Tipps von der Coachin

Konfliktresilienz kann man trainieren

5. Dezember 2022, 16:29 Uhr | Uta Nachbaur
Konfliktresilienz kann man trainieren
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Wo Menschen zusammenkommen oder zusammenarbeiten, kann es zu Konflikten kommen. Doch den gesunden Umgang mit Konflikten kann man trainieren.

Was wäre, wenn Sie grundsätzlich gelassen und neugierig auf Konflikte zugehen und diese konstruktiv gestalten?

Was wäre, wenn Konflikte keine Energieräuber sind, wenn Sie die Spannung und Energie von Konfliktsituationen nutzen, um frische Lösungen zu schaffen?

Und was wäre, wenn Sie diese Fähigkeiten trainieren und wählen können?

‚Konfliktresilienz‘ heißt, selbstbestimmt aus negativem Stressverhalten aussteigen und mit Konflikten kreative nachhaltige Lösungen schaffen. Doch wie gelingt dies?

Einstieg in Dramarollen – unser ‚Default Modus‘ in Sachen Konflikt

Konflikt ist etwas, was viele Menschen möglichst vermeiden wollen. Warum? Ist es Unsicherheit, sein Gesicht wahren wollen, Furcht vor Aggression, als Verlierer dazustehen oder Angst vor Zurückweisung? Was immer der Grund ist, Konflikte sind instinktiv negativ besetzt. Unser Fokus ist meist auf dem, was wir nicht wollen, und dies löst unbewusst Stressverhalten aus. Stephen Karpman, der Vater des ‚Drama-Dreiecks‘, hat drei Dramarollen identifiziert, in die wir unter Stress bevorzugt fallen: Opfer, Angreifer und Retter. Diese Rollen brauchen einander, beflügeln sich gegenseitig und verhindern konstruktive kollaborative Lösungen.

„Es tut mir leid. Das ist wahrscheinlich eine dumme Idee.“

„Wenn Du engagierter wärst, hätten wir das Problem nicht.“

„Du solltest einfach nur mein Vorgehen übernehmen. Das funktioniert bestens.“

Ob wir uns klein machen und nachgeben, ob wir uns für smart halten und anderen unsere Lösung aufdrücken, oder ob wir andere kritisieren und niedermachen – Dramarollen schaffen ein Klima von Selbstzweifel, Abhängigkeit, Vorwürfen und Verärgerung. Sie ziehen Energie und verhindern, dass wir unsere Bestleistung bringen und mit anderen zusammen Lösungen schaffen.

Was nun?

Wie nutzen wir die Energie, die in Konflikten steckt, um die Kluft zwischen dem, was wir wollen, und dem, was ist, bestmöglich zu schließen? Wer resilient ist, kann in der Situation von Abwehrhaltung und Problemfokussierung zu Offenheit und Lösungsorientierung wechseln und packt Konflikte kraftvoll und mit Leichtigkeit an. Ziel ist, mit anderen um die beste Lösung zu ringen statt gegeneinander zu kämpfen. Diese Haltung kann man wählen.

Resilienzmuskeln trainieren – präventiv, situativ, reflexiv

Sie können Ihre Konfliktresilienz in drei Kontexten trainieren.

  • Präventiv: Nutzen Sie jede noch so kleine Unstimmigkeit im Alltag, um Ihre Konfliktresilienz zu stärken, damit Ihnen diese in der Krise zur Verfügung steht.
  • Situativ: Krisen positiv annehmen und als Lehrmeister schätzen. Jede Anwendung stärkt Ihre Resilienzmuskeln. Unser Gehirn lernt so neue Verhaltensmuster.
  • Reflexiv: Wenn es in der Krisensituation nicht klappt, versetzen Sie sich hinterher nochmals in die Situation und stellen sich vor, wie Sie jetzt resilient agieren. Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen ‚vorgestellt‘ und ‚real‘ und baut Resilienzmuskeln auch auf diesem Weg weiter auf.

