Kreislaufwirtschaft

Andreas Falke / Redaktion: Alexandra Hose,

Die Zukunft ist zirkulär – mit KI

© Shutterstock Miha Creative

Die Transformation zur Kreislaufwirtschaft ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit – komplex, vielschichtig und zugleich dringend notwendig. Veraltete Strukturen, fehlende Standards und ein Mangel an Transparenz bremsen den Fortschritt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise. Der FBDi zeigt, wie Digitalisierung und klare Datenstrukturen die Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Circular Economy sein können.

Die Kreislaufwirtschaft steht vor erheblichen Herausforderungen, die von technischen und regulatorischen Hürden über fehlende Datenstandards bis hin zu Akzeptanzproblemen reichen. Im März 2020 verabschiedete die EU-Kommission den EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft. Er basiert auf dem Leitbild der ‚Circular Economy‘ und umfasst alle Phasen der Wertschöpfung. Eine Vielzahl an Gesetzen und Verordnungen, darunter das Kreislaufwirtschaftsgesetz, die BattVO, VerpackungsVO und weitere spezifische Vorgaben, regeln die Circular Economy in Deutschland und der EU. Laut dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUV) sind in der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) alle Stationen des Lebenszyklus von Produkten zu berücksichtigen. Zu den Herausforderungen zählen unterschiedliche rechtliche Anforderungen auf Bundes- und Länderebene sowie veraltete Standards, die eine Entwicklung einheitlicher Lösungen hemmen und zu hohem bürokratischem Aufwand führen. Die Politik erkennt die Notwendigkeit, regulatorische Strukturen zu modernisieren und Standardisierungsprozesse voranzutreiben, um die Transformation zur Circular Economy zu beschleunigen. Die Omnibus-Initiative soll nun Widerstände durch Vereinfachung überwinden.

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Im Rahmen der verschiedenen Competence Teams hat sich der FBDi seit Langem umfassend mit den Richtlinien und Verordnungen beschäftigt. Es herrscht starke Verunsicherung durch redundante und überschneidende Regelungen auf nationaler und europäischer Ebene sowie uneinheitliche Begriffsauslegungen in verschiedenen Regulierungen (Hersteller, Erzeuger, Importeur etc.). Frust und Bürokratie wachsen, und die Mitgliedshäuser klagen über hohen Verwaltungsaufwand jenseits jeder pragmatischen Sinnhaftigkeit.

Viele zirkuläre Lösungen sind noch nicht massentauglich oder wirtschaftlich skalierbar, da Sekundärrohstoffe oft nicht in ausreichender Qualität oder Menge zur Verfügung stehen. Zudem sind nicht alle Materialien recycelbar, und bestehende Recyclingverfahren stoßen an ökologische und technische Grenzen. Gleichzeitig ist die lineare Wirtschaftsweise weiterhin tief in industriellen Prozessen verankert. Darüber hinaus sind ein mangelndes Bewusstsein für die Chancen der Kreislaufwirtschaft, ein Defizit an qualifizierten Fachkräften sowie die schlechte Reputation von wiederverwendeten Materialien demotivierend für die Marktteilnehmer. Die Erhebung und Überwachung relevanter Umweltdaten, wie Emissionen, Energieverbrauch und Rohstoffverbrauch, ist komplex, aber essenziell, um kreislauforientierte Prozesse zu legitimieren und zu steuern.

Bessere Nachverfolgbarkeit und Optimierung von Stoffströmen

Trotz aller Hindernisse müssen Akteure in Europa verstehen, dass das, was gestern noch normal war, morgen nicht mehr gelten wird. Die lineare Wirtschaft wird Produkte zu teuer machen, da Rohstoffe knapper und somit teurer werden. Die Kreislaufwirtschaft dient nicht nur dem Klima- und Umweltschutz sowie der Abfallvermeidung, sondern ist auch eine Strategie, um die Rohstoffversorgung der Produktion zu sichern. Denn in den probaten Lieferketten werden nicht mehr genügend Primärrohstoffe zu finden sein – und das gilt umso mehr, wenn die geopolitischen Spannungen weiter steigen.

