Interview: wireless Sensornetzwerke

Stefan Kuppinger,

WirelessHART versus ISA100.11a - ein Politikum

Fieldbus Foundation, HART Communication Foundation (HCF), PNO und wichtige Automatisierungshersteller hätten WirelessHART gerne als Teil der ISA100-Standards für drahtlose Sensornetzwerke gesehen. Momentan stocken jedoch die Arbeiten des Konvergenz-Subkomitees der International Society of Automation. Jean-Luc Griessmann, Manager der HART Communication Foundation Europe, zum aktuellen Status.

Herr Griessmann, 2008 wurde von der ISA100.11a ein Subkomitee mit dem Ziel gegründet, die Zusammenlegung von WirelessHART mit der ISA-Spezifikation zu untersuchen. Was ist seitdem geschehen?

Griessmann: Die Frage sollten Sie eher der ISA stellen als uns. Die HART Communication Foundation war in diesen Unterausschuss nie direkt involviert. Wir haben immer nur beratend an einigen Sitzungen teilgenommen, um den Komitee-Mitgliedern die WirelessHART-Technologie zu erklären und Missverständnisse auszuräumen. Allerdings sind aus meiner Sicht bei dem Unterausschuss keine wesentlichen Fortschritte zu verzeichnen.

Welche Ursachen machen Sie für diese Entwicklung verantwortlich?

Griessmann: Das Problem ist vor allem politischer und nicht technischer Natur. Die WirelessHART- und die ISA100.11a-Spezifikationen haben sehr ähnliche Strukturen. Die größten Unterschiede liegen auf der Bit- und Byte-Ebene des Protokolls. WirelessHART ist speziell auf die Prozess-Automation zugeschnitten und baut auf dem weltweit anerkannten Kommunikations-Protokoll und der Infrastruktur von HART auf, das bedeutende Automatisierungslieferanten weltweit unterstützen. Das ISA100.11a-Komitee scheint nun ein völlig neues Protokoll zu entwickeln, das Anwender und Hersteller zuerst verstehen und von Null an in Geräte implementieren müssen - mit allen damit verbundenen Risiken.

Warum sollte die ISA WirelessHART implementieren, wenn damit gerade zwei der sechs ISA-Anwendungsklassen abgedeckt werden?

Griessmann: Es gibt eine Menge Verwirrung hinsichtlich dieser Anwendungsklassen und welche in Verbindung mit den heutigen Batterie-Technologien bei Wireless-Applikationen überhaupt Sinn machen. Der limitierende Faktor stellt die Forderung der Anwender nach einer Batterielebensdauer von mindestens fünf Jahren dar. Kategorisiert sind die Anwendungsklassen in Monitoring (Klassen 4 und 5) Prozesssteuerung (Klassen 1, 2 und 3) sowie Funktionale Sicherheit (Klasse 0). Das Monitoring war die erste Anwendungsklasse, die bei der Entwicklung von WirelessHART berücksichtigt wurde. Ich bin überzeugt, dass die meisten Geräte im Bereich Prozessbeobachtung und Asset-Management eingesetzt werden. Wir haben aber schon im frühen Entwicklungsstadium sichergestellt, dass unsere Technologie leistungsfähig genug ist, um damit auch Regelungsaufgaben lösen zu können. Wir stellen das nicht explizit heraus, aber WirelessHART kann auch solche Anwendungen meistern.

Ist die Vision eines einzigen Wireless-Kommunikationsstandards für die Prozessindustrie gescheitert oder lässt sich der drohende „Luft-Kampf" noch verhindern?

Griessmann: Niemand kennt die Zukunft. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise könnte die Zusammenarbeit von ISA und WirelessHART fördern. Bleiben wir also optimistisch.

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