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Bessere Wettbewerbsfähigkeit durch Kreislaufwirtschaft
Die konsequente Umsetzung der Kreislaufwirtschaft ist ökonomisch vorteilhaft und ökologisch notwendig. Zudem trägt sie dazu bei, gesetzliche Vorhaben einzuhalten. All das führt letztlich dazu, sich vom Wettbewerb abzuheben. Die Grundvoraussetzung, damit die 'Circular Economy' funktioniert: Unternehmen müssen ihre Umweltauswirkungen systematisch messen und einen vollen Zugriff auf Produkte schaffen.
Entwickeln, produzieren, nutzen und entsorgen: Nach dieser Logik wurden Produkte und die damit verbundenen Dienstleistungen lange geplant. Doch seitdem das 1,5°-Ziel ausgerufen wurde und klar ist, dass produzierende Unternehmen einen erheblichen Anteil an der Ressourcennutzung und den daraus resultierenden Umweltauswirkungen haben, findet ein Umdenken hin zur Kreislaufwirtschaft statt. Als Baustein für die Dekarbonisierung ist sie ein zentrales Element und ein bedeutender Geschäftszweig für Unternehmen. Dabei ist das Prinzip der 'Circular Economy' nicht neu, die holistische Auseinandersetzung damit aber schon. Sie erfordert eine systematische Perspektive und eine konsequente Umsetzung. Zirkuläre Geschäftsmodelle müssen in der Designphase von Produkten beginnen und den Service-Aspekt in den Fokus rücken – nur dann versprechen sie Erfolg.
Grüne Wachstumsmärkte und zirkuläre Strategien
Die Circular Economy umfasst sieben wichtige grüne Wachstumsmärkte. Drei beschreiben verschiedene Dienstleistungsmodelle. Die Dienstleistungsorientierung gilt als zentraler Ansatz für das Wirtschaften in Kreisläufen. Demnach liegt der Wert nicht vor allem im Produkt, sondern in der Dienstleistung, etwa in Form von Beratung und Betreuung, Leasing oder Outsourcing. Damit, dass Anbieter ein physisches Produkt nicht verkaufen, sondern Kunden lediglich zur Nutzung überlassen, soll die große Herausforderung einer Kreislaufwirtschaft gelöst werden, gebrauchte Produkte für eine weitere Verwertung systematisch rückzuführen. Vier Wachstumsmärkte beziehen sich auf das Konzept der R-Strategien: Recycling, Remanufacturing, Refurbish und Repurpose sowie Reuse.
Zirkuläre Strategien setzen bereits bei der Ideengenerierung und Planung innovativer Produkte an und beziehen auch eine Produktlebensverlängerung, die Nutzungsintensivierung und das Ende des Lebenszyklus mit ein. Es empfiehlt sich, das klassische 9R-Konzept um Remain (Instandhaltung) zu ergänzen. Insgesamt eröffnen die R-Strategien neue Handlungsoptionen für eine zirkuläre Wertschöpfung, indem der Bedarf an Primärrohstoffen vermindert und Sekundärrohstoffe gewonnen werden. Die R-Strategien systematisieren verschiedene zirkuläre Strategien in einer Hierarchie, ergänzen sich gegenseitig und koexistieren. Die erfolgreiche Umsetzung zirkulärer Strategien durch Unternehmen erfordert passgenaue Geschäftsmodelle, Kompetenzen im Bereich des zirkulären Produktdesigns, den Aufbau und das Management von Rückflüssen sowie kreislauf- und sektorübergreifende Zusammenarbeit. Grundlegend ist auch, die Dienstleistungsorientierung mit den R-Strategien zu verknüpfen.
Systematische Aufbereitung von Abfällen
In der EU entstehen mehr als 2,5 Milliarden Tonnen Abfall pro Jahr. Laut der European Agency werden nur 46 Prozent der Abfälle recycelt. Damit gehört das Recycling zu den wichtigen grünen Wachstumsmärkten innerhalb der Circular Economy. Gleichzeitig macht es Unternehmen aus Europa unabhängiger von Rohstoff- und Energieimporten und damit von Kostensteigerungen und Versorgungsengpässen.
Obwohl Deutschland seit Jahren als Vorreiter in Bezug auf Recyclingquoten gilt, sind die Rohstoffströme in der deutschen Wirtschaft weitgehend linear organisiert, wobei der Anteil der Sekundärrohstoffe am gesamten Rohstoffverbrauch nur etwa 13 Prozent beträgt. Da der Rohstoffbedarf für neue Investitionen sowie der Rohstoffkonsum pro Kopf künftig weiter zunehmen werden, ergeben sich hier viele Handlungsoptionen. Expertinnen und Experten beziffern den Anstieg des Batterierecyclings auf 100 GWh im Jahr 2030 beziehungsweise auf 1000 GWh im Jahr 2040, verbunden mit einer Steigerung des Umsatzwachstums auf 400 Milliarden US-Dollar; aktuell liegt das Batterierecycling bei 5 GWh.
