VDMA auf der Hannover Messe 2026

Andrea Gillhuber,

Verlagerungssorgen im Maschinenbau

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht unter wachsendem Druck durch Regulierung, hohe Kosten und geopolitische Risiken. Laut VDMA denken viele Unternehmen über Investitionen im Ausland nach. Gleichzeitig bleibt die Branche technologisch wettbewerbsfähig.

© Salome Roessler/VDMA

Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland sieht sich zunehmend mit wirtschaftlichen und regulatorischen Belastungen konfrontiert. Nach Angaben des Branchenverbands VDMA prüfen zahlreiche Unternehmen, neue Investitionen außerhalb Deutschlands zu tätigen, obwohl sie am Standort festhalten wollen.

CBAM: Verlagerung in Nicht-EU-Länder steht zur Debatte

„Wir hören von immer mehr Mitgliedsfirmen, dass sie am Standort Deutschland zwar festhalten wollen, neue Investitionen aber in anderen Ländern mit besseren Bedingungen tätigen“, sagte VDMA-Präsident Bertram Kawlath auf einer Pressekonferenz der Hannover Messe. Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass 40 % der befragten Unternehmen aufgrund des CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU (CBAM) über eine Verlagerung in Nicht-EU-Länder nachdenken. Mehr als ein Drittel rechnet zudem mit Stellenabbau infolge der Regelung.

Neben dem CBAM werden weitere EU-Vorgaben wie der Critical Raw Materials Act, der Digitale Produktpass und neue Verpackungsregeln als zusätzliche Belastungen genannt. Diese führten zu mehr Bürokratie und Kosten, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Der Verband fordert daher strukturelle Reformen, darunter schnellere Genehmigungsverfahren, weniger Berichtspflichten und eine stärkere Digitalisierung der Verwaltung. Auch steuerliche Entlastungen und Änderungen bei Arbeitszeitregelungen werden als notwendig angesehen.

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Wirtschaftliche Lage bleibt angespannt

In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 sank die Produktion im Maschinenbau real um 2,0 % gegenüber dem Vorjahr, die Bestellungen gingen um 9 % zurück. Die Kapazitätsauslastung lag im Januar bei durchschnittlich 77,1 %. Für das Gesamtjahr erwartet der VDMA dennoch eine leichte Erholung und bestätigt eine Produktionsprognose von real plus einem Prozent.

Digitalisierung und KI-Anwendungen vorantreiben

Parallel treibt die Branche ihre Digitalisierung voran. Laut VDMA nutzen 31 % der Unternehmen bereits Künstliche Intelligenz produktiv, weitere 37 % arbeiten an Pilotprojekten. Insgesamt beschäftigen sich 87 % der Firmen mit KI-Anwendungen. 59 % verfügen über eine Digitalisierungsstrategie, weitere 19 % planen diese kurzfristig. Drei von vier Unternehmen sehen sich digital mindestens auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb.

Zukunftstechnologie und potenzielle Wachstumsmärkte

Zukunftspotenzial sieht der Verband unter anderem in humanoiden Robotern. Laut einer Studie könnten hier bis 2040 Märkte mit Millionen verkaufter Einheiten jährlich und Umsätzen in Milliardenhöhe entstehen. Fortschritte in Sensorik, Aktorik und sogenannter physischer KI ermöglichen neue Einsatzfelder, insbesondere in der industriellen Produktion.

Zudem gewinnt der Verteidigungssektor an Bedeutung. Der Maschinenbau erzielt derzeit etwa 2 bis 5 % seines Umsatzes in diesem Bereich, dieser Anteil könnte sich innerhalb von drei bis fünf Jahren verdoppeln. Für die kommenden Jahre wird ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich erwartet.

Internationale Konkurrenz wächst

Der internationale Wettbewerbsdruck nimmt weiter zu. Chinesische Anbieter haben technologisch aufgeholt und bieten ihre Produkte laut VDMA häufig 30 bis 50 % günstiger an. Gleichzeitig belasten neue US-Zölle das Exportgeschäft. Auch geopolitische Unsicherheiten, steigende Energiepreise und Störungen in Lieferketten wirken sich negativ auf die Branche aus.

Die Beschäftigung im Maschinenbau ist rückläufig. Ende 2025 waren in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten knapp eine Million Menschen tätig, 2,6 % weniger als im Vorjahr. Der Verband rechnet mit einem weiteren Rückgang.

Als wichtiger Markt in Lateinamerika gilt Brasilien. Das Land belegte 2025 mit einem Exportvolumen von rund 2,7 Mrd. Euro Rang 19 unter den Absatzmärkten für deutsche Maschinenbauer. Besonders gefragt sind Produkte aus den Bereichen Antriebstechnik, Fördertechnik sowie Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen.

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