Elektrokonstruktion
Digital und vernetzt
Mit maximal acht Wochen Durchlaufzeit rechnet Hanseatic Power Solutions für die Konzeption und den Bau von sehr komplexen Schaltanlagen. Möglich ist das nur durch eine durchgängige und automatisierte Elektroplanung.
Eine Gemeinsamkeit haben alle Kunden von Hanseatic Power Solutions (HPS): Sie betreiben große Energieanlagen. Michael Grenz, Kaufmännischer Leiter, dazu: „Wir konzentrieren uns weitestgehend auf Schaltanlagen für die Energietechnik, insbesondere für Notstrom-Aggregate zum Beispiel von Kraftwerken und öffentlichen Gebäuden. Ein weiteres Anwendungsfeld sind Steuerungen für Kompressor-Anlagen auf Schiffen.“ Dabei kommen auch eigene Produkte wie zum Beispiel Steuerungen und Bedienpanels zum Einsatz.
Das Unternehmen entstand erst 2009 als Ausgründung aus einem größeren Firmenverbund und beschäftigt jetzt bereits knapp 80 Mitarbeiter – darunter viele Planer, da die Anlagen immer individuell konzipiert werden und enorme Dimensionen erreichen. Christoph Lange, Leiter der Projektabwicklung: „In unserem bislang größtem Projekt haben wir auf 140 Metern Schaltschränke für die Notstromversorgung eines Kraftwerks geplant und gebaut.“ Mit diesen Schaltanlagen wird unter anderem die Kühlwasser- und Ölvorwärmung von 44 Dieselmotoren gesteuert.
Zügiger Durchlauf
Hohe Leistung und hohe Ströme: Entsprechend viel Kupfer ist in den Schaltanlagen von HPS verbaut.
© HPSObwohl es sich meist um große Projekte und ausnahmslos um Anlagen in Losgröße 1 handelt, sind die Zeitvorgaben, die sich das Unternehmen selbst setzt, sehr knapp. Michael Grenz: „Für die Arbeitsschritte Planung, Freigabe, Bau und Lieferung der Schaltanlage rechnen wir mit sechs bis acht Wochen ab Auftragsvergabe. Und oft schaffen wir es auch noch deutlich schneller.“
Das setzt einen zügigen Durchlauf in der Planung und perfekte Prozesse in der Schaltschrankmontage voraus. Eine wichtige Voraussetzung dafür wurde mit der Eplan-Plattform geschaffen, die durchgängig genutzt wird. Die Elektroplaner arbeiten mit den Eplan-Tools Electric P8 und im Schaltschrankbau mit Pro Panel. Sie haben dabei den Ehrgeiz, Wiederholaufgaben so weit wie mög-lich zu automatisieren. So haben die Ingenieure etwa Makros für die einzelnen Funktionen wie zum Beispiel die Kühlwasser-Vorwärmung erstellt, was den Planungsprozess deutlich beschleunigt.

DLR-Institut zur Auswertung riesiger Datenmengen gestartet
Ein neues Institut des DLR ist Ende August 2017 in Jena eröffnet worden. Es soll sich mit der Analyse und dem Umgang mit großen Datenmengen befassen, die im Zuge der Digitalisierung anfallen.
Erweiterungsmodul 'Copper'
Das Pro-Panel-Modul 'Copper' vereinfacht die Planung und Produktion der Stromschienen. Beim virtuellen Modell werden Mindestabstände und Störgrößen berücksichtigt.