Direkter Vergleich zwischen Linearwirtschaft und Kreislaufwirtschaft © Shutterstock m.malinika

Der FBDi versteht die Circular Economy als Lösung und nicht als Problem. Der Verband wird diese Lösung daher strukturiert angehen und klar kommunizieren. Das Problem liegt vor allem in den Daten, die nicht zu Informationen verdichtet werden, und in den relevanten Daten, die nicht erfasst werden. Nur die Digitalisierung ermöglicht datenbasierte Transparenz, die die Erfassung, Speicherung und Weitergabe von Produkt- und Materialdaten entlang des gesamten Lebenszyklus unterstützen muss. Dies führt zu einer besseren Nachverfolgbarkeit und Optimierung von Stoffströmen sowie zur Realisierung ressourcenschonender Geschäftsmodelle wie ‚Product-as-a-Service‘ (Sharing-Konzepte u.v.m.).

Mithilfe digitaler Lösungen und KI können Unternehmen ihre Produktionsprozesse materialsparender gestalten, langlebigere Produkte entwickeln und das Recycling wertvoller Ressourcen effizienter steuern. Zudem unterstützt die Digitalisierung innovative Ansätze wie Sharing, Reparaturplattformen und Sekundärrohstoffmärkte, wodurch Ressourcen länger im Kreislauf gehalten werden. Digitale Tools liefern die Grundlage für ein effektives Monitoring und die Weiterentwicklung von Politikmaßnahmen zur Kreislaufwirtschaft. 

Digitaler Produktpass sorgt für Transparenz

Einflüsse und Auswirkungen durch den Digitalen Produktpass © FBDi

Die Bedeutung der Datentransparenz über den gesamten Produktlebenszyklus kann also nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn transparente, standardisierte Produktdaten sind essenziell, um Materialien und Komponenten effizient im Kreislauf zu führen. So sollen ‚Digitale Produktpässe‘ (DPP) gemeinsame Datenmodelle entwickeln und Produktinformationen über den gesamten Lebenszyklus standardisiert erfassen und bereitstellen. Dadurch können alle Akteure den Wert und die Wiederverwendbarkeit von Produkten erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Datentransparenz erleichtert die Zusammenarbeit in Wertschöpfungs-Ökosystemen, fördert nachhaltige Geschäftsmodelle und macht die ökologischen Werte von Produkten sichtbar. Nur mit umfassenden und zugänglichen Daten können innovative zirkuläre Lösungen konzipiert, deren Wirkung evaluiert und regulatorische Vorgaben erfüllt werden.

Andreas Falke ist Geschäftsführer des FBDi. © FBDi

Die Digitalisierung ist der zentrale Enabler und Beschleuniger der Kreislaufwirtschaft. Sie schafft die Voraussetzungen, die notwendig sind, um die Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft zu überwinden und eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen. Es gibt bereits mehrere Initiativen zur Standardisierung von Produktgruppen und Daten. Der Aufbau gemeinschaftlicher Datenräume zur Speicherung und Verarbeitung von Produktdaten ist strategisch wichtig, um Interoperabilität und Datensicherheit zu gewährleisten. In internationaler Kooperation arbeiten die EU und Deutschland an der Etablierung digitaler Lösungen und Produktpässe, um die Nachverfolgbarkeit und Zirkularität von Produkten zu fördern. Digitalisierung und Datentransparenz sind der Schlüssel, um diese Hindernisse zu überwinden, neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen und die Ressourceneffizienz zu steigern. Die Standardisierung von Produktdaten und die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen sind zentrale Aufgaben, an denen Politik und Wirtschaft in Zukunft noch intensiver arbeiten werden. Das riesengroße Plus ist: In diesem Bereich der Digitalisierung und Datentransparenz kann der Einsatz von KI nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das Schöne daran ist: Wir haben zu diesem Problem, das durch unser überbordendes Wachstum an Wirtschaft und Bevölkerung entstanden ist, auch wieder Tools geschaffen, die wir vorher nicht kannten. 

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