IBM
Deutschland hinkt hinterher
In einer global angelegten Marktstudie untersuchte IBM, ob und wie Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern Künstliche Intelligenz nutzen und welche Hürden es bei der Implementierung zu überwinden gilt.
Wie wird Künstliche Intelligenz in Unternehmen weltweit umgesetzt? Das wollte IBM wissen und beauftragte Morning Consult mit einer Studie. Ein Ergebnis des 'IBM Global AI Adoption Index 2023': 44 Prozent der befragten deutschen Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern sind noch in der Erprobungsphase, 32 Prozent gaben an, KI bereits in ihrem Unternehmen einzusetzen. Im Vergleich: Global gesehen setzen bereits 44 Prozent der Befragten KI aktiv ein. Damit liegen große deutsche Firmen bei KI-Einführung hinter dem internationalen Spitzenfeld: Indien (59 Prozent), China (50 Prozent), Singapur (53 Prozent) und die Vereinigten Arabischen Emirate (58 Prozent) liegen bei der aktiven Nutzung von KI an der Spitze. Schlusslichter im globalen Vergleich sind Australien (29 Prozent), Spanien (28 Prozent) und Frankreich (26 Prozent).
Haupttreiber für die wachsende KI-Nutzung in Unternehmen sind Early Adopter – diese weisen auch bei den Zukunftsplänen den Weg: 52 Prozent der Unternehmen, die in Deutschland bereits mit KI arbeiten, beabsichtigen, ihre Investitionen in diese Technologie zu verstärken. Zu den Herausforderungen und Hürden bei der Implementierung zählen unter anderem die Rekrutierung von entsprechend qualifizierten Mitarbeitern, ethische Bedenken in Bezug auf KI sowie die Integration oder Skalierung von KI-Projekten.
»Wir sehen, dass die Early Adopter, die Hindernisse überwunden und KI eingesetzt oder erprobt haben, bereits davon profitieren und weitere Investitionen tätigen. Wichtige Faktoren, die die Verbreitung von KI auf Unternehmensebene vorantreiben, sind benutzerfreundlichere KI-Tools, immer mehr KI, die direkt in Standardgeschäftsanwendungen integriert ist und die Automatisierung wichtiger Prozesse«, so Hardy Gröger, Distinguished Engineer und Director, Software Technical Sales DACH bei IBM. »Wir beobachten auch, dass Unternehmen KI insbesondere für die Anwendungsfälle nutzen, in denen die Technologie schnell tiefgreifende Auswirkungen haben kann, beispielsweise bei IT-Automatisierung, digitaler Arbeit sowie Suchfunktionen und Wissenserschließung. Für die 44 Prozent der Unternehmen, die noch in frühen Phasen der Evaluierung sind, wird 2024 das Jahr sein, indem sie die Hindernisse wie fehlende Kompetenzen und die Komplexität der Datenqualität und -handhabung angehen und überwinden müssen.«
Deutschland im internationalen Vergleich
In den letzten Jahren blieb die Einführung von KI in großen Unternehmen konstant. So berichten 32 Prozent der IT-Experten in großen deutschen Unternehmen, dass ihre Organisationen KI aktiv implementiert haben, weltweit tun dies 44 Prozent der Unternehmen. Weitere 44 Prozent der deutschen Unternehmen erforschen den Einsatz dieser Technologie aktiv, weltweit sagen dies 40 Prozent der Unternehmen. Im Bereich generative KI implementieren 33 Prozent der befragten deutschen Unternehmen die Technologie aktiv, weitere 46 Prozent erkunden deren Einsatz. Der globale Schnitt liegt hier bei 38 Prozent beziehungsweise 42 Prozent.52 Prozent der deutschen Unternehmen, die KI einsetzen oder untersuchen, geben an, dass sie die Investitionen in KI oder den Rollout von KI in den letzten 24 Monaten beschleunigt hat. Global gesehen sagten dies 59 Prozent der Experten.
Im weltweiten Mittelfeld liegt Deutschland bei den KI-Investitionen: 52 Prozent der großen Firmen gaben an, dass sie ihre Investitionen beschleunigen werden. Zu den Märkten, die den KI-Rollout am wahrscheinlichsten intensivieren werden, zählen China (85 Prozent), Indien (74 Prozent) und die Vereinigten Arabischen Emirate (72 Prozent). Unternehmen in Großbritannien (40 Prozent), Australien (38 Prozent) und Kanada (35 Prozent) hingegen werden den Rollout am wenigsten wahrscheinlich schneller vorantreiben.
Die Ergänzung menschlicher Aufgaben durch digitale Arbeit (40 Prozent) und der Aufbau eigener KI-Lösungen (39 Prozent) sind die wichtigsten KI-Investitionen in Unternehmen, die in Deutschland KI erforschen oder einsetzen. International liegen hingegen Forschung und Entwicklung (44 Prozent) sowie Umschulung/Personalentwicklung (39 Prozent) bei den Investitionen vorne.
Treiber und Hindernisse der KI-Einführung
Treiber für die KI-Einführung in Deutschland sind die zunehmende Integration von KI in Standardgeschäftsanwendungen (44 Prozent), Fortschritte bei KI-Tools, die sie einfacher nutzbar machen (41 Prozent) und die Notwendigkeit, Kosten zu senken und Schlüsselprozesse zu automatisieren (40 Prozent). Für deutsche IT-Experten sind die beiden wichtigsten KI-Neuerungen in den letzten Jahren Lösungen, die einfacher zu implementieren sind (40 Prozent) und die die Geschäftsanforderungen besser erfüllen (37 Prozent).
Wie oben bereits erwähnt, stehen der erfolgreichen KI-einführung hierzulande einige Hürden im Weg. Dazu zählen begrenzte KI-Kenntnisse und -Fachwissen (34 Prozent), ethische Bedenken (27 Prozent), KI-Projekte, die zu schwer zu integrieren und zu skalieren sind, (21 Prozent), zu hohe Datenkomplexität (20 Prozent) , fehlende Tools für die KI-Entwicklung (20 Prozent) und ein hoher Preis (16 Prozent).
Natürlich hat KI auch Auswirkungen auf die Belegschaft. So gab jedes fünfte (21 Prozent) Unternehmen in Deutschland an, nicht über entsprechend qualifizierte Mitarbeiter für die Nutzung neuer KI- oder Automatisierungstools zu verfügen. 15 Prozent finden keine neuen Mitarbeiter mit den richtigen Fähigkeiten, um diese Lücke zu schließen. Nur 29 Prozent bilden derzeit Mitarbeiter aus oder schulen sie um, damit sie mit neuen Automatisierungs- und KI-Tools umgehen können.
Hinzu kommt, dass IT-Fachleute die Notwendigkeit einer vertrauenswürdigen und kontrollierten KI sehen. Die praktische Umsetzung für Unternehmen aber ist schwierig: Deutsche IT-Experten sind sich weitgehend einig, dass die Verbraucher eher Services von Unternehmen mit transparenten und ethischen KI-Verfahren wählen (78 Prozent stimmen stark oder etwas zu). Sie sagen zudem, dass es für ihr Unternehmen wichtig ist, erklären zu können, wie ihre KI eine Entscheidung getroffen hat (78 Prozent in jenen Unternehmen, die KI erforschen oder einsetzen).











