WSCAD
»Der Zug ist abgefahren«
Mit Electrix AI bietet WSCAD nach eigenen Angaben die erste am Markt verfügbare KI-gestützte Elektro-CAD-Lösung an. Im Interview erläutert CEO Dr. Axel Zein, wie Künstliche Intelligenz die CAD-Branche verändern wird und wie sich die Erwartungen an die Technologie international unterscheiden.
Was sind die größten, durch KI-erzielten Fortschritte bei Electrix AI?
Mit Electrix AI haben wir eine völlig neue Dimension in der Elektroplanung erreicht. Die größten Fortschritte sehen wir in der dramatischen Beschleunigung von Prozessen, dem extrem vereinfachten Umgang mit der Software und der dadurch bedingt besseren Arbeitsverteilung zwischen Experten und Anfängern. KI hilft uns, Entwicklungsprozesse in einer bisher nicht gekannten Art und Weise zu beschleunigen und gleichzeitig die Komplexität zu beherrschen. Tätigkeiten, die früher Stunden in Anspruch genommen haben, erledigt unser AI Copilot in Sekunden: Zum Beispiel das Suchen nach Bauteilen in Projekten oder das Erstellen von Stücklisten. Zudem versetzt KI Gelegenheitsanwender, Hilfskräfte oder Auszubildende in die Lage, Dinge in der Elektroplanung zu tun, von denen sie nicht einmal zu träumen wagten.
Wie wichtig ist es für WSCAD, in KI zu investieren, um international wettbewerbsfähig zu bleiben?
Für uns ist die Investition in KI nicht nur wichtig, sondern absolut entscheidend, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. In der heutigen schnelllebigen, globalen Wirtschaft ist es unerlässlich, Technologien zu nutzen, die die Effizienz unserer Kunden steigern und ihnen Wettbewerbsvorteile sichern. Mit KI bieten wir einen signifikanten Mehrwert, der uns nicht nur auf den internationalen Märkten differenziert, sondern auch eine führende Rolle in der Weiterentwicklung von Elektro-CAD-Lösungen ermöglicht. KI hilft also uns und unseren Kunden, schneller und kosteneffizienter zu arbeiten – Faktoren, die im globalen Wettbewerb den entscheidenden Unterschied machen.
Gibt es Unterschiede zwischen den Erwartungen an KI in der DACH-Region und auf anderen internationalen Märkten?
International, insbesondere in Nordamerika und Asien, gibt es eine große Offenheit gegenüber neuen Technologien. Die USA sind mit Abstand Marktführer bei KI, unter anderem weil die Regierung dieses Thema bereits 2022 durch gewaltige Subventionen angetrieben hat. In der DACH-Region untersuchen wir die Dinge gerne gründlich, bevor wir etwas umsetzen. Das ist grundsätzlich gut. Aber die KI-Technologie entwickelt sich in einem so atemberaubenden Tempo, dass Stillstand oder Innehalten einem Rückschritt gleichkommt. Und daher hinkt Europa hinterher. Insgesamt sehen wir jedoch global ein wachsendes Verständnis für die Potenziale von KI. Die Erwartungen konvergieren zunehmend, weil sich die Technologie rasant verbreitet.
Wie wird sich die verstärkte Investition in KI in den kommenden Jahren auf die CAD-Branche auswirken?
Die verstärkten Investitionen in KI werden die CAD-Branche in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Wir erwarten einen Produktivitätsbooster, sodass Ingenieure und Planer sich verstärkt auf die kreativen und wertschöpfenden Aspekte ihrer Arbeit konzentrieren können. Gleichzeitig wird KI zunehmend als Partner agieren, der Engineeringvorschläge macht, Simulationen durchführt und potenzielle Probleme frühzeitig erkennt. Die Zukunft der CAD-Branche wird daher nicht nur durch schnellere und effizientere Planungsprozesse geprägt sein, sondern auch durch eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.
Wie schätzen Sie das internationale Investitionsaufkommen in die Weiterentwicklung von KI-Lösungen in der Industrie generell ein? Wo liegt Deutschland im internationalen Vergleich?
In den USA werden hunderte Milliarden Dollar in KI-Technologien investiert. Das beschleunigt das Tempo und vergrößert den Abstand zu allen anderen Ländern, die nicht mithalten wollen oder können. In Europa und speziell in Deutschland haben wir im Großen und Ganzen das Thema KI ziemlich verpasst. Keines der großen Sprachmodelle und kein globaler Player kommt aus Europa oder aus Deutschland. Wir hatten andere Prioritäten. Jetzt rennen wir hinterher und versuchen technologisch aufzuholen, aber der Zug ist schon lange abgefahren. Was bleibt sind Nischen, wie die Elektrotechnik, in denen sich einzelne Anbieter wie WSCAD etablieren können.










