Nachgehakt bei Stephen Endersby

Stefan Kuppinger,

Die Kooperation lebt

Vor rund fünf Jahren schlossen Rockwell Automation und 3 DS Solidworks (Dassault Systèmes) eine Kooperation zur Schaffung einer virtuellen Design- und Produktionsumgebung – fast zeitgleich mit der Übernahme des PLM- und CAD-Anbieters UGS durch Siemens. Zeit für eine Bilanz.

„Die Abbildung einer kompletten Fertigung in der digitalen Welt rechnet sich nicht für jeden.“

© 3 DS Solidworks

Herr Endersby, ihre 2007 mit Rockwell geschlossene Koopera-tion wurde damals von vielen als Panik-Reaktion auf den UGS-Deal gesehen. Danach wurde es ruhig um ihre Allianz.

Ich würde das nicht als Panik-Reaktion bezeichnen. Uns ist damals vielmehr klar geworden, dass Rockwell Automa-tion und Solidworks viele gemeinsame Kunden haben und unsere Lösungen in der Entwicklungsphase eine symbiotische Beziehung eingehen. Erste Untersuchungen zeigten, dass wir mit nur wenig Aufwand eine Mechatronik-Design-Lösung anbieten können.

Wie ist denn der Status der Zusammenarbeit?

Die Beziehung zwischen Rockwell und 3DS Solidworks hat sich über die Jahre entwickelt. Gegenwärtig agieren wir über ein Steuerungsgremium aus neun Personen und einem Development-Support. Ziel des Steuerungsgremiums ist es, die Ergebnisse der Vertriebsorganisationen beider Unternehmen so zu verflechten, dass die lokalen Teams ohne unternehmerische Unterstützung ein Geschäftsfeld selbstständig betreiben können. Nach anfänglichen Schwierigkeiten verzeichnen wir inzwischen bemerkenswerte Erfolge. In einigen Regionen gibt es bereits autonome Kooperationen.

Was wurde bisher realisiert?

Auf Unternehmensebene arbeiten wir sehr erfolgreich zusammen. Auch die strategischen Verkaufsinitiativen wurden von den jeweiligen Unternehmen gut umgesetzt. Am globalen Vertrieb müssen wir aber noch arbeiten.

Welche Zielsetzung hat die weitere Zusammenarbeit?

Letztes Jahr haben wir auf einem gemeinsamen Forum über Maschinenentwicklung die Zielsetzung für künftige Produkte diskutiert. Ein unmittelbares Ergebnis des Gedankenaustausches war die Erarbeitung von Lösungen, die in der Entwicklungsphase enger integriert werden können. Die Teilnehmer machten deutlich, dass eine Maschinenentwicklung ein evolutionärer Prozess ist, kein revolutionärer. Daher bedarf es bei unternehmenskritischen Baugruppen flexibler Lösungen, die eine rasche Iteration von Entwürfen unterstützen.

Gibt es neben Rockwell noch andere Kooperationen mit Automatisierungsanbietern, um die Kopplung von Produktentwicklung und dem Engineering der Fertigungsanlagen voranzutreiben?

Die gibt es. Mit der Firma National Instruments arbeiten wir beispielsweise an Mechatronik-Lösungen.

Braucht es für die notwendige Verzahnung der Engineering-Plattformen nicht einen übergeordneten Standard, wie ihn der Verein Automation/ML vorantreibt?

Heutzutage ist ein Projekt mitunter über den gesamten Erdball und diverse Entwicklungsplattformen verteilt. Entsprechend offen sind wir, was die Kopplung und den Datenaustausch mit anderen Systemen betrifft. Ich behaupte, dass wir sogar das offenste Designumfeld bereitstellen. Um diesen Status beizubehalten, prüfen wir neue Standards, sobald sie uns zugänglich sind. Ebenso arbeiten wir mit globalen Normierungsgremien zusammen, um stets auf dem neuesten Entwicklungsstand zu bleiben.

Die Fahrzeughersteller werden gerne als die Protagonisten der digitalen Fabrik angeführt. Wie sind ihre Erfahrungen und wie präsent ist das Thema in anderen Branchen?

Unsere Kunden stellen in der Regel einzelne Maschinen her. Daher zielen unsere mechatronischen Design-Lösungen eher auf eine Analyse und Optimierung einzelner Fertigungszellen als auf komplette Fertigungsstraßen.

Jede Simulation verursacht einen gewissen Aufwand und erzielt einen Nutzen. Wäre stets ein hoher Ertrag bei geringem Einsatz gegeben, würde man in jedem Industriezweig eine Simulation der Fertigungsabläufe vornehmen – dies ist heute aber nicht der Fall. Unsere Kunden verlangen vielmehr nach individuellen als globalen Fertigungslösungen. Gleichzeitig erhalten wir von ihnen Informationen über das gesamte Design sowie über ihre Probleme bei der Herstellung. So können wir Lösungen schaffen, die auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten sind.

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Nachgehakt bei Rahman Jamal

Das Internet of Production

Dem Internet of Production (IoP) liegt die Idee zugrunde, ein neues Niveau der domänenübergreifenden Kollaboration zu ermöglichen. An der Umsetzung der Vision arbeitet das Exzellenzcluster IoP an der RWTH Aachen. Rahman Jamal, Mitglied des...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Nachgehakt bei Jonas Urlaub

Die Schnittstelle zum Motor

Vor eineinhalb Jahren haben sich die Geber-Hersteller Baumer, Hengstler und Kübler ­zusammengetan, um mit ‚SCS open link‘ eine offene Einkabel-Lösung zwischen Motor und Drive zu etablieren. Was ist daraus geworden? Jonas Urlaub von Kübler bezieht...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren