nachgehakt! – bei Bart Nieuwborg, Rockwell
Margo – Orchestrierung am Edge
Im April 2024 startete die Linux Foundation die „Margo“-Initiative mit dem Ziel, Mechanismen zur interoperablen Orchestrierung von Edge-Anwendungen im großen Maßstab zu definieren und umzusetzen. Bart Nieuwborg, Senior Program Manager, Open Architecture Management and Chair of Margo at Rockwell Automation, zum Status quo.
Welche konkreten Meilensteine, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der ersten Margo-Version, die Referenzimplementierung und ein Minimum Viable Product (MVP), wurden bereits erreicht?
Stand April 2025 hat Margo bedeutende Fortschritte gemacht und eine solide Grundlage für die erste Version der geplanten Ergebnisse geschaffen. Die Community hat sich auf das zugrunde liegende Systemdesign geeinigt und den Vorentwurf der Spezifikation für diese erste Version veröffentlicht. Beides ist öffentlich auf GitHub und unter www.margo.org zugänglich.
Durch Prototyping und regelmäßige Treffen zwischen den Experten konnten die Konzepte weiterentwickelt und gefestigt werden.
Wie weit ist die Entwicklung des Compliance-Test-Toolkits fortgeschritten und welche Herausforderungen gab es dabei?
Das Toolkit zur Konformitätsprüfung ist eine natürliche Weiterentwicklung der Referenzimplementierung und soll verfügbar sein, sobald Version 1.0 allgemein freigegeben wird (GA 1.0). Die Entwicklung dieses Toolkits hat jedoch noch nicht begonnen. Der Fokus im Jahr 2025 liegt auf der Weiterentwicklung der Referenzimplementierung in mehreren Iterationen – abgestimmt auf die erste Spezifikationsversion.
Wie integriert Margo moderne Sicherheitskonzepte, um Cybersicherheit und Datenintegrität zu gewährleisten?
Obwohl der Kernauftrag von Margo die Interoperabilität ist, sind Cybersicherheit und Datenintegrität zentrale Prinzipien für die Community. Der offene Standard und der Open-Source-Ansatz wurden bewusst gewählt, um allen Interessierten die Möglichkeit zu geben, Sicherheitspraktiken einzubringen. Schon im ersten Jahr hatte dies positive Auswirkungen: Sicherheitsexperten traten der Community bei und gaben wichtige Impulse für das Systemdesign. Eine eigene Sicherheitsarbeitsgruppe widmet sich gezielt dem Thema sichere Architektur.
Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um Überschneidungen mit anderen Standards, App-Stores oder Konsortien zu vermeiden und stattdessen komplementär zu wirken?
Drei Schlagworte: Offenheit, Fokus und Zusammenarbeit.
Die Margo-Community arbeitet transparent. Jeder kann mitverfolgen, mitwirken und verbessern. Gleichzeitig ist der Fokus klar definiert: Margo widmet sich nicht allen Interoperabilitätsproblemen, sondern gezielt der Orchestrierung am Edge im industriellen Umfeld – einem Bereich, der bisher noch nicht ausreichend adressiert war. Bisher gab es kaum Überschneidungen mit anderen Initiativen, stattdessen wurde Margo als sinnvolle Ergänzung wahrgenommen. Wo sinnvoll, wird mit verwandten Organisationen kooperiert und bestehende Open-Source-Lösungen werden eingebunden.
Wie stark ist das Margo-Projekt personell gewachsen und welchen Einfluss hat das auf die Entwicklung?
Seit dem Start im April 2024 hat sich die Margo-Community vervierfacht – ausgehend von sechs Gründungsmitgliedern. Heute zählt sie zehn Steuerungspartner und eine wachsende Gruppe aktiver Mitglieder mit vielfältigem Hintergrund – von KMU bis Großunternehmen, aus IT und OT, mit Software-, Hardware- und Service-Erfahrung.
Diese Vielfalt hat Margo erheblich gestärkt: Die technische Kompetenz ist gewachsen, die breitere Repräsentanz des Ökosystems ebnet den Weg für eine breitere Akzeptanz und kommerzielle Verankerung.
Wie plant Margo den Übergang von der Entwicklungsphase zu einem breit akzeptierten Standard in der industriellen Automatisierung?
Zwei zentrale Bausteine sind die Referenzimplementierung und das Compliance-Test-Toolkit. Beide sollen Hürden für die Einführung senken und durch ihren Open-Source-Charakter die Verbreitung fördern.
Darüber hinaus will Margo aktiv Rückmeldungen aus der Praxis einholen – von Maschinenbauern, Fertigungsunternehmen und weiteren Stakeholdern, die in Zukunft eine Vielzahl von Edge-Geräten und -Anwendungen managen müssen. Quartalsweise bringt Margo Nutzer und Fachleute zusammen, um die weitere Entwicklung zu priorisieren und Pilotprojekte zu begleiten.
Wie sehen Sie die langfristige Rolle von Margo im Kontext von Digitalisierung und Industrie 4.0, und welche strategischen Ziele verfolgt das Projekt?
Die Digitalisierung in der Industrie schreitet bereits voran – und sie wird sich weiter beschleunigen, während sich Unternehmen in Richtung softwaredefinierter, autonomer Anlagen entwickeln.
Gleichzeitig wächst die Herausforderung, die Vielzahl installierter Softwarelösungen und Edge-Geräte zu managen. Margo will genau hier ansetzen: Durch standardisierte, interoperable Orchestrierung wird diese Komplexität beherrschbar – und Innovationsbarrieren werden abgebaut.
Margo ermöglicht Wahlfreiheit im Mehranbieter-Ökosystem und gibt Unternehmen gleichzeitig die Werkzeuge in die Hand, um ihre Systeme skalierbar und automatisiert zu steuern – ein zentraler Schritt hin zu autonomen, agilen Produktionssystemen.












