sich an internationale Lieferanten von Roboter- und Automationstechnologie. Sie beantwortet insbesondere die folgenden Fragen: Wer sind die relevanten Unternehmen im chinesischen Markt? Was sind ihre Stärken und Schwächen? Wie wird sich dieser Markt mit seinen Untersegmenten im Detail weiterentwickeln? Wer sind die richtigen Partner?

Die Studie besteht aus zwei separat erhältlichen Teilen:
1.    Marktanalyse Industrial Robots in China (120 Seiten)
2.    Systemintegratoren-Datenbank: Ausführliche Beschreibung der 300 wichtigsten Robotik-Systemintegratoren in China.

Weitere Informationen zum Inhalt und den Bezugskonditionen per Email an [email protected]

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