© HPSKürzlich hat der Schalt- und Steuerungsanlagenbauer die Plattform um das Erweiterungsmodul Copper von Eplan Pro Panel ergänzt, das die Planung und Fertigung von Strom- und Sammelschienen unterstützt. Christoph Lange: „Wir planen Niederspannungsschaltanlagen bis 6300 A, Energieverteiler bis 5000 A und Mittelspannungsschaltanlagen bis 24 kV. Deshalb ist in den Schaltschränken viel Kupfer verbaut.“
Mit dem Modul lassen sich die Sammelschienen virtuell in das 3D-Modell des (ebenfalls noch virtuellen) Schaltschranks montieren. Anschließend übernimmt der Planer die Resultate einfach in das Gesamtprojekt. Dabei werden nicht nur die Konturen der Kupferschienen festgelegt, sondern auch die Bohrungen selbsttätig platziert. Das bietet laut Christoph Lange wesentliche Vorteile: „Vorher haben die Mitarbeiter vor jedem Arbeitsschritt gemessen und angezeichnet. Jetzt können sie beim Ablängen, Biegen und Bohren einfach nach der Zeichnung arbeiten. Das spart Zeit und das Ergebnis sieht auch besser aus. Außerdem kann man dem Kunden bereits im Entstehungsprozess die 3D-Ansicht des Schaltschranks mitsamt Kupferschienen zeigen. Das kommt bei unseren Kunden sehr gut an.“
Automatisierte Fertigung
Während die Kupferschienen manuell bearbeitet werden, ist die Bearbeitung der Schaltschränke durchgehend automatisiert. Hier kommt Eplan-Pro-Panel zum Einsatz. Die Daten der Lösung zum 3D-Schaltschrankaufbau werden nach Freigabe an eine Blechbearbeitungs-Anlage gesendet, die selbsttätig die Bohrungen setzt. Ähnlich ist die Arbeitsweise bei der Kabelkonfektionierung. Auch für das Routing wird die gleiche Software genutzt. Christoph Lange: „Wir senden den Datensatz an einen externen Konfektionierungs-Dienstleister. Anschließend erhalten wir in kurzer Zeit die gewünschten Kabel – mit hohem Detaillierungsgrad bis hin zur Sonderbeschriftung von Einzeladern.“
Anbindung ans ERP-System
Wenn die Planung vom Kunden abgenommen wurde, senden die Projektierer den kompletten Plan inklusive 3D-Ansicht und Stückliste an das ERP-System. Dann sind Einkauf und Arbeitsvorbereitung gefordert. Michael Grenz: „Wir bestellen die benötigten Komponenten beziehungsweise stellen sie aus dem Lager bereit.“ Im laufenden Prozess werden die Fertigungszeiten erfasst, so dass stets eine Nachkalkulation möglich ist. Denn gerade bei Projekten, die schnell durchlaufen, ist es wichtig, Zeiten und Materialien engmaschig zu beobachten.
Die durchgängig digitale Projektierung reicht noch über den Zeitpunkt der Fertigung und Inbetriebnahme hinaus: Früher wurde die Dokumentation in der gewünschten Sprache in bis zu 20 Ordnern bereitgestellt – heute erhält jeder Schaltschrank einen QR-Code. Der Anwender scannt den Code und lädt die Dokumente des jeweiligen Schrankes wie Schaltplan, Anlagenbeschreibung und Bedienungsanleitungen der Komponenten herunter. Dabei kann er sicher sein, dass die Dokumentation aktuell ist, weil sie immer auf dem neuesten Stand gehalten wird.
Aktuelle und bevorstehende Projekte
Daneben hat HPS als neues Geschäftsfeld die Planung und den Bau von Mittelspannungsanlagen erschlossen, wobei auch hier die Schaltpläne mit Eplan Electric P8 entstehen. Christoph Lange: „Wir befüllen das System gerade mit den Daten, die wir benötigen. Dabei nutzen die Planer das Data-Portal intensiv.“
Ein weiteres aktuelles Projekt ist die Einführung von Eplan Cogineer, der neuen Software für die automatisierte Stromlaufplangenerierung auf der Basis eines Regelwerkes. Dieses Regelwerk sowie die Konfigurationsoberflächen lassen sich ohne Kenntnisse einer hö-heren Programmiersprache erstellen. Dafür benötigt man nur Erfahrung in der Makrotechnologie. Ziel der Entwicklung von Cogineer war es, die Stromlaufplanung effizienter und schneller zu machen.
Autor: Birgit Hagelschuer ist zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Eplan Software & Service.












