Tipps vom Coach
Mental agil – aus eigenem Antrieb erfolgreich
Wie geht man mit Rückschlägen um und wie lassen sich negative Denkmuster durchbrechen? Coach Uta Nachbaur zeigt, wie man mentale Agilität trainieren kann.
»Flexibel denken und einfach mal die Perspektive wechseln – das gehört dazu!«
»Egal ob Unsicherheit regiert und Überraschung hereinbricht, ich schaue, was möglich ist und gestalte den nächsten Schritt fokussiert und proaktiv!«
»Außerhalb des Gewohnten liegen Chancen!«
So oder so ähnlich klingen mental agile Persönlichkeiten. Aber ist es so so einfach, wie es klingt?
So reagiert der Mensch auf Rückschläge
Wie geht es Ihnen, wenn Sie Rückschläge erleben, wenn Ungewissheit regiert oder Überraschung Planung zunichtemacht? Die erste Reaktion ist ganz normal – Stress, begleitet von einem Emotionscocktail aus Frust, Enttäuschung, Selbstzweifel, Angst oder Ärger. Diese erste Stressreaktion ist wichtig und dient als Warnsignal. Auch wenn die Zeiten des Säbelzahntigers schon lange hinter uns liegen, funktioniert das menschliche Alarmsystem noch immer gleich: Wenn wir eine psychische oder physische Bedrohung empfinden, schalten wir in Kampf- oder Fluchtmodus, unser Körper aktiviert alle physischen Ressourcen, Blut und Sauerstoff werden aus dem Neokortex abgezogen, und unser klares Denken ist eingeschränkt. Mentale Agilität, sprich: frisch und kreativ neue Möglichkeiten denken, würde in akuten Notfällen zu viel Zeit kosten und wird deshalb im Gehirn blockiert.
Angesichts unserer Herausforderungen im Beruf ist das Reaktionsmuster »Säbelzahntiger« wenig hilfreich. Entscheidend ist daher, wie schnell wir nach dem »Hallo-Wach-Ruf« aus dem Stressmodus zurück in mentale Stärke und Gestaltungskraft kommen – nach ein paar Stunden, Minuten oder vielleicht nur Sekunden?
Es geht um die Recovery-Geschwindigkeit. Was können wir tun, um diese zu erhöhen und unsere mentale Agilität zurückzugewinnen?
Negative Denkmuster erkennen und durchbrechen
Das Bewusstsein über die eigenen negativen Denkmuster, die einen im Stressmodus halten, ist gefragt. Es geht darum, die eigenen Saboteure zu erkennen und bewusst loszulassen!
Setzt bei Ihnen unter Druck ein Denkautomatismus ein, der Ihnen einflüstert, dass Sie nicht gut genug sind und Sie antreibt, immer noch besser zu werden – mit großem emotionalem und mentalem Energieaufwand?
Gehen Sie in den »Controller-Modus« und beißen sich fest, oder in den »Vermeider-Modus« und ducken sich weg?
Oder setzt ein Automatismus ein, der Sie aufgeben lässt, weil »es ja eh nichts bringt und weil ich ja eh verlieren werde!«?
Entscheidend ist, dass wir uns unsere Denk- und Gefühlsautobahn als Misserfolgsmuster bewusst machen und es loslassen.
Dies legt die Basis für die Agilität: Entscheidend ist, ob wir gegen die Realität, mit der wir konfrontiert werden, ankämpfen oder ob wir sie als Geschenk und Möglichkeit annehmen und gestalten. Im ersten Fall bleibt der Stressmodus unser Begleiter, im zweiten Fall sind wir in unserer mentalen Kraft und können unsere Stärken aktivieren. Mentale Agilität ist die Haltung, die dies möglich macht.
Die Haltung der mentalen Agilität heißt, frisch auf die Dinge schauen und sich fragen: Was lerne ich daraus? Zu was inspiriert mich die Situation? Was ist jetzt möglich?
