Plagiarius 2017

Davina Spohn,

Produktfälscher am Pranger

Die Aktion Plagiarius hat am 10. Februar zum 41. Mal den gleichnamigen Schmäh-Preis an Produktfälscher und Nachahmer verliehen. Neben Konsumgütern gehören auch immer wieder Industriekomponenten zu den gefälschten Produkten. So auch in diesem Jahr.

© Aktion Plagiarius e.V.

Der vor 40 Jahren ins Leben gerufene Negativ-Preis ‘Plagiarius’ “kürt” Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen. Er hat zum Ziel, die unseriösen Geschäftspraktiken von Nachahmern ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Industrie, Politik und Verbraucher sollen für die Problematik sensibilisiert werden.

Wie die Aktion Plagiarius bei der Verleihung auf der Konsumgütermesse Ambiente 2017 betonte, will sie mit der Auszeichnung nichts darüber aussagen, ob die jeweilige Nachahmung im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Die Aktion Plagiarius will lediglich auf die Probleme betroffener Unternehmen aufmerksam machen und die Meinung äußern, "dass plumpe 1:1 Nachahmungen einfallslos und moralisch verwerflich sind". Der Verein verdeutlichte, "dass legale Wettbewerbsprodukte, die einem Trend folgen, sich aber optisch und technisch ausreichend vom Original unterscheiden und somit fairen Wettbewerb beleben, ausdrücklich erwünscht sind".

Zum Prozedere der Preisträger-Auswahl: Bevor die jährlich wechselnde Plagiarius-Jury aus allen Einsendungen die Preisträger wählt, werden die vermeintlichen Plagiatoren schriftlich auf ihre Nominierung hingewiesen und erhalten die Möglichkeit zur Stellungnahme. Neben allgemeinen fallbezogenen Informationen fließen auch diese Reaktionen – sofern genutzt – mit in die Bewertung ein. Aus Angst vor öffentlicher Blamage haben über die Jahre hinweg zahlreiche Nachahmer noch vor der Jurysitzung eine Einigung mit dem Originalhersteller gesucht und es wurden z. B. Restbestände der Plagiate und Fälschungen vom Markt genommen, Unterlassungserklärungen unterschrieben oder aber Lieferanten preisgegeben.

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Internet und Globalisierung als Risiko

Die Aktion Plagiarius erachtet das Internet und die digitale Kommunikation aktuell als hauptverantwortlich für die rasante Zunahme von Produkt- und Markenpiraterie. Obwohl internationale Polizeibehörden jährlich zehntausende Internetseiten wegen Handel mit gefälschten Produkten erfolgreich schließen lassen, ist das Angebot rechtswidriger Marken- und Designprodukte ungebrochen hoch. Meist setzen die Betrüger ihr Geschäft binnen kürzester Zeit unter neuem Firmen- und Domainnamen erfolgreich fort, so der Verein. Diese bequeme Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit großer Mengen vermeintlicher Markenprodukte zum Spottpreis aus aller Welt verführen zum Kauf. Getäuscht werden die Kunden etwa mit Fotos der Originalprodukte sowie gefälschten Kundenbewertungen und Qualitätssiegeln. Leichtgläubige Schnäppchenjäger folgen zudem oftmals Empfehlungen aus sozialen Netzwerken und klicken allzu schnell und kritiklos auf „Kaufen“, ohne Impressum, Zahlungsbedingungen, Widerrufmöglichkeiten und die allgemeine Seriosität des Anbieters sorgfältig zu prüfen. Dabei ist es gerade beim Kauf im Internet wichtig, genau hinzusehen und auf seinen gesunden Menschenverstand zu hören, so die Aktion Plagiarius. Experten der Verbraucherzentralen warnen beispielsweise bei auffallend fehlerhaften Texten und insbesondere bei „Vorkasse“ als einziger Zahlungsmöglichkeit vor dem Kaufabschluss. Denn: Die Erfahrung geprellter Käufer zeigt, dass eine Rückabwicklung des Geschäfts bei unseriösen Anbietern in der Regel nicht möglich ist. Die Betreiber von Fake-Shops verstecken sich erfolgreich hinter der Anonymität des World Wide Web und auch Anbieter auf großen Online-Marktplätzen benutzen häufig Scheinidentitäten und wechseln teils täglich ihre Accounts.

Mehr Wertschätzung fürs Original

Für die betroffenen Originalhersteller sind ungerechtfertigte Reputationsschäden, hervorgerufen durch minderwertige Plagiate und Fälschungen, meist noch gravierender als die tatsächlichen finanziellen Schäden aufgrund nicht realisierter Umsätze. Laut Plagiarius wenden sich enttäuschte Kunden möglicherweise von der Marke ab und beeinflussen weitere Kunden mit ihren Negativäußerungen. Produktentwicklung ist aber ein zeit- und kostenintensiver Prozess und in jedem neuen Produkt stecken viel Kreativität, Know-how und Herzblut. Die Aktion Plagiarius betont daher: Für Markenhersteller ist es daher enorm wichtig, dass Käufer ihre Produkte und die dahinter stehende schöpferische Leistung wieder stärker wertschätzen. Sie müssen die Verbraucher für ihr Originalprodukt begeistern und sie vom Mehrwert gegenüber optisch identischen, aber minderwertigen Plagiaten und Fälschungen überzeugen. Markenhersteller sollten daher nicht nur in Markenschutz, sondern verstärkt auch in Verbraucherschutz und Verbraucher-Aufklärung investieren, um mehr Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.

Der Zoll unterstützt im Kampf gegen Plagiate

Laut EU-Kommission haben die EU-Zollbehörden allein 2015 mehr als 40 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von mehr als 650 Mio. Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt – ein Plus von 15 % gegenüber 2014. Die Mehrheit der festgehaltenen Waren kam auch 2015 aus China und Hongkong. Zu den Herkunftsländern gehörten etwa auch die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei und Indien. Die EU-Zoll-Statistiken können aber nur einen Teil des weltweiten Problems zeigen, so die Aktion Plagiarius. Sie stellt klar: Viele asiatische Firmen haben sich von der verlängerten Werkbank des Westens hin zu ernsthaften Mitbewerbern auf den Weltmärkten entwickelt, die selbst gewerbliche Schutzrechte anmelden und diese konsequent gegen Nachahmer durchsetzen. Hinzu kommt, dass die Auftraggeber beziehungsweise Importeure von Plagiaten oftmals aus Industrieländern kommen. Auch unter den Nominierten für den Negativ-Preis ‚Plagiarius‘ befinden sich seit Jahren immer mehr europäische Firmen, häufig stammen der Originalhersteller und der vermeintliche Plagiator sogar aus demselben Land. Zunehmend handelt es sich bei den Nachahmern um ehemalige Produktions- oder Vertriebspartner. Sehr gezielt prüfen die Täter heutzutage bei erfolgreichen Produkten von Mitbewerbern die Existenz von gewerblichen Schutzrechten. Sind keine Schutzrechte eingetragen, werden ohne Skrupel 1:1 Plagiate hergestellt. Die Aktion Plagiarius rät daher: Für eine bestmögliche Abwehr von Produkt- und Markenpiraterie sollten Firmen auf eine ganzheitliche Strategie aus juristischen, organisatorischen und technischen Maßnahmen setzen.

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