Hochschule Mainz

Christian Schultz, dpa/Annina Schopen,

Oktopus sammelt Pfandflaschen beim Mainzer Rosenmontagszug

Studierende der Hochschule Mainz bauen ein nachhaltiges Gefährt: Ein Oktopus aus Abfallmaterialien wird beim Rosenmontagszug Pfandflaschen sammeln und auf die Plastikmüllproblematik aufmerksam machen.

Studierende präsentieren im Innenhof der Hochschule Mainz den Stand der Vorbereitungen für ihren Rosenmontagswagen „Meerwert – Helau“. © Arne Dedert/dpa

Mainz (dpa/lrs) - Obstnetze, Plastikfolien, Kunststoffhandschuhe, viel Handarbeit: Das ist der Stoff, aus dem die närrischen Träume eines Teams der Hochschule Mainz sind. Studierende aller drei Fachbereiche Wirtschaft, Gestaltung und Technik haben über Monate Abfall gesammelt und bauen ein Gefährt, das beim Mainzer Rosenmontagszug mit dabei sein wird.

Blickfang der Konstruktion ist ein großer Oktopus, der gerade noch in einem Zelt im Innenhof des Hochschulkomplexes in der Altstadt entsteht. Der Clou der Aktion, die unter dem Motto „Meerwert – Helau“ steht: Der Oktopus wird während des Zuges Pfandflaschen einsammeln, soll so bei allem Feiern auf Probleme mit Plastikmüll in Meeren und Müllbergen an Fastnacht aufmerksam machen.

Muskelkraft als Antrieb

Die Hochschule Mainz ist zum zweiten Mal beim Rosenmontagszug dabei, wie Bernhard Ostheimer, Professor für Wirtschaftsinformatik, erklärt. Dieses Mal haben fünf Teams Entwürfe ausgearbeitet, zwei seien sehr ähnlich gewesen. Daraus entstehe nun der Wagen mit dem achtarmigen Oktopus, der wiederum von einem Tandem mit 13 Sitzen gezogen werden wird. Für das ganze Projekt soll so gut wie nichts neu gekauft werden - Nachhaltigkeit soll großgeschrieben werden. Das Tandem sei übernommen worden, sagt Ostheimer, der Hänger bereits im vergangenen Jahr genutzt worden. Die Kostüme werden aus den gesammelten Wertstoffen geschneidert. Ganz ohne Geld gehe es allerdings nicht, sagt Ostheimer, allerdings hätten sich die Ausgaben mit geschätzt 3000 Euro bislang sehr in Grenzen gehalten.

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Paketbänder, Folie und Obstnetze

Bahnen aus recyceltem Plastik liegen in einem Werkraum der Hochschule Mainz für den Bau des Rosenmontagswagens bereit. © Arne Dedert/dpa

Material wurde in vier Tonnen im Hof der Hochschule gesammelt sowie bei einer Säuberungsaktion am Rhein und bei Unternehmen. Das Spektrum reicht von Verpackungsresten über Kantenschoner, wie sie bei Möbeltransporten eingesetzt werden, bis hin zu Paketbändern. Ein Unternehmen, das Netze für Obstkisten herstellt, schickte etwa eine ganze Kiste an fehlerhaften Exemplaren, die nun einer völlig anderen Verwendung zugeführt werden.

Seit Monaten sitzt das Hochschulteam an Mittwochabenden und immer häufiger auch an Wochenenden in dem Hochschulkomplex unweit der Zugstrecke und werkelt. Material wird nach Farben und Oberflächenbeschaffenheit sortiert - neben transparenter Folie ist vieles in den Mainzer Fastnachtsfarben Rot, Weiß, Blau und Gelb gehalten.

Aus der Folierpresse kommt der Stoff für ein Hosenbein

Vorher mit Netzteilen oder Handschuhteilen verzierte Folie kommt in eine Folierpresse, sie verbindet das Material. Je nach Größe werde geschaut, für was das jeweilige Teil verwendet werden könne, sagt eine der Studentinnen, greift sich eines und sagt: „Das hier wird ein Hosenbein.“ Rund 50 Mal an einem Tag komme die Presse zum Einsatz, sagt Projektleiterin Naomi Neumann. Viele Handgriffe habe sich die Gruppe selbst beigebracht. „Wir haben viel ausprobiert.“

In einem anderen Raum entstehen die Tentakel für den Oktopus, sie werden aus Paketbändern und Folie geflochten. Das aus mehr als 20 Köpfen bestehende Kernteam komme inzwischen bestimmt auf jeweils 200 bis 220 Arbeitsstunden seit Anfang Oktober, erklärt Professor Ostheimer.

„Wir sind quasi die Plastikfischer“

Studentin Anna Beckers hilft Kai Krautsieder in einem Werkraum der Hochschule Mainz bei der Kostümanprobe. © Arne Dedert/dpa

Verkleidet sein wird die närrische Truppe mit der besonderen Botschaft mit Fischeranzügen samt Latzhosen und Hüten. „Wir sind quasi die Plastikfischer“, sagt Neumann. Alles ist weit geschnitten für genügend Bewegungsfreiheit beim Radeln auf dem Tandem - und damit bei kaltem Wetter ausreichend wärmende Kleidung darunter passt. Student Kai Krautsieder schlüpft gerade zum ersten Mal in sein Kostüm. „Ich find's toll“, sagt er. Besonders gefalle ihm, dass die Aktion mit einer Botschaft zugunsten der Umwelt verbunden sei. Immer wenn beim Rosenmontagszug am 3. März eine Pfandflasche mehr dazukommt, wird ein Knopf gedrückt, schon erscheint auf großen LED-Paneelen an beiden Seiten des Hängers der Zugnummer 108 die aktuelle Zahl gesammelter Flaschen. Das mit dem Pfand eingenommene Geld soll einer Organisation zugutekommen, die sich für das Sammeln von Müll in Meeren, Seen und Flüssen engagiert.

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