Hilscher

Meinrad Happacher,

Von IO-Link bis ins Portal

Wie lassen sich Sensor-Daten auf eine Cloud-Plattform aufspielen? Hilscher stellte zur SPS IPC Drives 2019 eine Technologie-Plattform vor, die als Systemlösung für OEMs gedacht ist. Senior-Chef Hans-Jürgen Hilscher erläutert anlässlich der embedded world die nächsten Schritte.

Hans-Jürgen Hilscher: „Mit unserem Portal stehen wir zu keinem Automatisierungshersteller im Wettbewerb.“

© Computer&AUTOMATION

Herr Hilscher, aus welchen Einzelkomponenten setzt sich Ihre Systemlösung zusammen?

Hans-Jürgen Hilscher:
Im Wesentlichen besteht unsere Plattform netField aus einem Chip-Set für den IO-Link Master und das Edge Gateway, aus OPC UA vom Server mit IO-Link Companion Profile bis zur REST API für den Cloud-Zugriff auf das Informationsmodell und letztlich aus dem Edge Portal zum Gerätemanagement. Umspannt wird das Ganze von einem durchgängigen Security-Konzept und alles in Kombination mit der Real-Time-Ethernet-Kommunikation, für die wir bekannt sind.

Was ist das Besondere an dem Gateway?

Hans-Jürgen Hilscher: Das Besondere ist, dass unser Gateway eigentlich kein Gateway mehr ist. Verständlicher ausgedrückt: Wir haben das Gateway mit in die IP67-IO-Link-Netzwerk-Einheit integriert. Das Chip-Set des Gerätes besteht also aus dem Netzwerk-Controller netX 90, dem intelligenten 4-kanaligen IO-Link-Transceiver netIOL und dem netX 4000 mit seinem Linux-Kern. Damit reduzieren sich Komplexität und Menge der Bauteile so weit, dass alles in die übliche IP67-Gehäusegröße von 60 mm x 200 mm passt. Vom Gateway ist quasi nur der zusätzliche M12-Gigabit-Stecker für die Cloud-Verbindung zu sehen. Für die Kommunikation mit der Steuerung ergibt sich kein Unterschied, ob die IP67-Einheit eine Gateway-Funktion besitzt oder nicht.

Das bringt welche Vorteile mit sich?

Hans-Jürgen Hilscher: Stellen sie sich vor, der Wartungstechniker tauscht die in Abmessungen und Anschluss gleiche IP67-IO-Link-Einheit gegen eine mit Gateway-Funktion aus und lässt von der IT den Anschluss ans Edge-Portal erstellen. Beim Wiederanlauf wird die IP67-Einheit wie bei einem Ersatzteiltausch von der Steuerung rekonfiguriert, die Produktion läuft an und alles Weitere erledigen die I4.0-Experten remote über das Edge-Portal. – Vielleicht wirkt der Gedanke noch etwas zu visionär. Was ich aber ausdrücken will: Sie brauchen keinen Experten mehr vor Ort, denn die Regel „never touch a running system“ halten wir vom Prinzip her ein.

Was ist die Aufgabe des Portals und worin unterscheidet es sich zu gängigen anderen Portalen?

Hans-Jürgen Hilscher: Das Portal kümmert sich primär um das Gerätemanagement und die Netzwerk-Diagnostik. Dazu gehören das ‚on boarden‘ und Identifizieren der Geräte und Sensoren im Automatisierungsnetzwerk, das Laden von Software, die Diagnostik und die Konfiguration bezüglich der Rechte und Rollen von Daten und Bediener.

Bezüglich Netzwerk-Diagnostik haben wir noch einiges an Hardware-Funktionen im Gateway vorgesehen, die über eine App optional zur Verfügung stehen. Erwähnen sollte ich noch, dass die Applikationen auf dem netX 4000 als Docker Container über das Edge-Portal eingebracht werden, sodass dieses in der weiteren Entwicklung auch eine App-Store-Funktionalität bekommen wird.

Warum macht es für Hilscher Sinn, ein eigenes Portal zu etablieren?

Hans-Jürgen Hilscher: Ich beantworte die Frage mit einer Gegenfrage: Macht es Sinn, dass jeder Feldgeräte-Hersteller sein eigenes Portal etabliert? Als Technologie-Provider sind wir seit über dreißig Jahren im Automation-Markt unterwegs und stehen mit keinem Sensor- oder Automatisierungsgeräte-Hersteller im Wettbewerb. Da macht es doch Sinn, wenn wir ein Portal zum Gerätemanagement zur Verfügung stellen und der Hersteller passt das Frontend auf sein Design an oder ergänzt seine Funk­tionalitäten. Damit entstehen interessante Geschäftsmodelle, wenn der Gerätehersteller die Sicht auf seine Geräte hat, ­während der Anlagenbetreiber alle Geräte seiner Anlage herstellerübergreifend sieht.

Außerdem repräsentieren die über eine Million netX-Controller, die wir jährlich in den Markt bringen, eine potenzielle Kundenbasis. Dazu würden wir uns freuen, wenn netField im Markt als eine offene Technologie wahrgenommen wird. Jeder kann Geräte und Edge-Gateways zur Nutzung im Edge-Portal bauen, wenn er das Know-how hat und für die Cloud-Connectivity auf die Open-source-Technologie von Microsoft aufsetzt.

Wie war die Resonanz auf der SPS IPC Drives auf Ihre Neuvorstellung?

Hans-Jürgen Hilscher: Mit dem Feedback waren wir sehr zufrieden! Wir hatten gleich nach der Messe einige technische WebEx-Präsentationen mit interessierten Firmen. – Eine Firma hat sich bereits für unsere Lösung und Technologie entschieden!

Wie verfolgen Sie das Thema weiter?

Hans-Jürgen Hilscher: Beim LNI 4.0 werden wir ein Testbed installieren mit dem Titel ‚Testbed Edge Connectivity Crosstechnology‘. Eine formlose Zusage des Vereins haben wir bereits und erstellen gerade die Formalien dazu. Ziel dabei ist es, Device Management aus der Cloud, Hersteller und Geräte übergreifend zu untersuchen und eine Best Practise zu erarbeiten. Das wird uns helfen quasi auf neutralem Boden unsere Lösung verschiedenen Firmen im praktischen Betrieb vorzustellen.

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