Interconsult-Gehaltsreport 2019

Spitzengehälter im Bereich aktive Bauelemente und ASICs

Der diesjährige Gehaltsreport für die Elektronikindustrie von Interconsult zeigt: Am stärksten sind die Gehälter in den Bereichen aktive Bauelemente und ASICs gestiegen. Die weiteren Aussichten? Vorsichtiger Optimismus.

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D. A. Graf von Reischach, Geschäftsführender Gesellschafter, Interconsult

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Graf Reischach, wer sind die Spitzenreiter des diesjährigen Gehaltsreports von Interconsult und warum?
D. A. Graf von Reischach: Das sind die Bereiche aktive Bauelemente mit 4,4 % plus und ASICs mit 4,6 %. Der Rest bewegt sich zwischen 2,8 % und 3,8 % plus. Grundlage für die gestiegenen Gehälter ist die gute Konjunktur, 2018 war ein sehr, sehr erfolgreiches Jahr für die Firmen. Vor allem in Automation und Medizinelektronik haben die Unternehmen gut verdient. Die einzigen Schwierigkeiten bestanden darin, nicht genug qualifizierte Leute bekommen zu haben. Der eine oder andere Kunde von uns hatte zuletzt keine Aufträge mehr angenommen, weil er sie nicht mehr abarbeiten und liefern konnte. Momentan ist man allerdings etwas vorsichtiger geworden.

Vorsichtiger mit Einstellungen?
D. A. Graf von Reischach: Ja.

In welchen Bereichen merken Sie das?
D. A. Graf von Reischach: Weitgehend in allen Bereichen. Die Turbulenzen zwischen USA und China, die Zoll-Angst in der Automobilindustrie, das Brexit-Chaos: wo letztes Jahr noch blühender Optimismus herrschte, ist heute Vorsicht angesagt.

Dabei könnte man sich gerade in solch ruhigeren Phasen gute Kandidaten sichern. Langfristig bleibt der Bedarf ja bestehen.
D. A. Graf von Reischach: Das wird aber eher nicht gemacht. Übrigens sind ja auch die Bewerber in solchen wirtschaftlich unsicheren Zeiten vorsichtiger, was einen Jobwechsel betrifft, sie fürchten „last in, first out“.

Auch hochqualifizierte Ingenieure?
D. A. Graf von Reischach: Ja, das kann durchaus der Fall sein. Sei es, dass sich der Kandidat vielleicht etwas zu gut verkauft hat. Oder umgekehrt die Firma nicht hält, was sie versprochen hat. Beides passiert immer wieder.

Tangieren Brexit und Trumps Zolldrohungen gegen Deutschland die Gehälter?D. A. Graf von Reischach: Man bereitet sich auf solch ein Szenario vor, nicht pessimistisch, sondern vorsichtig optimistisch, fährt auf Sicht. Es wird vorsichtig geplant, die Kosten sehr genau ins Auge genommen. Konkret bedeutet das, größere Investitionen zu verschieben und Kosten zu vermeiden. Von den Zöllen auf deutsche Automobile wären ja nicht nur die Hersteller, sondern auch die Zulieferkette betroffen, genauso wie etwa Anbieter von Testsystemen.

Merken Sie diese Vorsicht auch in Ihrem Beratungsgeschäft?
D. A. Graf von Reischach:
Ja, eindeutig. Die Kunden halten sich gerade mit Neueinstellungen zurück. Letztes Jahr war es noch genau umgekehrt, Kosten spielten praktisch keine Rolle. Hiring Freeze sehe ich aber noch nicht. Auf die Gehälter wirkt sich die Zurückhaltung auch noch nicht aus. Aus einem einfachen Grund: Gerade wenn man bei Neueinstellungen bremst und Stellen unbesetzt lässt, muss die vorhandene Mannschaft gepflegt werden.

Gibt es dennoch Kandidaten, die Sie sofort vermitteln könnten?
Technisch kompetente Vertriebsingenieure, die ohne Hilfe eines Applikationsingenieurs alleine zum Kunden raus gehen können. Weil der Trend zu kundenspezifischen Lösungen sich fortsetzt, sind die Anforderungen an die technische Kompetenz der Mitarbeiter erheblich gestiegen. Etwa in den Bereichen Automation oder Security.

Ihre Prognose?
D. A. Graf von Reischach:
Die Weltlage inklusive Brexit ist sehr undurchsichtig momentan, Prognosen sind daher schwierig. Hoffen wir, dass wir unseren vorsichtigen Optimismus halten können.

Beinflusst die Konjunktur und Vorsicht meines Arbeitgebers meine Chancen auf eine Gehaltserhöhung? Was, wenn mein Chef damit argumentiert?

D. A. Graf von Reischach: Im Allgemeinen nicht. Zumal Einkommen nicht mehr die absolute Priorität hat.

Sondern?
D. A. Graf von Reischach: Werde ich ernst genommen? Habe ich Mitspracherechte? Home-Office wird wichtiger und spielt zunehmend eine Rolle bei Verhandlungen. Gleichzeitig sollte man sich nicht abspeisen lassen mit Dingen, die man selbst nicht beeinflussen kann. Sondern gut argumentieren: Ich würde gerne etwas mehr verdienen, weil ich einen guten Job gemacht habe. Unternehmen können ja auch rechnen und wissen, was es kostet, wenn ein Leistungsträger geht. Man bekommt nicht schnell Ersatz, hat Kosten für Search und die Einarbeitungszeit kommt noch oben drauf.

Besteht die Gefahr, beim Gehaltspoker auch mal zu überreizen?
D. A. Graf von Reischach:
Wer mit seinen Gehaltsforderungen häufig und grob übertreibt, den lässt man im Zweifel lieber gehen. Es hängt natürlich von der Position ab, aber zwischen 7 und 10 % sind nicht zu viel.

Das Interview führte Corinne Schindlbeck

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