Smart Kameras

Matthias May | Inka Krischke,

Code-Lesen leicht gemacht

Leergut- und Vollkastenkontrollen, Flaschenkontur- und Deckel-Schrägsitz-Erkennungen oder Füllhöhen- sowie Etikettenkontrollen – das Spektrum von Kontrollsystemen in Getränke-Abfüllanlagen ist breit. In einer Sektkellerei übernehmen intelligente Kameras die Kontrolle von 2D-Data-Matrix-Codes.

© Leuze electronic

"Kontrollsysteme in Getränke-Abfüllanlagen sind häufig sehr individuelle Lösungen, die zwischen einzelnen Prozessschritten implementiert werden", erzählt Bernhard Voigt, Geschäftsführer der Firma Voigt Technology, die sich auf die Entwicklung und Realisierung von Lösungen in allen Bereichen der Prozess- und Qualitätskontrolle in der Getränkei-Industrie spezialisiert hat. Häufig seien es neue Kontrollschritte, die aufgrund wachsender Qualitätsanforderungen oder im Zuge von Anlagenerweiterungen in bestehenden Anlagen zu ergänzen sind, erklärt Bernhard Voigt.

Eines der jüngsten Projekte von Voigt ist die Ausstattung von Abfüll-Linien in der Sektkellerei Herres in Trier mit Kontrollsystemen zur Erkennung und Überprüfung von aufgedruckten 2D-Data-Matrix-Codes auf Sektkartons. Als Kernkomponenten nutzt Voigt Sensoren von Leuze electronic, bei Herres die Smart Kameras der Baureihe 'LSIS 400i'. Sie vereinen alle notwendigen Komponenten zur Bildverarbeitung – einschließlich Beleuchtung, Datenspeicher und Schnittstellen inklusive Display für Bedienung und Ergebnis-Anzeigen – in einem Gerät. So sind weder eine zusätzliche Anschalteinheit noch eine separat zu installierende Parametriersoftware notwendig. Die Geräte kombinieren Funktionen zur Qualitätskontrolle (Messfunktion) und Code-­Lesung in einem Gerät.

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In der Sekt­kellerei Herres nutzt Voigt die Smart Kameras 'LSIS 400i' von Leuze electronic, um Kontroll­systeme für die Getränke­industrie zu realisieren.

© Leuze electronic

Von speziellem Vorteil in Bezug auf die feuchte Umgebung in der Getränke-Produktion ist die industrietaug­liche Ausführung der Smart Kameras im Metallgehäuse. Zudem bieten die Geräte Merkmale wie die motorische Fokusverstellung und eine spezielle homogene Beleuchtung: Die motorische Fokusverstellung ermöglicht einen flexiblen Einsatz für Applikationen mit variierenden Kamera-Abständen. Fokus-Einstellungen erfolgen automatisch über die Programm-Umschaltung und müssen nicht manuell durch­geführt werden. So sind die jeweils ­optimalen Einstellungen jederzeit reproduzierbar.

Anstelle von LEDs nutzt Leuze electronic eine spezielle Optik, die ein rechteckig intensiv ausgeleuchtetes Bildfeld liefert, das in einer Entfernung von 50 bis 250 mm zum Prüfobjekt besonders homogen ist. Mit ­solchen detailreicheren Aufnahmen erfolgt die Bildverarbeitung schneller und sicherer.

Prozesssicher mit BLOBs

Die prozesssichere Realisierung unterschiedlicher Kontrollaufgaben wird vor allem durch die Binary-Large-Object-Analyse (BLOB) unterstützt. Ein BLOB kennzeichnet einen zusammenhängenden Bereich von Bildpunkten (Pixel), deren Lichtintensität zwischen definierten Grenzwerten liegt. Durch die Einstellung von BLOB-Merkmalen lassen sich einzelne Objekte oder Objektgruppen sicher erkennen und unterscheiden – selbst dann noch, wenn andere Verfahren bereits fehlerhafte Ergebnisse liefern. Zur Bewertung von Objekten stehen Kriterien wie Fläche, Umfang, Formfaktor sowie Höhe oder Breite, Länge, Winkel und Mittelpunkt zur Verfügung. Eine Fläche ist beispielsweise die Summierung der in einem BLOB eingeschlossenen Pixel, gegebenenfalls einschließlich möglicher Freiflächen innerhalb des BLOBs. Ein Umfang wird über die Länge der äußeren Konturlinie eines BLOBs in Pixel definiert. Das BLOB-Erkennungstool von Leuze electronic bietet zudem die Möglichkeit, verschiedene Erkennungsmerkmale zusammenzufassen.