ZweiTrainingsschritte für Ihre Konfliktresilienz:

Schritt 1: Bewusstsein – Dramarollen wahrnehmen und aussteigen!
Werden Sie Beobachter und feiern Sie, wenn Sie Dramarollen und -verhalten bei sich und anderen erwischen! Lassen Sie dann die Rolle bewusst los. Und wenn Sie eine Dramarolle beim Gegenüber wahrnehmen, steigen Sie nicht mit der eigenen Dramarolle ins Spiel ein. Seien Sie Spielverderber!

Schritt 2: Perspektivwechsel und Stärken aktivieren
Perspektivwechsel heißt, Konflikte nicht als Stolperstein sehen, sondern als Chance. Hier hilft folgende Reflexionsübung: „Was muss passieren, damit ich hinterher sage, der Konflikt war das Beste, was passieren konnte?“ Geben Sie sich „Denkfreiheit“ ohne jede kleine Idee gleich kritisch zu hinterfragen. Dieser Mindshift ist unsere freie Entscheidung. Der Verhaltenswissenschaftler David Emerald (‚The Power of TED*‘) bringt es auf den Punkt: „Choose choice! Energy flows where the focus goes.”
Der Psychologe und Compassion-Experte Nate Regier beschreibt es so: Ein schierer Mindshift vom Opfer zum Gestalter schafft uns Zugang zu Schlüsselkompetenzen für positive Konfliktkultur. So werden positive Konflikte möglich und real.

Impulse für Ihr Stärkentraining

Offen sein
Die eigenen emotionalen Reaktionen wahrnehmen und ausdrücken heißt sich selbst wertschätzen und Transparenz gegenüber anderen schaffen. Wer mit „offenem Visier“ agiert, schafft Vertrauen. Im Miteinander bedeutet dies, Gefühle der Anderen zu respektieren und Mitgefühl auszudrücken.
Trainingsübung: Beobachten Sie sich selbst und Ihr Gegenüber. Welche Emotion und Energie nehmen Sie bei sich wahr, welche bei Ihrem Gegenüber? Drücken Sie diese wertschätzend aus: »Ich fühle mich unwohl.«; »Das klingt spannend.«; »Wie geht es Ihnen damit?«; »Ich sehe, wie beängstigend das ist.«; »Ich kann das nachvollziehen.«; »Ich freue mich für Sie.«

Neugierig sein
Wissen wollen und im Austausch auf Augenhöhe sein heißt, sich und Andere als kompetent und fähig sehen. Dies schafft ein Klima, wo sich alle gesehen und gehört fühlen und ihr Potenzial einbringen.
Trainingsübung: Die »10%-Regel« besagt, dass niemand völlig falsch liegt und mindestens zu 10 % recht hat. Aufgabe ist, die 10 % zu finden und auszudrücken.
»Was ich an ihrer Position mag ist …, und ich finde …«; »Welche Möglichkeiten sehen Sie?«; »Was hat für Sie in der Vergangenheit funktioniert?«

Beharrlich sein
Fokus auf dem Ziel halten, heißt Commitment zusagen und einfordern. Wer Wunsch und Lösung im Fokus hat, sieht alles was passiert, auch Fehler und Rückschläge als positive Herausforderung. So bringt einen jeder Schritt nach vorne, oder er bringt einen Lerneffekt.
Trainingsübung: Benennen Sie Rahmenbedingungen und Verantwortlichkeit und erkunden Sie Lerneffekte. »Sie können sich auf mich verlassen.«; »Dies sind die Rahmenbedingungen, die für uns gelten.«; »Was lernen wir daraus?«; »Wie stellen wir sicher, dass das nicht mehr passiert?«

Die Autorin

Dr. Uta Nachbaur, key!4c
Dr. Uta Nachbaur
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Uta Nachbaur ist Coach und Trainerin bei Leadership Choices. Sie arbeitet international und brancheübergreifend mit Führungskräften zu Kommunikation, Führung und Präsenz, mentaler Fitness und positiver Konfliktkultur.


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