Nachgehakt bei Rahman Jamal
Das Robotik-Geschäft
National Instruments macht derzeit mit robotikbezogenen Meldungen auf sich aufmerksam: „NI und Denso ermöglichen neue Anwendungen in der industriellen Robotik“ oder „NI ermöglicht jetzt mit Labview Robotics das Design von Roboter-Steuerungen.“ – Wie das Robotik-Geschäft bei dem Messtechnik- Spezialisten genau aussehen soll, erläutert Rahman Jamal, Technischer Direktor NI Deutschland.
Herr Jamal, wie kommt es zu der großen Robotik-Affinität, die Ihr Haus derzeit nach außen vermittelt?
Jamal: Mag sein, dass durch Meldungen, die wir kürzlich veröffentlicht haben, der Eindruck entsteht, wir würden jetzt besonders aktiv werden in puncto Robotik. Fakt hingegen ist, dass wir auf diesem Gebiet seit geraumer Zeit sehr rege sind. Denn die Robotik wird sich entwickeln wie die Computertechnik vor 30 Jahren.
Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Robotik-Aktivitäten?
Jamal: Für ein industrieorientiertes Unternehmen hört sich das jetzt vielleicht etwas sonderbar an. Aber wir sehen bis dato unseren Schwerpunkt in der Bildung und Didaktik. In diesem Umfeld sind insbesondere RoboLab beziehungsweise das daraus später entstandene kommerzielle Produkt Lego Mindstorms NXT sehr bekannt, bei denen Labview als Programmierwerkzeug zum Einsatz kommt.
Mit Lego Mindstorms NXT entwickeln seit Jahren tausende Jugendliche schon relativ anspruchsvolle Roboter-Designs. Lego WeDo, das ebenfalls auf der grafischen Programmierumgebung NI Labview basiert, ist das jüngste Beispiel. Sie sehen, Labview Robotics - mit dem sich jetzt anspruchsvolle Roboter-Steuerungssysteme designen lassen - ist eine natürliche Fortsetzung unseres Engagements im Robotik-Bereich, das sich nicht nur auf die Forschung und Lehre beschränkt.
Mit der Denso-Kooperation haben Sie aber doch handfeste Industrie-Applikationen im Sinn. Wollen Sie jetzt in das Geschäftsmodell der Platzhirsche wie Kuka, Reis und Fanuc eindringen?
Jamal: Sicher werden wir in das Industrie-Geschäft früher oder später eindringen. Dabei geht es uns aber nicht darum, den angestammten Herstellern Konkurrenz zu machen, sondern sie vielmehr zu unterstützen - vor allem im Design und beim Test. Denn wir sehen, dass hochmoderne Robotik-Unternehmen zu viele Ressourcen darauf verschwenden, Details zu Sensorkommunikation, Motorantrieb und Leistung immer wieder neu zu erfinden, anstatt sich auf Themen der höherer Ebene, wie Wahrnehmung, Planung und Steuerung, zu konzentrieren.
Wir sind der Überzeugung, dass es Zeit ist für eine Standard-Entwicklungsplattform, die den Entwurf von autonomen Roboter-Steuerungssystemen erlaubt. Inklusive umfangreicher Robotik-Bibliothek mit Anbindungsmöglichkeiten an Standard-Robotik-Sensoren und -aktoren, grundlegenden Algorithmen für den intelligenten Betrieb sowie Wahrnehmungs- und Motorsteuerfunktionen für Roboter und autonome Fahrzeuge. - Genau das versuchen wir mit Labview Robotics 2009 am Markt zu adressieren.
Was waren die ursprünglichen Beweggründe für Ihre Aktivitäten im Robotik-Bereich?
Jamal: Ganz ehrlich! - Wir wollten dem trockenen Technikstudium wieder etwas ‘Pep‘ verleihen.
Was gibt Ihnen die Zuversicht, den Robotik-Markt auf diesem Wege erobern zu können?
Jamal: Wir sind doch schon längst drin. Hierzu eine kleine Anekdote. Als ich im Dezember 2009 in Paderborn in der Jury der First Lego League saß, an der sich 5000 Schüler und Schülerinnen aus sieben Ländern beteiligten, kam ein Mitarbeiter eines Steuerungsanbieters und im weitesten Sinne auch Mitbewerbers von National Instruments auf mich zu und fragte, aus welchem Grund ich einer der Juroren dort sei.
Als ich erklärte, dass die Lego-Roboter mit Labview programmiert werden, stellte sich heraus, dass sein Sohn längst schon diese Roboter programmiert und somit NI-Software benutzt. - Das war dem Papa gar nicht bewusst! Und was glauben Sie, wer die Roboter in der Industrie in fünf bis zehn Jahren programmieren wird? Eben genau die Jugendlichen von heute!
Herr Jamal, welche sind aus Ihrer Sicht denn die heikelsten Momente, die Ihr Roboter-Geschäft betreffen?
Jamal: Das ist immer dann, wenn an Weihnachten Tausende von Jugendlichen und Erwachsenen das Mindstorms-Paket auspacken! Das ist für mich eine „Mission-critical"-Anwendung. Sie können sich vorstellen, dass es ein Super-GAU wäre, wenn da etwas nicht sofort funktionieren würde.
Zur Person: Rahman Jamal










