Leitfaden

Edna Lauer | Lukas Dehling,

Der Weg in die Cloud

Cloud Computing macht die IT-Infrastruktur schneller und dynamischer. Aber: Die Verwaltung von Cloud-Services bringt vielfältige neue ­Aufgaben mit sich. Ein Leitfaden hilft Industrieunternehmen, Komplexitätsfallen zu ­vermeiden und das Optimum aus der Cloud herauszuholen.

© Fotolia, graphit

Längst ist es keine Frage mehr, ob Unternehmen in die Cloud gehen. Vor wenigen Jahren war das vor allem wegen Sicherheitsbedenken noch unvorstellbar. Jetzt geht es nur noch darum, wann der Wechsel in die Cloud erfolgt und welche Cloud-Betriebsmodelle dafür in Erwägung gezogen werden. Ganz gleich, ob Public, Private oder Hybrid – die Cloud spielt für über 50 % der Unternehmen in Mitteleuropa eine wichtige oder sehr wichtige Rolle (Quelle: PAC CxO Survey). Cloud-Lösungen entlasten interne IT-Abteilungen, sind skalierbar und bringen höchste Flexibilität. 

Bedeutung der Cloud für die ­Fertigungsindustrie

Kern einer erfolgreichen Cloud-Strategie ist die flexible Vernetzung verschiedener einzelner Clouds zu einem Gesamtsystem.

© Freudenberg IT

Die deutsche Fertigungsindustrie ist heute geprägt von einem sehr hohen Automatisierungsgrad, der die Produktionseffizienz in den vergangenen Jahrzehnten massiv vorangetrieben hat. Lücken gibt es hingegen immer noch bei der Integration der Datenflüsse zwischen Produktion und ERP-Systemen sowie den fertigen Produkten im Einsatz. Das hat auch damit zu tun, dass vielerorts noch Altsysteme aktiv sind, die zuverlässig ihren Dienst tun, jedoch nicht über die notwendigen Schnittstellen verfügen oder proprietäre Datenformate verwenden, die sich schwer integrieren lassen. Diese Lücken im Daten- und Informationsfluss zu schließen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Digitalisierung – und Cloud Computing eine zentrale technische Grundlage dafür. Nur mit einer entsprechend flexiblen, dynamischen und skalierbaren IT-Infrastruktur lässt sich die Fertigung in angemessener Zeit ins digitale Zeitalter bringen. 

In der Cloud lassen sich Kapazitäten schnell und unbürokratisch ‚dazubuchen‘, wenn sie gebraucht werden. Vormals zähe Anforderungsprozesse werden durch einen einfachen Mausklick ersetzt. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil auch in der Industrie Digitalisierungsprozesse häufig nicht mehr den herkömmlichen IT-Projekt-Mustern folgen, sondern Ideen „einfach mal schnell als Prototyp erstellt werden“, um sie auszuprobieren, weiterzuführen oder zu verwerfen.

Neben vielen Vorteilen – wie etwa mehr Flexibilität und geringere Betriebskosten – dürfen Unternehmen nicht vernachlässigen, dass beim Cloud Computing auch Steuerungsaufgaben bleiben oder neu entstehen, die über den Erfolg des Betriebsmodells entscheiden. Dafür müssen neue Strukturen geschaffen und Kompetenzen aufgebaut werden.

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Aufgaben nicht unterschätzen

Wo lauern Stolpersteine und wie sind diese zu umgehen? Diese Frage haben Freudenberg IT (FIT) und das Analystenhaus PAC mit dem Praxisleitfaden ‚Cloud-Komplexität beherrschen‘ beantwortet, der fünf erfolgsentscheidende Aspekte für die Cloud definiert, unter die Lupe nimmt und konkrete Handlungsempfehlungen gibt.

Auswahl des richtigen Betriebsmodells

Mit wachsender Bedeutung der Cloud müssen sich Unternehmen darauf einstellen, in Zukunft mehrere Cloud-Modelle parallel zu betreiben. Manche Systeme gehören schon aus Sicherheitsgründen in die Private Cloud, etwa Kernanwendungen wie Enterprise Resource Planning (ERP) oder die Produktentwicklung. Andere können in der Public Cloud gut aufgehoben sein, zum Beispiel Vertriebs- und Marketingsteuerung oder auch Office-Anwendungen. Durch die Auswahl des geeigneten Cloud-Modells für jeden Anwendungsfall lassen sich Kosten einsparen. Dabei ist allerdings nicht zu vernachlässigen, dass ein zu bunter Mix an Konzepten und Dienstleistern den Verwaltungsaufwand in die Höhe treibt. 

Unternehmen sind deshalb gut beraten, die richtige Balance aus optimierten Einzelanwendungen und einer übergeordneten Cloud-Infrastruktur zu finden. Hilfreich können an dieser Stelle spezielle Cloud-Management- und Automatisierungswerkzeuge sein, mit denen sich die Komplexität bei Bezug und Nutzung von Services aus unterschiedlichen Betriebsmodellen reduzieren lässt. Durch die Nutzung einer geeigneten Multi-Cloud-Orchestration-Plattform kann ein Unternehmen so beispielsweise in der Cloud-Architektur sowohl von den Vorteilen von Amazon AWS als auch Microsoft Azure profitieren. 

