TSN/A Conference 2017
TSN ist "ready to go"!
Ist die Echtzeit-Ethernet-Variante TSN 'der' Kommunikationsstandard für die Industrie-4.0-Fertigung, das Automobil der Zukunft und die Consumer-Welt von morgen? Dieser Frage gingen über 400 Teilnehmer der TSN/A Conference am 20. und 21. September in Stuttgart auf den Grund.
Das Pyramiden-Modell hat uns in der Automation über viele Jahre gute Dienste erwiesen – doch es ist nun abgelaufen!“ Mit dieser These in seiner Keynote eröffnet Wolfgang Schenk die internationale TSN/A Conference in Stuttgart und fährt fort: „Wir brauchen in der Automation nun wesentlich flexiblere Modelle und Standards zur Kommunikation.“ Der Geschäftsführer bei Hirschmann Automation and Control ist davon überzeugt, dass das Pyramiden-Modell jetzt abgelöst wird durch einen Automatisierungspfeiler – den ‚automation pillar‘. Dieser Pillar benötigt allerdings einen „Highspeed Backbone mit geringer Latenzzeit und 0-Fehler-Wahrscheinlichkeit.“ Die Kommunikations-Technologie für diesen Backbone sieht Schenk im Time Sensitive Networking – kurz TSN: „Der TSN-Standard ist ready to go“, ermuntert er das Publikum, sich mit der Technologie auseinanderzusetzen: „Die Standardisierung ist soweit fortgeschritten, dass man darauf arbeiten kann. Es ist ein herstellerneutraler Standard und es ist ein Standard, der rückwärtskompatibel zu den bestehenden Ethernet-Netzwerken ist, und damit auch das ideale Brownfield-Scenario für alle bestehenden Feldbus-Protokolle, um sofort darüber aufzuspringen und darüber zu kommunizieren.
Kein Grund mehr zu warten
Am zweiten Konferenztag knüpft Stefan Schönegger, Business Unit Manager Open Automation bei B&R, an Schenks Worte an und bringt noch ein weiteres Schlagwort in die Diskussion. Seiner Meinung nach wird vor allem die Kombination aus TSN plus OPC UA die Strukturen der industriellen Automatisierungstechnik verändern. In seiner Keynote spannt er die diesbezügliche Roadmap von B&R auf. Schönegger gibt zu bedenken, dass es durchaus noch einige Hausaufgaben abzuarbeiten gelte, um eine breite Markteinführung zu gewährleisten – „Ein One-stop-shop für OPC-UA-TSN-Konformitätstests etwa.“ Aber generell habe sowohl OPC UA als auch TSN einen Reifegrad erreicht, der den Automatisierungsanbietern erlaube, 2018 entsprechende Produkte auf den Markt zu bringen.
Besonderen Charme bekommt TSN, weil diese Echtzeit-Ethernet-Technologie nicht nur in der Automation, sondern wohl auch in aller Breite einzieht. Dr. Kristen Matheus von BMW führt in ihrer Keynote auf, dass „12 der 16 größten Automobilhersteller konkrete Pläne haben, die TSN-Technologie in ihre Fahrzeuge zu integrieren.“ Wichtigstes Einsatzgebiet dürfte hierbei die Fahrerassistenz werden, da sie besonders zeit- und sicherheitskritisch sei.
Neben den Keynotes mit ihrem Überblicks-Charakter ging es in den übrigen Vorträgen durchaus ans Eingemachte. Insbesondere der Vortrags-Track zu den IEEE-Aktivitäten behandelte grundsätzliche, wichtige Aspekte: Von der Zeitsynchronisation festverdrahteter und Wireless-Verbindungen, über Latenzfragen des IEEE-802.1-Standards, Reliability- und Redundanzthemen bis hin zum Konfigurations- und Ressourcen-Management spannte sich der Bogen.
Die TSN/A Conference fand am 20.und 21. September zum ersten Mal in dieser Form statt. Sie ist die Fortführung des deutschen Kongresses Industrial Ethernet TSN der WEKA FACHMEDIEN und des internationalen Kongresses TSNA der AVNU Alliance und beleuchtet die TSN-Aspekte insbesondere der Industrieautomation, der Automobil-Industrie und der Consumer-Welt.
Nächstes Jahr findet die TSN/A Conference am 26./27. September, ebenfalls wieder in Deutschland statt.