Positives Denken erhöht Möglichkeiten
Es ist wissenschaftlich bewiesen: Wer positiv denkt und mit dem Möglichkeitsblick durch die Welt geht, fühlt sich nicht nur besser, sondern nimmt auch mehr Möglichkeiten wahr. Im Volksmund spricht man von der »selbsterfüllenden Prophezeiung«. Aus neurowissenschaftlicher Sicht haben wir die Wahl, ob wir durch ein negatives Mindset die Stressregion im Gehirn aktivieren und immer weitere Probleme sehen, oder durch ein positives Mindset unser Kreativzentrum aktivieren und Chancen entdecken. Die Perspektive, die wir einnehmen, ist Basis für unsere Reaktion. Wer die Haltung einnimmt »Ich kann aus allem etwas Gutes machen und erkunde einfach, wie das gehen kann«, trifft eine bewusste Entscheidung für mentale Agilität.
Was hat Agilität mit Persönlichkeit zu tun?
Es gibt Menschen, die von Natur aus eine hohe Lernfreude und Spaß an Veränderung und Neuem mitbringen, Menschen, für die mentale Agilität normal ist. Andere benötigen ein hohes Maß an Stabilität und Sicherheit und legen Wert auf Planung und Verlässlichkeit. Mentale Agilität ist bei ihnen weniger stark ausgeprägt.
Die gute Nachricht aber ist: Mentale Agilität kann man trainieren.
Unser Gehirn kann sich altersunabhängig kontinuierlich verändern und an äußere Einflüsse und Anforderungen anpassen, der wissenschaftliche Ausdruck dafür ist »Neuroplastizität«. Indem wir neue Verhaltensweisen und Reaktionsmuster praktizieren, bauen wir über die Zeit neue neuronale Netzwerke auf. Entsprechendes passiert, wenn wir eine positive Grundhaltung und die bewusste Frage »Was ist jetzt möglich?« zu unserer Routine machen. Es entstehen über die Zeit neue neuronale Pfade, die alte Reaktionsmuster und Stressautomatismen schwächen und ersetzen. Dieses neuronale Muskeltraining verlangt lediglich eine bewusste Entscheidung für ein positives Mindset und Beharrlichkeit.
Erste Schritt zu mehr mentaler Agilität
Das Ganze geht leichter, wenn Sie in Energie sind. Also achten Sie auf Ihre Ressourcen ob über Schlaf, Ernährung oder Aktivitäten, die Ihnen guttun und Ihnen Energie zurückgeben.
Hier sind ersten Schritte um mentale Agilität zu stärken und aufzubauen. Als Gedankenstütze kann C-A-S-E dienen. Mental agil lässt sich eben jeder Fall erfolgreich angehen.
C wie Chance
den Möglichkeitsblick trainieren! Die agile Perspektive heißt, »jede Situation ist Geschenk und Chance«; Diese ist nicht automatisch da, sondern will erkundet und entwickelt werden. Stellen Sie die Frage »Was ist jetzt möglich?«.
A wie Anregung
Aus der Situation Inspiration ziehen! Fokussieren Sie sich auf Ihre Werte und Ihre Ziele und starten Sie eine Aktion, die für Sie hohe Bedeutung hat.
S wie Stufe
Die aktuelle Situation als Stufe für den nächsten Schritt sehen! Fragen Sie sich, was muss passieren, dass Sie nach einem Jahr sagen, dass Sie mehr herausbekommen als investiert haben.
E wie Experimentieren
Raus aus der Routine, Neues ausprobieren! Probieren Sie bewusst ungewohnte Vorgehensweisen und Aktivitäten – ob beruflich oder privat – außerhalb Ihrer Comfort Zone aus.
Sie werden merken, dass die Sicherheit von Gewohnheiten nicht überlebensnotwendig ist. Im Gegenteil: Gewohnheiten zu brechen öffnet Ihnen neue Wege, macht das Leben interessanter und schafft neue AHAs. Über die Zeit wird mentale Agilität für Sie immer normaler und Sie gehen fokussierter, ruhiger und effektiver mit Unsicherheit, Überraschung und Krisen um – ob der Weg über A oder B führt!
Die Autorin
Uta Nachbaur ist Coach und Trainerin bei Leadership Choices. Sie arbeitet international und branchenübergreifend mit Führungskräften zu Themen rund um Kommunikation, Führung und Präsenz, mentale Stärke und positive Konfliktkultur. Sie ist von der International Coaching Federation zertifiziert als PCC und auch zertifizierter mentale Fitness Coach (CPQC) und zertifizierter Resilienz Coach (Executive FiRE Index 2.0).














