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Artikel und Hintergründe zum Thema

Lapp

Friederike Schmidt | Redaktion: Inka Krischke,

Stromversorgung und Datenverarbeitung in einem Kabel

Neue Technologien verdrängen alte, könnte man denken. Doch nicht jede Technologie wird einfach ‚abgelöst‘, manche behaupten sich bis heute. Das Unternehmen Aerocom zum Beispiel setzt nach wie vor auf die Entwicklung von Rohrpostanlagen, mit Sonderleitungen von Lapp.

Die Rohrpost kennen die meisten Menschen heute aus dem Krankenhausbetrieb, zum Beispiel für den schnellen Versand von Blutproben ins Labor oder von Blutkonserven in den Operationssaal. Darüber hinaus ist sie aber beispielsweise auch in Industrieanlagen, Supermärkten, Apotheken, Banken und großen Firmen im Einsatz. Rohrpostanlagen für die unterschiedlichsten Kunden fertigt unter anderem seit 1956 die Firma Aerocom. Am Grundprinzip, wie die Büchsen durch die Rohre geschickt werden, hat sich nicht viel verändert.

Die Rohrpostanlage

Die Anlagen bestehen aus einem System aus Kunststoff- oder Metallröhren, in denen zylindrische Behälter, die sogenannten Büchsen, transportiert werden. Dabei verfügt das System über verschiedene Einwurf- oder Entnahmestellen inklusive Klappen oder Schleusen, die angesteuert werden können. Bewegt wird das Transportgut mittels Druck- oder Sogluft, die die Büchse mit einer Geschwindigkeit von circa 6 bis 10 m/s durch die Rohre schiebt oder durch ein Vakuum, das die Behälter vom Zielpunkt aus ansaugt. Über eine Steuerzentrale kann die Luftströmung reguliert und mittels automatischer Weichen und einer elektronischen Steuerung jede Büchse an die richtige Zielstation geleitet werden.

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Kunden von Aerocom nutzen die Rohrpost zum einen, weil sie schnell, sicher und zuverlässig ist, und zum anderen als Sonderprojekte, die die Anlagen quasi zu Kunstwerken machen. Stahlwerke zum Beispiel gehören zur ersten Gruppe: Dort werden mit den Rohrpostsystemen heiße Stahlproben in Alu- oder Edelstahlbüchsen versandt, um gegebenenfalls Mischverhältnisse anzupassen und so wenig Produktionszeit wie möglich zu verlieren. Auch Tankstellen gehören zu den Anwendern und senden mit der Rohrpost Bargeld nach dem Bezahlvorgang sicher und unauffällig in den hauseigenen Tresor.

An den Einwurf- oder Entnahmestationen werden die Rohrpostbüchsen versandt und auch wieder entnommen. Durch die Eingabe einer Codenummer landen sie am richtigen Ziel. © Lapp

Zur zweiten Gruppe zählt beispielsweise eine Installation im Münchner Patentamt oder auch ein Kreuzfahrtschiff, das seine Rutschenanlage mit einem Rohrpostsystem ergänzt hat, um Brillen, die beim Rutschen getragen werden, wieder zum Rutscheinstieg zurückzubefördern.

Schneller Transport

Dass sich die Rohrpost so lange behaupten konnte, liegt an der Art und Weise des Transports. So ist sie beispielsweise In Krankenhäusern, in denen vieles zeitkritisch ist, die schnellste Option, um etwas von A nach B zu befördern. Zudem gilt sie als zuverlässig, sicher, günstig und langlebig. Weiterhin sind die Rohrposten unempfindlich gegenüber Hacking: Bei einem Versand mit der Rohrpost können Daten nicht einfach abgegriffen werden, wie es bei digitalen Informationen möglich sein kann. Die einfache, aber intelligente Technologie hinter dem System macht den Menschen zum größten und beinahe einzigen Risikofaktor.

Weitere positive Aspekte: Für den Rohrpost-Betrieb wird vergleichsweise wenig Strom benötigt, die Anlagen bedürfen wenig Wartung und sowohl Büchsen als auch Rohrsysteme weisen erst nach längerer Zeit Anzeichen von Verschleiß auf. Auch die Reinigung ist einfach: Jede Büchse ist mit Büchsenringen aus einem weichen Flauschbelag ähnlich dem Material eines Klettverschlusses versehen, die zur Reibungsminderung im Rohrsystem und zur Abdichtung für die optimale Nutzung der Luftströmung genutzt werden. Gleichzeitig ‚fegen‘ sie bei jedem Versand manuell durch das Rohrsystem und halten es staubfrei.

Platzsparende Sonderleitung

Rohrpostsysteme sind über die Jahre immer komplexer geworden. © Lapp

Über die Lebenszeit der Rohrpost hat sich allerdings die Menge der Daten verändert, die für die Steuerung der immer komplexer gewordenen Systeme anfallen. Neben einer zuverlässigen Energieversorgung benötigen die Anlagen daher auch eine Steuerleitung, über die alle Daten sicher und schnell übermittelt werden können. Da es aber schwierig wäre, bei der Montage der Systeme zwei Kabel zu verlegen, brauchte Aerocom eine Sonderleitung, die Strom und Daten vereint und bei der Installation Platz und Zeit spart.

Diese Sonderleitung liefert Lapp. Für Aerocom entwickelte das Unternehmen eine kundenspezifische Lösung: Eine Leitung, die Energieversorgung und Datenübertragung platzsparend und mit zwei verschiedenen Spannungen in einem Kabel vereint. Um dabei die technische Sicherheit zu gewährleisten, bedarf es einer entsprechenden Isolation. Das Kabel

läuft an den Rohren der Rohrpost entlang. Die 24 V des Kabels versorgen in der Regel alle Geräte und Weichen des Systems mit Energie, sodass die Entnahmestationen keinen zusätzlichen Netzanschluss benötigen. Aerocom bezieht zwei Ausführungen der Sonderleitung: In vielen Fällen kann eine Leitung mit PVC-Mantel eingesetzt werden, in Bereichen mit hohen Sicherheitsanforderungen an den Brandschutz – Krankenhäusern oder öffentlichen Gebäuden beispielsweise – greift Aerocom auf eine halogenfreie Variante zurück.

Friederike Schmidt betreut den Bereich Press Communications bei Lapp in Stuttgart. © Lapp

Die Zusammenarbeit der Unternehmen besteht auch in Zukunft weiter, wobei die Sonderleitungen noch weiterentwickelt werden, da die Anlagen heute alle zentral rechnergesteuert sind. Bei besonders großen Projekten wie etwa im Heidelberger Uniklinikum werden pro Tag 4000 Büchsen über 35 km Rohre an rund 190 Stationen auf dem Gelände versandt. All das generiert eine große Menge an Daten, die gegen elektromagnetische Störeinflüsse geschützt werden müssen. 

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