Projekt zu zirkulären Geschäftsmodellen

Andrea Gillhuber,

Kreislaufwirtschaft im Praxistest

Ein Kooperationsprojekt von Klimaschutz-Unternehmen und der Universität Kassel hat 18 Monate lang untersucht, wie Unternehmen von linearen zu zirkulären Geschäftsmodellen wechseln können. Beteiligt waren 13 Betriebe aus unterschiedlichen Branchen. Nun liegen die Ergebnisse vor.

© dsjsj/stock.adobe.com

Der Verband Klimaschutz-Unternehmen und das Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse (upp) der Universität Kassel haben die Ergebnisse ihres Projekts „Wege zum zirkulären Geschäftsmodell“ veröffentlicht. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Vorhaben lief von September 2024 bis Februar 2026 und analysierte mit 13 Unternehmen aus Branchen wie Abfallwirtschaft, Kunststoff, Logistik, Medizin, Metall und Textil die Umstellung auf zirkuläre Geschäftsmodelle.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wo sich Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz in der betrieblichen Praxis ergänzen oder behindern. Grundlage waren eine Unternehmensbefragung sowie die gemeinsame Erarbeitung von Handlungsempfehlungen. Die Projektpartner identifizierten Herausforderungen wie fehlendes Know-how, begrenzte Ressourcen und unklare Partnerschaften, aber auch Potenziale durch Kooperationen entlang und zwischen Wertschöpfungsstufen.

Anforderungen an Unternehmen

„Der Übergang von unserer linearen zu einer Kreislaufwirtschaft ist ein Prozess. Der braucht Zeit, Informationen und Austausch von Wissen und Best Practice. Wichtig ist, dass Unternehmen, Politik und Verbraucher*innen Kreislaufwirtschaft nicht als neue Abfallwirtschaft verstehen. Unternehmen müssen Produkte neu denken und immer die kompletten Lebenszyklen berücksichtigen. Also schon bei Design und Materialauswahl überlegen, wie sie recyceltes Material oder Rohstoffe beschaffen oder reduzieren können und gleich planen, wie sich Produkte reparieren und nach der Nutzungsphase wieder- oder weiterverwenden lassen“, sagt Dr. Ron-Hendrik Hechelmann, Leiter des Fachgebiets Umweltgerechte Produkte und Prozesse (upp) der Universität Kassel.

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Als zentrale Voraussetzung nannten die Beteiligten die Zusammenarbeit innerhalb von Unternehmen sowie zwischen Branchen. Genannt wurden unter anderem Ansätze, Textilreste als Dämmstoffe in der Bauindustrie zu nutzen oder zu Papier weiterzuverarbeiten. Zudem empfehlen die Projektpartner, Kompetenzen im eigenen Betrieb aufzubauen und alle relevanten Bereiche – von Geschäftsführung über Entwicklung, Design und Einkauf bis zu Vertrieb und Kommunikation – einzubeziehen. Für eine Skalierung seien serienfähige Produkte erforderlich.

Branchenanalysen und Instrumente

Vertieft untersucht wurden die Branchen Kunststoffe, Metalle und Textil. Beteiligt waren unter anderem Pöppelmann, Zinq Technologie und Schäfer Mietwäsche Service. Für diese Unternehmen und ihre Zulieferer entwickelten die Projektpartner Leitfäden und Vorlagen für Digitale Produktpässe, die relevante Produkt- und Materialdaten strukturiert erfassen.

Darüber hinaus entstand ein Modell für dynamische Materialflussanalysen. Es bildet ab, wann und in welcher Qualität Rohstoffe nach der Nutzungsphase wieder verfügbar sind, um Planungsprozesse zu unterstützen. Ergänzend wurde ein digitales Tool entwickelt, das Unternehmen beim Einstieg in zirkuläre Strategien unterstützt. Betriebe geben Daten zu bestehenden Maßnahmen wie Reparatur, Wiederverwendung oder Recycling ein und erhalten Vorschläge zur Weiterentwicklung ihrer Prozesse. Die erste Version richtet sich vor allem an Unternehmen aus den Branchen Kunststoff, Oberflächentechnik und Textil und kann vorerst kostenfrei genutzt werden.

Beteiligte Unternehmen

Am Projekt nahmen insgesamt 13 Unternehmen teil, darunter zehn Mitgliedsunternehmen der Klimaschutz-Unternehmen, unter anderem allsafe, CHEP Deutschland, ebm-papst Mulfingen, fischerwerke, Kessel, MPG Mendener Präzisionsrohr, Pöppelmann, Schäfer Mietwäsche, Schöck Bauteile, Veolia Holding Deutschland und Zinq.

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