Nachgehakt bei Rahman Jamal
Agilent Technologies im Vorstand der PXI-Alliance: Das Ende der boxbasierten Prüfracks?
Nach fast vier Jahren Mitgliedschaft in der PXI Systems Alliance engagiert sich Agilent Technologies seit Oktober 2010 auch im Vorstand. „Damit ist das Ende der Rack&Stack-Philosophie eingeläutet“, meint Rahman Jamal von der Firma National Instruments.
Herr Jamal, wie bewerten Sie die Bereitschaft von Agilent, die PXI-Spezifikation jetzt auch als Sponsor und Vorstandsmitglied zu unterstützen?
Jamal: Durch die Mitgliedschaft im Vorstand ist jetzt der erste wirkliche Schritt gemacht. Allerdings kann ich die Vergangenheit nicht ohne weiteres ignorieren. Jahrzehntelang hat Agilent vehement die Box-Philosophie verfolgt – den Aufbau von Mess- und Prüfplätzen mit Standalone-Geräten. Parallel dazu unterstützt Agilent die modulare PXI-Plattform auf Basis von standardisierten Modulen – eine komplett entgegengesetzte Philosophie. Die Ernsthaftigkeit und vor allem die Glaubwürdigkeit dieses Bekenntnisses muss Agilent den Kunden gegenüber erst einmal nachweisen.
Welche Signalwirkung hat das für den Messtechnik-Markt?
Jamal: Das nun erwachte Engagement eines Messtechnik-Schwergewichts wie Agilent für PXI hat viele klassische Messgeräte-Hersteller aufgeschreckt. Ich sehe in diesem Schritt die
NI-Vision einer softwaregestützten Messtechnik nach 14 Jahren endlich bestätigt. Damit wird der Weg für die offene modulare PXI-Plattform weiter geebnet. Man kann es fast schon als eine Revolution bezeichnen oder mit dem oft überstrapazierten Begriff „Paradigmenwechsel“ umschreiben.
Wie aktiv war der Messtechnik-Gigant denn bisher in der Allianz?
Jamal: Mitglied in der PXI Systems Alliance zu sein ist das eine, als Sponsor und Vorstandsmitglied zu agieren das andere. Voraussetzung für eine Mitgliedschaft auf dieser Ebene ist es, aktiv die PXI-Architektur zu unterstützen. Dies ist bei Agilent erst seit September 2010 der Fall.
Hat Agilent bis dato überhaupt eigene PXI-Produkte entwickelt und vorgestellt oder waren das bislang Brandlabels?
Jamal: Das ist ein wunder Punkt und ich möchte ungern Gerüchte streuen, zumal Agilent ein Board-Mitglied ist.
Sie betonen die softwaregestützte Messtechnik. Was meinen Sie konkret damit?
Jamal: Software bedeutet für viele Messgeräte-Hersteller nur ein Stückchen Treiber, das sie ihrem Gerät mitgeben. Bei der PXI-Plattform dagegen hat die Software eine Schlüsselrolle, vergleichbar mit den Apps bei einem Smartphone. Messgeräte auf den PXI-Formfaktor zu portieren und dieses Modul mit einem Treiber auszustatten, ist daher noch längst keine Plattform-Unterstützung – das ist lediglich die Minimal-Anforderung. Die Stärke der PXI-Plattform zeigt sich im Verbund der Komponenten, bei der die Software die Gesamtfunktionalität der Plattform festlegt – erst recht, wenn rekonfigurierbare Architekturen wie FPGAs im Spiel sind. Deswegen sind auch Entwicklungstools, transparente, vom Anwender programmierbare FPGA-Bausteine, Timing- und Synchronisierungsfähigkeiten
sowie eine umfassende Konfiguration der Funktionen für den Erfolg von herstellerübergreifenden Plattformen wie PXI entscheidend.
In der Embedded-Welt sind Multicore-Prozessoren und Virtualisierung die vorherrschenden Themen. Welche Weiterentwicklungen stehen bei PXI an?
Jamal: Bei den PXI-Controllern sind wir mittlerweile bei Quad-Core-Prozessoren i7-820QM angekommen. Des Weiteren gibt es vier FlexRIO-Adaptermodule, die speziell entwickelt wurden, um die FPGA-Technologie einfacher in automatisierte Mess- und Prüfsysteme zu implementieren. FlexRIO ist unsere Weiterentwicklung von PXI und verbindet zwei Hardwarekomponenten: Ein PXI- oder PXI-Express-basiertes FPGA-Modul mit einem aufsteckbaren I/O-Adaptermodul. In die Module können die Alliance-Mitglieder wie bisher ihr spezifisches messtechnisches Know-how implementieren. Die Funktionalität können Anwender anschließend über verschiedene IP-Cores für den FPGA individuell konfigurieren oder selbst entwickeln.