Qualifizierung der IT-Organisation

Ganz klar: Die Cloud ist nicht zuletzt deshalb auf dem Vormarsch, weil sich die IT damit modernisieren und ausbauen lässt, ohne neue Fachkräfte einstellen zu müssen. Dennoch sollten Unternehmen im Blick haben, dass mit dem Umstieg auf die Cloud zusätzliche Aufgaben auf die IT-Organisation zukommen, für die mitunter ganz neues Know-how aufgebaut werden muss. Mitarbeiter brauchen ein tiefes Verständnis der zur Verfügung stehenden Cloud-Technologien, sie müssen Cloud-basierte Entwicklungswerkzeuge kennen und mit der Administration Cloud-basierter Anwendungssoftware vertraut sein. Es ist daher wichtig, dass sich Unternehmen aus der Fertigungsindustrie frühzeitig mit der Qualifikation ihrer IT-Mannschaft auseinandersetzen. Darüber hinaus sollte bei der Auswahl eines Cloud-Dienstleisters berücksichtigt werden, welchen Anteil am administrativen Aufwand er übernimmt und was der Auftraggeber selbst leisten muss.

Sicherheit und Compliance

Datensicherheit, Datenschutz und Konformität mit allgemeinen und unternehmenseigenen Regeln sind die Cloud-Kriterien überhaupt. Hier können und sollten Unternehmen keinerlei Kompromisse eingehen. Wichtig ist: Neben der IT-Security, die der Cloud-Anbieter zur Verfügung stellt – etwa ein geschütztes Rechenzentrum beziehungsweise Notfall- und Business-Continuity-Konzepte – muss das auftraggebende Unternehmen seine Sicherheitshausaufgaben ebenfalls machen; etwa in Form eines verschlüsselten Zugangs zwischen eigener IT-Umgebung und der Cloud. Vor diesem Hintergrund ist zu Beginn jedes Cloud-Projekts eine intensive IT-Security-Evaluierung Pflicht. Das Gesamtsystem muss zwingend der ISO 27001 (De-Facto-Standard für IT-Sicherheit) entsprechen. Auch wenn die Sicherheit ein Aspekt ist, der letztlich über die Machbarkeit eines Cloud-Projekts entscheidet: Für viele Unternehmen bedeutet der Gang in die Cloud unter Security-Aspekten eine große Entlastung, denn ­kompetente, professionelle Dienstleister können diese in der Regel mindestens genauso gut abbilden wie eine interne IT-Abteilung.

Bestellung und Bereitstellung

Während beim Cloud Computing der Aufwand für Auswahl, Einkauf und Betrieb von Hard- und Software entfällt, bleibt doch ein nicht zu unterschätzender Aufwand für die Beschaffung und Bereitstellung von Cloud-basierten Services. Dieser wächst mit der Anzahl der involvierten Cloud-Anbieter, beispielsweise weil dann Nutzer und Benutzerrechte einzeln zuzuweisen und zu verwalten sind. Deshalb ist es für Unternehmen sinnvoll, einen Service-Provider auszuwählen, der möglichst alle Anforderungen aus einer Hand bedienen kann. Diesem Punkt können Unternehmen bei der Definition ihrer Cloud-Strategie gar nicht genug Aufmerksamkeit widmen; denn je mehr IT in die Cloud wandert, desto größer wird der Anteil des administrativen Aufwands an den Gesamtkosten. 

Portale für die Orchestrierung

In Zukunft führt an Multi-Cloud-Umgebungen kein Weg vorbei. Und auch wenn Unternehmen die Umsetzung ihrer Cloud-Strategie extern vergeben, wird diese immer auf einen Mix an unterschiedlichen Betriebsmodellen setzen, um Investitionen optimal auszunutzen. Das führt zu wachsender Komplexität. Deshalb brauchen Unternehmen die Möglichkeit, ihre Cloud-Landschaft zentral zu verwalten, zu steuern und zu überwachen. So kann der Verantwortliche die Performance seiner Cloud-Landschaft auf einen Blick erfassen und der Cloud-Administrator Services gezielt buchen, abbestellen oder variieren. 

Cloud Computing ist keine Lösung, mit der sich Unternehmen sämtlicher IT-Aufgaben entledigen können. Für nachhaltigen Erfolg in der Cloud ist es deshalb wichtig, sich Art und Umfang der teilweise neuen Aufgaben deutlich zu machen und genau abzuwägen, was sich zu welchem Kosten-Nutzen-Verhältnis auslagern lässt. In den komplexen Zusammenhängen künftiger Multi-Cloud-Umgebungen werden Transparenz und Administrierbarkeit großen Einfluss auf die Effizienz und die Profitabilität haben. Dabei spielen Portale, über die sich auch große Cloud-Umgebungen überblicken und steuern lassen, eine zentrale Rolle. Die Bedeutung solcher Services für Unternehmen hat der IT-Dienstleister FIT frühzeitig erkannt und ein Entwicklungsprojekt gestartet, um Lösungen für die Orchestrierung von Multi-Cloud-Umgebungen zu schaffen. Als Cloud-Anbieter insbesondere für den industriellen Mittelstand unternimmt FIT damit einen wichtigen Schritt für die Zukunftsfähigkeit der Cloud im unternehmenskritischen Einsatz und für Digitalisierung und Industrial IoT.

Autorin:
Edna Lauer verantwortet unter anderem den Bereich Cloud Integration bei Freudenberg IT.

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