Harting
Herausforderung Schnittstellenkompatibilität
Eine leistungsstarke und gleichzeitig nachhaltige Industrie lässt sich für Harting mit der Vision der All Electric Society umsetzen. Welchen Beitrag die Verbindungstechnik der Technologiegruppe dazu leistet, erläutern Norbert Gemmeke, Jörg Scheer und Detlef Sieverdingbeck.
Kurz erklärt: Was genau ist die ‚All Electric Society‘?
Norbert Gemmeke: Die AES ist die Vision einer auf Basis grüner Energie automatisierten, digitalisierten und elektrifizierten industriellen Welt. Eine wesentliche Rolle kommt dabei der Kopplung von Sektoren zur effizienten Nutzung von Energie zu. Nur damit lässt sich die notwendige Dekarbonisierung erzielen. Die Umstellung auf die Erzeugung und Nutzung grüner Energie ist bereits in vollem Gange, die neue Anforderungen an die Konnektivität stellt.
Wie positioniert sich Harting strategisch angesichts des Trends zur vollständigen Elektrifizierung? Welche Chancen sehen Sie für Ihr Unternehmen?
Gemmeke: Die Firma Harting hat abgeleitet aus ihrer Vision ‚Shaping the future with technologies for people‘ einen hohen Unternehmensanspruch in Bezug auf die Nachhaltigkeit in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung ihrer Produkte. Die Nachhaltigkeit ist Teil unserer Unternehmens-DNA. Die Elektrifizierung erfüllt einen wesentlichen Anspruch der Nachhaltigkeit. Daher sagen wir ‚Connecting the All Electric Society‘.
Jörg Scheer: Alle elektrifizierten oder zu elektrifizierenden Applikationen in den Sektoren Industrie, Mobility, Infrastructure, Energy und Agriculture, die einen industriellen Anspruch an Steckverbindungen haben, sind daher für Harting strategisch sinnvoll. In der Übertragung der beiden Lebensadern ‚Power‘ und ‚Data‘ mittels Konnektivität sehen wir nachhaltige Wachstumschancen. Ohne Konnektivität lässt sich eine All Electric Society nicht verwirklichen.
Die Sektorenkopplung, also die Vernetzung der Sektoren der Energiewirtschaft sowie der Industrie, ist Dreh- und Angelpunkt einer All Electric Society. Worum geht es hier konkret?
Gemmeke: Es geht darum, Energie in jeglicher Form – elektrische, Wärme kinetische Energie – optimal zu nutzen, das heißt, zum Beispiel Bremsenergie eines Elektromotors nicht in elektrischen Widerständen in Wärme zu wandeln, sondern in Batterien zu speichern. Oder Sonnenenergie in elektrische Energie zu wandeln, zu speichern und dann in Wärmeenergie zu wandeln.
Welches sind die brennendsten Herausforderungen derzeit?
Detlef Sieverdingbeck: Die größte Herausforderung liegt derzeit darin, bezahlbare grüne Energie zu produzieren.
Scheer: Die Sektoren und die Applikationen miteinander zu koppeln, bedeutet, dass man Schnittstellenkompatibilität herstellen muss. Diese ist nicht immer gegeben, da verschiedenste Gewerke, Verbände, et cetera anfangen müssen, die Anforderungen miteinander zu synchronisieren.
Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten technischen Hürden?
Sieverdingbeck: In die Entwicklung einer entsprechenden leistungsstarken Netzinfrastruktur, um ausreichend Energie bereitzustellen.
Scheer: Schnittstellenkompatibilität herzustellen.
Gemmeke: Fehlende durchgängige Softwarelösungen zum Energiemanagement.
Welche globalen Trends beobachten Sie im Markt für elektrische Systeme, und wie bereiten Sie sich darauf vor?
Scheer: Hohe Ströme bedürfen neuer Steckverbinder. Die Standardisierung von Datenschnittstellen wird zum Beispiel mit der Entwicklung eines SPE-Portfolios beantwortet.
Inwiefern spielen strategische Partnerschaften und Kooperationen eine Rolle in Ihrer All Electric-Strategie?
Sieverdingbeck: Strategische Partnerschaften und Kooperationen spielen eine große Rolle. Allein lässt sich eine automatisierte, digitalisierte und elektrifizierte industrielle Welt nicht realisieren. Es bedarf der Zusammenarbeit vieler. Diese neuen Ecosysteme sind die neuen Treiber für Innovationen.
Welche Rolle spielen Standards und Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Industriezweigen?
Sieverdingbeck: Das ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen, und wir gehen diese in unserer Gremien-Arbeit an. Es braucht standardisierte Schnittstellen, sei es für Hardware oder Software. Nur so lassen sich Sektoren koppeln, Systeme optimieren und Energieeffizienz steigern.
Welche Vorteile bietet der Einsatz von digitalen Zwillingen und Simulationen bei der Entwicklung und Optimierung elektrischer Systeme?
Scheer: Entwicklungen können beschleunigt und simuliert werden.
Gemmeke: Der Digitale Zwilling bietet die umfassende Abbildung des Steckverbinders. Er integriert alle Daten inklusive des Digitalen Produkt Pass. Gleichermaßen wird über den Digitalen Zwilling der Produktlebenszyklus des Produktes abgebildet. Dieses bietet zusätzliche Informationen, die für unterschiedliche Zwecke genutzt werden können.
Welche digitalen Trends halten Sie für entscheidend, um den Übergang zur All Electric Society weiter voranzutreiben? Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz?
Scheer: Die Automatisierung als Teil der Digitalisierung ist der Schlüssel in der All Electric Society, um die Sektorenkopplung und den Energiefluss zwischen den Applikationen sicherzustellen. KI wirkt hier zusätzlich als Booster und steigert zusätzlich die Effizienz der Sektorenkopplung.
Wie sieht Hartings Roadmap aus? Welche kurz- und langfristigen Ziele haben Sie im Rahmen Ihrer All Electric-Strategie definiert?
Gemmeke: Kurz- und langfristig werden immer höhere Stromtragfähigkeiten für den AC- und DC-Einsatz notwendig werden. Hierzu müssen passende Kontakt-Geometrien und Beschichtungen entwickelt werden. Mit höheren Übertragungsleistungen werden auch die Spannungslevel steigen. Die Connectivity AI wird weitere Fortschritte machen und eine erhebliche Rolle bei der Entwicklung spielen.
Auf welche Bereiche fokussieren Sie sich derzeit?
Gemmeke: Wir fokussieren uns auf die folgenden Sektoren: Industry, Mobility, Infrastructure, Energy, Agriculture mit dem Schwerpunkt auf die Lebenslinien Power und Data.
Was haben Sie bereits an konkreten Produkten für die All Electric Society? Was zeigen Sie diesbezüglich auf der Hannover Messe?
Gemmeke: Wir zeigen Lösungen für die Wasserstoff-Industrie, neueste Konnektivitätslösungen für die Robotik und Mobilitätsanwendungen sowie eine Industrial AI-Lösung zur Entwicklung fortschrittlicher Konnektivität.
Wie schätzen Sie die Resonanz des Marktes auf die All Electric Society ein?
Scheer: Die Entwicklung zur All Electric Society ist weltweit im vollen Gange. Nur wird diese Umsetzung nicht überall so genannt. Die Elektrifizierung schreitet unaufhaltsam voran. Die Vernetzung und Digitalisierung wird heutzutage bei jeder Applikation quasi zum Standard. Wir bekommen viel Lob vom Markt für unsere klare Positionierung.