Recycling ist besonders für Batteriehersteller, Automobilhersteller und den Second-Life-Batteriemarkt von Bedeutung. Ein Geschäftsmodell, das sich in diesem Umfeld schon bewährt hat, ist die Demontage und Wiederaufbereitung von Traktionsbatterien aus Elektrofahrzeugen, um Batterien einem Second-Life-Markt zuzuführen oder wertvolle Materialien durch Recycling zurückzugewinnen. Durch Rückgewinnung und Wiederverwendung kann eine gesteigerte Ressourceneffizienz erreicht, Elektroschrott und gefährliche Abfälle vermindert sowie geschlossene Materialkreisläufe gefördert werden.
Nur was man messen kann, kann man steuern
Für den Wandel zur zirkulären Wirtschaft müssen Unternehmen ihre Umweltauswirkungen anhand von Material-, Produkt- und Umweltdaten systematisch messen. Dabei ist der Lebenszyklus eines Produkts und seiner Bestandteile zu berücksichtigen – von Produktzusammensetzung und -herstellung bis zur (erweiterten) Nutzung. Vervollständigt wird dies durch den Datenaustausch mit Stakeholdern wie Zulieferern und Nutzern. Eine integrierte Prozess- und Datenlandschaft schließt digitale Kreisläufe und schafft damit die erforderliche Transparenz für Entscheidungen in der Produktentwicklung.
Welche Daten im Einzelnen benötigt werden, ergibt sich aus den zum Einsatz kommenden Bewertungsmethoden. Hier existieren eine Reihe von Standards und Indikatoren, die jeweils unterschiedliche, aber ebenso relevante Teilaspekte betrachten: etwa den Materialfluss, die Langlebigkeit und das Geschäftsmodell, Umweltauswirkungen entlang des Lebenszyklus oder die konstruktionsbedingten Möglichkeiten zu einer Weiternutzung des Produkts und seiner Bestandteile. Einen anerkannten Indikator, der alle Aspekte integriert, gibt es bislang nicht, soll durch die EU-Ecodesign-Verordnung aber geschaffen werden. Hierbei werden insbesondere die Langlebigkeit und Reparierbarkeit von Produkten sowie deren Potenziale für Upgrade, Reuse, Remanufacturing, Refurbishment und Recycling betrachtet. In der unternehmerischen Praxis sind darüber hinaus Wechselwirkungen auf Kosten, CO2-Emissionen, Wertigkeit, Gewicht und Stabilität der Produkte, Komplexität der Produktionsprozesse und Vorgaben zur Materialkomposition mit einzubeziehen.
Möglich wird die multidimensionale Bewertung von Produkten durch ein Punktesystem auf Basis eines morphologischen Kastens. Demnach kann beispielsweise der Anteil recycelter Materialien festgestellt werden, indem der Anteil von Recyclingmaterialien und Sekundärrohstoffen in einem Produkt quantifiziert wird. Zur Messung des Circularity Levels für Wiederverwertbarkeit werden etwa die Nutzung standardisierter Komponenten, die Modularität oder die Möglichkeit zur hochreinen Sortierung der Materialien betrachtet. So kann die Kreislauffähigkeit mithilfe der Indikatoren nacheinander bewertet und abschließend ein Kreislauffähigkeitsindex für das Produkt ermittelt werden. Das steigert die Transparenz und Vergleichbarkeit und ermöglicht die Ableitung von Maßnahmen zur Verbesserung.
Beschleunigung durch Digitalisierung
Die Etablierung eines materiell geschlossenen Wirtschaftssystems schafft enorme Potenziale – sie spart Ressourcen und Kosten ein und führt zu neuen Geschäftsmodellen. Diese werden durch Digitalisierung teils erst möglich und zumeist enorm beschleunigt. Technologien wie digitale Zwillinge, Blockchain, Internet der Dinge (IoT) und digitale Diagnose- und Fernwartungstechnologien ermöglichen eine nahtlose Produkt- und Materialverfolgung, die für die Kreislaufführung von Ressourcen unerlässlich ist. Digitale Produktpässe liefern die notwendige Transparenz über verwendete Materialien und erleichtern so die Wiederverwertung. Schließlich können durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und weitere Technologien erhebliche Materialersparnisse und Transparenz in Echtzeit erreicht werden. Digitalisierung eröffnet auch Optionen auf neue Geschäftsmodelle, wie Full-Service-Angebote oder Pay-per-Performance-Modelle und sogenannter 'Smart Contracts' zu deren Umsetzung. Hier kommt es darauf an, digitale Technologien selbst umweltschonend und nachhaltig zu gestalten. Nachholbedarf besteht laut dem 'Industrie 4.0 Barometer 2025' von MHP und der LMU München noch in der Implementierung solcher Technologien sowie darin, Daten nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch und kulturell in den Fokus zu rücken, und entsprechende Kompetenzen aufzubauen.