Die Parametrierung der Smart Kameras erfolgt direkt über den Webbrowser: Dank der Parametrieroberfläche 'webConfig' erübrigt sich die Installation ­einer speziellen Software auf einem ­separaten Rechner. Der Zugang zum Gerät erfolgt via Ethernet.

Code-Kontrolle und Prozessüberwachung

Die Smart Kameras lesen auf Karton gedruckte 2D-Data-Matrix-Codes.

© Leuze electronic

Die Anbindung der Smart Kameras erfolgt über eine von Voigt entwickelte Steuereinheit, die die jeweilige Daten­erfassung und -verarbeitung sowie die Kommunikation mit übergeordneten Anlagensteuerungen übernimmt. "Ein wesentlicher Grund für den Einsatz von LSIS 462i in den Code-Kontrollstationen bei Herres ist die integrierte RS-232-Schnittstelle. Mit einer zusätzlichen Anschaltbox lassen sich die Daten komfortabel in übergeordnete Bussysteme – bei Herres ist dies Profibus – über­tragen", betont Bernhard Voigt. Die elementare Aufgabe der Code-Lesesta­tionen ist die Kontrolle der zuvor auf die Kartons aufgedruckten 2D-Data-Matrix-Codes auf Vorhandensein und Lesbarkeit. Während für die reine ­Anwesenheits- und Lesbarkeitskontrolle die vorhandenen E/A-Schnittstellen aus­reichen, um gegebenenfalls einen ­Bandstopp auszulösen, ist für die Datenübertragung zum Zentralrechner die Profibus-Schnittstelle nötig.

Die Kameras erkennen die 2D-Data-­Matrix-Codes selbst bei hohen Geschwin­digkeiten von bis zu 6.000 Kartons pro Stunde.

© Leuze electronic

Die Kontrollen erfolgen im Durchlauf bei teils recht hohen Geschwindigkeiten mit bis zu 6.000 Kartons pro Stunde. Erschwerend kommt hinzu, dass je nach Produkt die Codes an ­unterschiedlichen Positionen auf die Kartons aufgedruckt werden. Aus diesem Grund ist der Drucker mit fünf Druckköpfen in unterschiedlichen ­Höhen ausgestattet. "Das Fenster, in dem sich die Codes befinden können, ist immerhin 50 mm hoch. ­Außerdem sind die Codes auf den ­Kartons horizontal unterschiedlich positioniert", erläutert Bernhard Voigt. Hier hilft die sogenannte Lesetor-Steuerung, bei der ein Rotlichttaster von Leuze ­electronic ein Triggersignal ­erzeugt, das wiederum eine gepulste Beleuchtung und solange die Bildaufnahme auslöst, bis der Code zuverlässig erkannt wird. Zudem sind die Smart Kameras in einem solchen Abstand an den Förderstrecken montiert, dass sich ein großes Bildfeld ergibt, in dem die Codes in jeder mög­lichen Höhe erfasst werden.

Der im Gerät integrierte Referenzcode-Vergleich ermöglicht neben der reinen Kontrolle auf Vorhandensein und Lesbarkeit den Abgleich auf Richtigkeit des aufgedruckten Codes. Die Code-Lesestationen bieten die Option, bestimmte Qualitätsparameter der gelesenen Codes zu ermitteln und auszuwerten. So lässt sich direkt nach dem Drucken eines Codes dessen Güte beziehungsweise die sichere Lesbarkeit mit beliebigen anderen Geräten sicherstellen. Das heißt, bei der Kennzeichnung ­können fernerhin Qualitätsmerkmale erfasst, ausgewertet und zur Prozess­sicherheit genutzt werden, um beispielsweise rechtzeitig Korrekturen ­bezüglich der Druckqualität durch­zuführen.

Autor:
Matthias May ist Technischer Redakteur im Bereich Marketing Kommunikation bei Leuze electronic in Owen.

Die Sektkellerei ­Herres

1954 gründeten Peter und Hans Herres eine der ersten Sektkellereien an der Mosel. Heute ist die Herres-Gruppe internationaler Anbieter klassischer und innovativer Getränke in den Segmenten Sekt, Frizzante, Cocktails, Premixes, alkoholfreie Wellnessdrinks oder auch Bio-Getränke. 110 Mitarbeiter und vier Abfüllanlagen schaffen eine Tagesfüll­leistung von 650.000 Flaschen, in Flaschengrößen von 0,2 bis 1,5 l. Hinzu kommen Dosen in Größen von 0,2 bis 0,33 l.

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